Heinold fragte im Januar nach Langenscheidt, München

Hier die komplette Lösung des Rätsels [mehr…]: Gustav Langenscheidt (1832–1895) stammte aus einer Berliner Handwerkerfamilie, deren Vorfahren im 17. Jahrhundert aus Westfalen eingewandert waren. Im November 1849 hatte er eine Bildungsreise angetreten, die ihn nach Italien, Frankreich und England führte.

In London wurde ihm bewusst, was ihm entging, weil er die englische Sprache nicht beherrschte. Damit war seine Verlagsidee geboren: Er wollte Selbstlernkurse für Sprachen verfassen. Mit diesem Vorhaben kehrte er im September 1850 nach Berlin zurück.

Als Verbündeten gewann Langenscheidt seinen Französischlehrer Charles Toussaint (1813–1877). Gemeinsam entwickelten sie eine Sprachlernmethode mit einer von ihnen erdachten Lautschrift, die in ähnlicher Weise funktionieren sollte wie die Notenschrift für Töne. Das 1856 vollendete, 246 Seiten starke Manuskript trug den Titel Brieflicher Sprach- und Sprechunterricht für das Selbststudium der französischen Sprache. Vergeblich bot er es etablierten Verlagen, z. B. der Nicolaischen Buchhandlung an.

Mit Hilfe des familiären Vermögens gründete er daraufhin seinen eigenen Verlag, die Expedition der Unterrichtswerke nach der Methode Toussaint-Langenscheidt. Er spezialisierte sich auf den Direktvertrieb der lieferungsweise erscheinenden Lehrbriefe. 1868 wurde die Firma in G. Langenscheidts Verlagsbuchhandlung umbenannt. Eine eigene Druckerei war bereits 1867 errichtet worden.

Als erstes Verlagswerk erschien 1856 der Französischkurs. Ein zunächst erfolgloser Englischkurs schloss sich 1861 an. Er entwickelte sich zum Longseller. 1863 begann der Verleger mit den Vorbereitungen für ein „Enzyklopädisches französisch-deutsches und deutsch-französisches Wörterbuch“. Das Werk erschien von 1869 bis 1880 in Lieferungen, der bis heute berühmte Sachs-Vilatte. Ihm folgte später das englische Pendant, der ebenso berühmte Muret-Sanders.

Das als Schnellschuss produzierte Deutsch-französische Tornister-Wörterbuch für Deutschlands Krieger von 1870 kann als Vorläufer der Langenscheidtschen Taschen- und Schulwörterbücher gelten, die bis heute eine tragende Säule des Verlages darstellen.

Gustavs Sohn Carl Langenscheidt (1870–1952) gründete u. a. den Mentor-Verlag, um sich auch anderen Themen als dem Sprachenlernen widmen zu können, verkürzte die Bezeichnung der Methode auf das eingängige Wort „Metoula“ und brachte die Metoula-Sprachführer heraus. Unter seiner Führung überstand der Verlag die Inflation besser als andere: ein Viertel des Umsatzes wurde im Ausland und damit in stabilen Währungen erzielt.

Carls Neffe Gustav Langenscheidt (1890–1949) wurde 1932 Mitinhaber. Er engagierte sich als Berliner Gauobmann des Buchhandels in der Reichsschrifttumskammer und wurde nach dem Ende des Dritten Reiches aus der Firma ausgeschlossen, um die Erteilung einer Lizenz durch die Besatzungsnacht zu ermöglichen.

Zu diesem Zweck erwarb Georg Jacobi die Nutzungsrechte von der Familie. Dem von ihm geleiteten Sprachenverlag wurde 1947 die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der Produktion erteilt. 1951 wurde der Lizenzvertrag mit ihm aufgelöst. Teilhaber der neu gegründeten Langenscheidt K. G. Verlagsbuchhandlung wurden Georg Jacobi und Carl Langenscheidts Enkel Karl Ernst Tielebier (1921), der Sohn seiner Tochter Edith Tielebier. Der hatte auf Verlangen des Großvaters schon 1946 gegen eine Gebühr von 20 Reichsmark für sich den Namen Tielebier-Langenscheidt behördlich eintragen lassen und – obwohl bereits studierter Bauingenieur – beim Stuttgarter Friedrich Enke Verlag eine Verlagsbuchhändlerlehre absolviert.

Karl Ernst Tielebier-Langenscheidt verlegte den Hauptsitz der Firma 1961 im Jahre des Mauerbaus von Berlin nach München. Seine verlegerische Großtat war das neue, 1956 zum hundertjährigen Jubiläum von Professor Richard Blank geschaffene, bis heute charakteristische Corporate Design: Gelb statt des bisherigen Blaus als Haus- und Signalfarbe und als Logo das blaue L auf gelbem Grund.

Von den verschiedenen Kooperationen, Beteiligungen, Zu- und Verkäufen der letzten Jahrzehnte seien hier nur der Sektor Reise/Kartographie (Polyglott u. a.) und die Übernahme der Mehrheit am der Bibliographisches Institut/F. A. Brockhaus AG erwähnt; Engagements, die in den letzten Jahren aufgegeben worden sind.

Karl Ernst Tielebier-Langenscheidts Söhne sind Andreas Langenscheidt (1952), der bis vor einem Jahr an der Spitze der Verlagsgruppe stand (heutiger GF ist Jan Henne De Dijn), und der aus dem operativen Geschäft wieder ausgeschiedene Florian Langenscheidt (1955). Andreas Langenscheidt hat wesentlich zum internationalen Ausbau der Gruppe beigetragen und die in den letzten Jahren erfolgte Konzentration auf das Kerngeschäft des Traditionshauses herbeigeführt.

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