Heinold fragt: Wer war’s?

Im zu Ende gegangenen Jahr 2015 wurde der Wiedervereinigung Deutschlands gedacht. Es existieren von den ehemals lizenzierten 78 Verlagen der DDR nur noch ein Handvoll. Wir suchen heute nach einem, der einige Jahre nach der „Wende“ kurioserweise am gleichen Ort unter dem gleichen Familiennamen, wenn auch mit anderen Zusatzbezeichnungen, existierte und damit vor allem für „Bestellbuchführer“ im Buchhandel zu erheblicher Verwirrung sorgte. Die beiden Unternehmen hatten aber verschiedene Eigentümer, auch wenn sie der gleichen Wurzel entsprungen waren.

Die Wurzel war eine 1624 gegründete Hofbuchdruckerei, die 1853 von einem Buchhändler übernommen wurde, der ihr seinen Namen gab und den Verlag zielstrebig am Hauptort der deutschen Klassik ausbaute, u.a. mit einigen bedeutenden Werkausgaben. Seine gleichnamige Tochter war eine der meistgelesenen Autorinnen ihrer Zeit. Seine Nachfolger veränderten den Firmennamen, wobei sein Familienname erhalten blieb.

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Gerettet wurde es durch einen Autor: Der im deutschsprachigen Ausland ansässige Geheimrat erwarb eines der Flaggschiffe des Verlages, eine renommierte wissenschaftliche Zeitschrift, und wenig später das ganze Unternehmen. Seine am Verlagsort ansässige Lektorin erhielt nach dem Zweiten Weltkrieg die sowjetische Lizenz zur Fortführung des Unternehmens.

Ein in der DDR ansässiger Verlag in ausländischem Privatbesitz – das konnte auf die Dauer nicht gutgehen. 1978 gab der Enkel des inzwischen verstorbenen Inhabers dem Drängen der zuständigen Behörden nach und verkaufte die Firma an eine staatliche Institution der DDR. Sein Großvater aber hatte 1947 zunächst eine Firma unter anderem Namen in der damaligen britischen Besatzungszone gegründet, die er später unter dem tradtionsreichen Familiennamen jenes Buchhändlers aus dem 19. Jhrhundert weiterführte. Dazu errichtete er unter dem gleichen Namen einen Verlag in seiner ausländischen Heimat. Jetzt gab es drei Verlage unter sehr ähnlichen Bezeichnungen, die der Buchhandel auseinanderzuhalten hatte.

Nach der Wiedervereinigung veräußerte jene ehemalige DDR-Institution das ihr angegliederte Unternehmen an einen Verleger aus den alten Bundesländern, der es acht Jahre später an einen angesehenen konzernabhängigen Wissenschaftsverlag weiterverkaufte. Der Verlagssitz in den neuen Bundesländern wurde zunächst beibehalten. Die Eigentümerfamilie gründete nun ihrerseites – weiterhin im Besitz des Firmennamens – eine Niederlassung am alten Verlagssitz in den neuen Bundesländern. So gab es vier Verlage mit dem gleichen Familiennamen, bis der Konzern seine Niederlassung auflöste und das Programm in den eigenen Wissenschaftsverlag integrierte, wobei die alte Verlagsbezeichnung nur noch für Fortsetzungswerke gilt.

Heinold fragt: Wie lautet der allen erwähnten Firmen gemeinsame Familienname und wie heißt der Gründungsort? Im ehemaligen Verlagsgebäude befindet sich jetzt das Stadtarchiv; eine Gedenktafel erinnert an den namengebenden Verleger.

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