Heinold fragt: Wer war’s?

Lesen Sie aufmerksam folgenden Text und schicken Sie uns die richtige Lösung: Die Geschichte des Verlages beginnt vor 287 Jahren. Ein aus Sachsen stammender Buchhändler erhielt in einer abgelegenen preußischen Provinzhauptstadt das Privileg, „den Buch-Handel mit offenem Laden“ aufzunehmen – gegen den erbitterten Widerstand der drei bereits ortsansässigen Kollegen.

Die Neugründung hat Erfolg, die Zusammenarbeit mit der örtlichen Universität ist eng, und wie damals üblich, wird mit Büchern nicht nur gehandelt, es werden auch theologische, juristische und philosophische Werke verlegt. 24 Jahre führt der Gründer die Firma, dann verkauft er sie an einen Drucker vor Ort. Der aber stirbt nach zehn Jahren Tätigkeit während eines Messebesuches in Leipzig – ein Schicksal, das sich wiederholt, als 214 Jahre später der Inhaber der Firma auf der Rückfahrt von der Frankfurter Buchmesse tödlich verunglückt.

Die zweite Hälfte des 18. und das 19. Jahrhundert sind Jahrzehnte des sich abwechselnden wirtschaftlichen Aufstiegs und Niedergangs und auch der Stagnation. Mehrmals steht die Firma am Randes des Konkurses, mehrfach zieht sie innerhalb der Stadt um, in der sie gegründet worden ist. Ihren endgültigen Namen erhält sie im Jahre 1832, als der langjährige Inhaber sie an seinen Sohn und seinen Schwiegersohn verkauft, deren beider Namen, mit einem ausgeschriebenen „und“ verbunden, sie bis heute trägt.

Eine neue Epoche beginnt 1902 mit dem Eintritt eines Buchhändlers, der die Firma aus langjährigem Dornröschenschlaf erweckt und nach dem Ersten Weltkrieg zur größten und modernsten Buchhandlung Europas entwickelt, indem er Fachabteilungen einrichtet, Ladentheken entfernt, Sessel und Tische aufstellt und Leseecken einrichtet. Auch gilt ihr Buchverlag in jenen Jahren als der wichtigste Regionalverlag der Provinz.

Ein Mann der Neuanfänge ist auch der Nürnberger Buchhändler, der 1927 als Schwiegersohn in das Unternehmen eintritt, es ausbaut und durch das Dritte Reich steuert. 1944 steht er vor den Trümmern seiner Firma, wenige Monate später geht die Stadt am Ende des Zweiten Weltkrieges unter. Schon 1946 vereinigt er die vertriebene Firma mit einer angesehenen alteingesessenen Universitätsbuchhandlung in Hessen.

Als sein Teilhaber, der die Firma führt, einem Raubmord zum Opfer fällt, verkauft er sie zurück an die früheren Besitzer. Er selbst, in Bayern ansässig, erwirbt in einer dortigen Marktgemeinde eine Buchhandlung und baut den Verlag in einem Badeort wieder auf – zunächst mit Literatur über die ehemalige Heimat. 1956 übersiedelt der Verlag in die Stadt, die liebevoll „Bücherberg vor den Alpen“ genannt wird und in der sie noch heute ihren Sitz hat.

Ein junger Wiener Kunstwissenschaftler und Druckingenieur, den er 1955 in die Firma holt und sechs Jahre später zum Mitgesellschafter macht, führt die entscheidenden Innovationen durch: zunächst durch den Aufbau einer Reihe mit Farbbildbänden, vor allem aber durch konsequente Entwicklung einer speziellen Buchgattung, die den Verlag bis heute prägt. Neu ist auch der zusätzliche Vertrieb in Nebenmärkten, wobei der Verkauf von 800.000 Exemplaren eines erfolgreichen Titels über einen ungewöhnlichen Systempartner für helle Aufregung in der Branche sorgt.

Schlagartig macht diese Aktion den Verlag einem breiten Publikum bekannt und seine Erfolgsgeschichte setzt sich rasant fort. Maßgeblich dafür sind die inhaltliche Qualität der Titel, die exquisite fotografische und typografische Ausstattung, die konsequente Markenführung und ein für Verlage ungewöhnlich professionelles Marketing. Nach dem oben erwähnten Unfalltod des Hauptgesellschafters erwirbt der Mitgesellschafter alle Anteile, nimmt seinen branchenweit bekannten Vertriebsleiter als Teilhaber auf und veräußert mit diesem zusammen das Unternehmen 20 Jahre später an eine angesehene norddeutsche Zeitschriften- und Buchverlagsgruppe.

Im Ranking der größten deutschen Buchverlage belegt das Verlagshaus heute einen Platz im vorderen Drittel und ist auf seinem speziellen Gebiet unbestrittener Marktführer. Es erscheinen ausschließlich Titel einer einzigen Buchgattung. Die Kernmarke ist in sechs Programmbereiche gegliedert, dazu kommen zwei Spezialmarken. Nun schon im dritten Jahr betreibt der Verlag mit Erfolg im Internet ein Portal rund um eines seiner Hauptthemen mit einer eigenen, aktiven Community.

Heinold fragt: Wie heißt der Verlag (Verlagsname und Sitz)?

Senden Sie die Lösung an: heinold@buchmarkt.de. Einsendeschluss ist der 10. Oktober 2009. Unter den Einsendern, deren Lösung komplett und richtig ist, verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ (Bramann) von Wolfgang E. Heinold.

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