Heinold fragt: Wer war’s?

Die Verlage, nach denen regelmäßig an dieser Stelle gefragt wird, haben zumeist eine traditionsreiche Geschichte vorzuweisen. Bei dem Verlag, nach dem heute gesucht wird, geht es nicht um solch eine ehrwürdige Verlagsgeschichte, sondern um eine waschechte Erfolgsstory aus den letzten vierzig Jahren und um das zeitweilige Popstar-Paar der Branche.

Keimzelle des Verlages ist ein Comicladen, den der gesuchte Verleger einen Tag vor seinem neunzehnten Geburtstag gründete, um seine umfangreiche Comic-Sammlung zu Geld zu machen. Er begann außerdem selbst Comics zu verlegen. Ein großer Erfolg war ihm damit nicht beschieden, aber immerhin hatte er von seinen Eltern ein Startkapital von 50.000 DM zur Verfügung. Schon bald zeigte sich, dass er die berühmte verlegerische Nase hatte. Er griff zu, als ihm die englischsprachige Restauflage eines Bildbandes über einen berühmten surrealistischen Künstler zum Vertrieb angeboten wurde. Er erwarb die 40.000 Exemplare zum Stückpreis von einem Dollar und brachte sie für 9,95 DM auf den Markt.

Damit war die Verlagsidee geboren. Bis dahin galt die buchhändlerische Devise, dass Kunstbände zu hohen Preisen, jedoch nur in kleiner Stückzahl zu verkaufen seien. Der Newcomer entdeckte, dass es einen breiten Markt für anspruchsvolle, gut ausgestattete, in hoher Auflage verkäufliche und damit preiswerte Bildbände gab und gibt.

Ebenso genial war seine Vertriebsidee. Ein anderer Verleger hätte sich für den Weg in den Buchhandel klassische und regional gut eingeführte Verlagsvertreter gesucht. Unser Newcomer aber lud den Buchhandel ein, zum Einkauf zu ihm zu kommen, indem er seine Kollektion in Hotelhallen und Verkaufsbussen präsentierte.

Das Programm erschwinglicher Bücher in modernstem Design wurde von der bildenden Kunst aus auf die Bereiche Architektur, Design und Film ausgedehnt. Und da Bildbände sich zur Koproduktion – mehrsprachig oder mit in der jeweiligen Landessprache eingedruckten Texten – hervorragend eignen, war für den gesuchten Verleger der Einstieg ins internationale Geschäft vorgezeichnet. Inzwischen ist der Verlag weltweit in sechs Ländern tätig und betreibt im In- und Ausland elf eigene „Flaggschiff“-Läden.

Die ursprüngliche Beschränkung auf den Massenmarkt wurde längst durchbrochen. Das teuerste Buch in der Geschichte des Verlages ist in verschiedenen Editionen zu 12.500, 10.000, 4.000 und 3.000 US-Dollars zu haben. Die Palette der Editionsformen reicht von der umfangreichen Ausgabe des Gesamtwerkes eines der größten Renaissancekünstler bis zu preiswerten Kunstserien, Kalendern, Adressbüchern und Postkarten. Die beiden schwersten Titel des Verlages wiegen je 30 kg.

Der Verleger kennt auch thematisch keine Grenzen. Er hat Fetisch-Bildbände, Schwulenliteratur, historische Erotika, Männermagazine und Pornographie im internationalen Buchhandel salonfähig gemacht. Einen besonderen Tabubruch bedeutete es, als er seine aus reputierlicher rheinischer Buchhandelsfamilie stammende schöne Cheflektorin und Ehefrau als seitlich gesehenen Rückenakt auf einem Verlagsprospekt abbildete. Das Paar ließ sich zehn Jahre später sogar in sadomasochistischer Pose fotografieren und lebte bis zur Scheidung zusammen im „modernsten Wohnhaus der Welt“ (Encyclopaedia Britannica).

Heinold fragt: Wie heißt der Verlag (= Familienname des Verlegers)?
Antworten an heinold@buchmarkt.de

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