Heinold fragt: Wer war’s?

Heute lade ich Sie ein, nach einem Verlag in der Bundesrepublik zu suchen, der die Stimmme einer sprachlichen und ethnischen Minderheit darstellt. Diese Minderheit ist auf auf westslawische Volksstämme zurückzuführen, die während der Völkerwanderung ein größeres Gebiet in Besitz nahmen, das von den germanischen Stämmen verlassen worden war.

Zahlreiche Ortsnamen, Dörfer in Rundlingsform und Reste einstmals stattlicher Burgwälle erinnern an diese Zeit. Im Zuge der deutschen Ostkolonisation wurden die Stämme unterworfen und christianisiert, ihre Siedlungen aber blieben erhalten, ja es wurden von der Minderheit neue dazu gegründet. Ihre ethnische und sprachliche Eigenständigkeit hielt sich durch die Jahrhunderte.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zählte man noch rund 160.000 Bewohner, die eine der beiden Sprachen der Minderheit oder einen der Grenzdialekte beherrschten. Heute sind es nach Schätzungen zwischen 20.000 und 30.000 Personen. Aus dieser Gruppe kommt übrigens der dienstälteste Ministerpräsiden eines der deutschen Bundesländer.

1912 wurde ein Dachverband gegründet, in dem sich Vereine versammelten, welche die Tradition, die Kultur und die Sprachen der Minderheit pflegten. Der Verband widersetzte sich im „Dritten Reich“ der Gleichschaltung und wurde verboten und enteignet. Kaum waren am Ende des Zweiten Weltkrieges die letzten Truppen abgezogen, wurde er neu gegründet. Als Vertreter eines – wenn auch kleinen – slawischen Brudervolkes genoß er zunächst die Sympathie der Besatzungsmacht, wurde aber bald völlig von der SED vereinnahmt.

Nach dem Ende der DDR wurden in einem Zusatzprotokoll zum deutschen Einigungsvertrag und in Ländergesetzen die Rechte der Minderheit anerkannt. Dazu gehören zweisprachige Orts- und Straßenschilder und eine eigene Flagge. Eine Stiftung, die vom Bund und von zwei Bundesländern getragen wird, sichert die Einrichtungen der Minderheit, zu denen neben dem Dachverband und wissenschaftlichen Instituten der gesuchte Verlag gehört. Er trägt den Namen des Dachverbandes, der auf Deutsch „Heimat“ bedeutet.

Eine nationalbewußte Literatur in den beiden Sprachen hatte sich erst im 19. Jahrhundert entwickelt, darunter die Hymne, auf die die heutige eigenständige Natioalhymne zurückgeht. Während frühere Publikationen in den beiden Minderheitssprachen in privaten Unternehmen erschienen, wurde der gesuchte Verlag im Jahre 1958 als volkseigener Monopolbetrieb gegründet. Auf ihm lastete – wie auf allen DDR-Verlagen – die Hypothek der vollständigen Abhängigkeit vom SED-Staat.

Und so sieht der Verlag heute aus: Neben Belletristik, Kinder-, Sach- und Hörbüchern erscheinen Lehr- und Lernmatialien sowie eine Abendzeitung, eine Wochenzeitung und drei kulturelle Zeitschriften, darunter eine religiöse. Zunehmend werden digitale Medien (E-Books und E-Paper) genutzt. Es dominieren die beiden Sprachen der Minderheiten, aber es werden auch deutschsprachige Veröffentlichungen herausgebracht. Auch wird im Verlagsgebäude als einzige ihrer Art eine Buchhandlung mit angeschlossenem Antiquariat betrieben, die sich auf die vom Verlag gepflegten Sprachen spezialisiert hat.

Heinold fragt: Wie heißt der Verlag und wo ist sein Sitz?

Bitte mailen Sie Ihre Lösung und Ihre Anschrift an: heinold@buchmarkt.de. Unter den Einsendungen verlosen wir ein Exemplar {Bücher und Buchhändler von Wolfgang E. Heinold}

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.