Heinold fragt: Wer war’s?

Ich lade Sie heute ein, nach dem Namen eines Monatsmagazins zu suchen, das einst die größte deutschsprachige Zeitung im Ausland war. Ihre Geschichte ist eng mit der Emigrantenwelle verknüpft, die durch die antisemitische Politik des Naziregimes ausgelöst wurde. Für alle, die in Pressegeschichte nicht sattelfest sind, gibt es eine „buchhandelsaffine“ Ratehilfe.

Gegründet wurde das Blatt 1934 als Vereinsorgan des New Yorker „German-Jewish Club“. Es entwickelte sich zum Sprachrohr deutschsprachiger Juden, die in wachsender Zahl Zuflucht in den USA suchten. Im Jahrzehnt nach seiner Gründung erreichte die Auflage bald stolze 50 000 abonnierte Exemplare. „Ihr Blatt“, gratulierte Thomas Mann zum 15jährigen Bestehen, „ist eine Macht geworden – und eine wohltätige“. Damit bezog er sich auf die vielfältige Lebenshilfe, die die Wochenzeitung vor allem den Einwanderern bot, vom englischen Sprachunterricht bis zu Stellenausschreibungen und Wohnungsangeboten. Das Blatt trug dazu bei, dass aus deutschen Juden Neu-Amerikaner wurden.

Ein liberaler Journalist übernahm 1939 die Chefredaktion. Er kam von Ullstein und Mosse in Berlin, hatte an der „Schau-„, später „Weltbühne“ mitgearbeitet und und für Emigrantenblätter aus dem Spanischen Bürerkreig berichtet. Sein Ziel war, zur Loyalität der Zuwanderer zu ihrer neuen Heimat beizutragen, sie im Festhalten an ihrem Judentum zu bestärken und weiterhin Verbindung zur deutschen Kultur und Sprache zu halten. Er machte aus dem Monatsmagazin eine Wochenzeitung und leitete sie von 1939 bis zu seinem Tode 1965, also in der bewegten Zeit des Zweiten Weltkrieges und Holocausts und in den Jahrzehnten danach, als sie dazu beitrug, zerstreute jüdische Familen wieder zusammenzuführen oder mit Todesanzeigen an die Opfer der deutschen Vernichtungsmaschinerie zu erinnern.

An der Zeitung arbeiteten bedeutende Autoren mit, darunter Max Brod, Martin Buber, Lion Feuchtwanger, Oskar Maria Graf, Heinrich Eduard Jacob, Karl Jaspers, Ludwig Marcuse, Alfred Polgar, Hans Sahl, Gershom Scholem, Franz Werfel, Carl Zuckmayer und Stefan Zweig. Albert Einstein zählte eine Zeit lang zum Herausgebergremium, Hannah Arendt schrieb provozierende Kolumnen, die Kontroversen auslösten, zum Beispiel über Zionismus und Remilitarisierung der Juden.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts setzte der Niedergang ein: „Die Leser, die sich einst als Schicksalgemeinschaft der aus Deutschland vertriebenen Juden verstanden, sterben allmählich weg.“

Aber die gesuchte Zeitschrift ist noch längst nicht Geschichte. Ende 2004 erwarb eine Zürcher Verlag die Rechte. Seit 2005 erscheint sie – wieder als Monatsmagazin – in der Schweiz.

Heinold fragt: Wie heißt dieses Presseorgan? (Kleine Ratehilfe: Der Titel ist identisch mit der Bezeichnung eines belletristischen Verlages, der zu den wenigen Überlebenden der Verlage des einstigen „Leselandes“ DDR gehört; eine wirtschaftliche Verbindung besteht nicht).

Bitte mailen Sie Ihre Lösung und Ihre Anschrift an: heinold@buchmarkt.de. Unter den Einsendungen verlosen wir ein Exemplar Bücher und Buchhändler von Wolfgang E. Heinold. Einsendeschluss ist der 18. März.

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