Heinold fragt: Wer war’s?

Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Das Schicksal der Buchverlagsgruppe, nach der wir heute fragen, ist eng mit der wechselhaften politischen, geistigen, kulturellen und Wirtschaftsgeschichte von den Gründerjahren bis heute verknüpft.

Das namengebende Verlagshaus hat seinen Ursprung in einem Zeitungs- und Zeitschriftenverlag, der, 1877 gegründet, einen ungeahnten Aufschwung nahm. Es wuchs das Bedürfnis der hauseigenen Redaktionen, ihre Substanzen auch in Buchform zu verwerten. 1903 wurde dafür ein eigener Verlag gegründet. Diese Herkunft prägte die erste Phase des Verlages, die ins deutsche Kaiserreich fiel.

Das pulsierende Geistes- und Kulturleben der Weimarer Republik gaben der zweiten Phase ihr Gesicht. Zu Unterhaltungsromanen und praktischen Büchern traten preiswerte populäre Reihen, Reise- und Abenteuerbücher und die neu entstehende Gattung Sachbücher. Für literarische Titel, Werkausgaben, Kunstgeschichte und Nachschlagewerke wurde ein eigenes, bis heute hoch angesehenes Verlagslabel geschaffen.

Aus politischen und rassistischen Gründen wurde die Inhaberfamilie 1934 enteignet und außer Landes gejagt. Das Verlagshaus wurde umbenannt und dem Presseimperium der NSDAP eingegliedert. Diese unrühmliche Phase der Verlagsgeschichte endete mit dem Verschwinden des Deutschen Reiches.

In der vierten Phase begannen Familienmitglieder nach später Restitution unabhängig voneinander mit dem Wiederaufbau ihres Unternehmens am Stammsitz und in der Hauptstadt einer benachbarten deutschsprachigen Republik. Zur alten Größe konnten weder der Zeitungs- und Zeitschriftenverlag noch der Buchverlag zurückfinden, obwohl mit Sitz in Hessen als Tochterunternehmen der drittgrößte deutsche Taschenbuchverlag entstand. Schon vor dem Mauerbau die meisten Verlagsabteilungen nach Hessen verlegt.

Schließlich ging das Unternehmen 1960 in den Besitz eines großen Zeitungskonzerns über, dem es in erster Linie um die Zeitungsrechte und das den Erben verbliebene Druckhaus in der früheren Reichshauptstadt ging, wohin nach einigen Jahren auch die Buchverlagsgruppe zurückverlegt wurde. Damit begann die fünfte Phase, gekennzeichnet durch auflagenstarke Titel, aber auch durch eine Profilsuche unter wechselnden Geschäftsführungen.

Die sechste Phase führte zum Zusammenschluss mit einer politisch rechts geprägten süddeutschen Verlagsgruppe. Elf Jahre lang lag die Führung bei dem patriarchalisch regierenden Inhaber dieser Gruppe, bis auseinanderfiel, was aufgrund der liberalen Tradition des Hauses nicht zusammengehörte.

Der Zeitungskonzern führte nach einiger Zeit seine Buchverlage mit einer süddeutschen Verlagsgruppe zusammen, um sie als dritte Größe im deutschen Buchmarkt zu etablieren. Im Zuge dessen siedelte das Unternehmen größtenteils nach Süddeutschland über. Das „think big“ des neu gewonnenen Verlagspartners endete in einem wirtschaftlichen Fiasko.

Ein ausländischer Familienkonzern übernahm unseren gesuchten Stammverlag und eine Reihe weiterer Verlage aus dem Verbund, sanierte sie und arbeitete unter dem Motto „Stärke durch Vielfalt“ ihre traditionellen Profile neu heraus. Die Gruppe von zehn Verlagen produziert, wirtschaftlich gesundet und als geschätzter Partner des Buchhandels, jährlich etwa 120 Hardcovertitel sowie 400 Taschenbücher und Paperbacks.

Heinold fragt: Wie heißt die Gruppe?

{Senden Sie die Lösung an heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 15. Februar 2012. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ (Bramann) von Wolfgang E. Heinold.

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