Heinold fragte im Juli nach Paul Zsolnay, Wien

Hier die komplette Lösung des Rätsels [mehr…]: Paul (von) Zsolnay (12.06.1895 in Budapest – 13.05.1961 in Wien) war der Sohn von Adolf von Zsolnay (bürgerlich geboren als Adolf Wix) und dessen Frau Andy, geb. Wallerstein. Er studierte in Wien Landwirtschaft an der Hochschule für Bodenkultur und bewirtschaftete die väterlichen landwirtschaftlichen Betriebe in Oberufer bei Pressburg (heute Bratislava).

Im Salon seiner Mutter im Schloss Oberufer bekam er in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts Kontakt zur literarischen und künstlerischen Elite der Zeit, darunter Richard Strauß, Arthur Schnitzler, Felix Salten (Erfinder des „Bambi“), Richard Coudenhove-Calergi, Heinrich Mann und Gerhart Hauptmann.

Sein erstes Verlagswerk im April 1924 und gleich ein Bestseller war Franz Werfels Verdi – Roman der Oper. Ausstatter der Bücher und Erfinder des Streifenmusters war Rudolf Geyer. Von Zsolnay verlegte Literaturnobelpreisträger sind Sinclair Lewis (1930), John Galsworthy (1932), Roger Martin du Gard (1937), Pearl S. Buck (1938) und John Steinbeck (1962).

Zsolnay heiratete 1929 die Bildhauerin Anna Mahler, die Tochter von Alma Werfel-Mahler und Gustav Mahler. Die Ehe währte nur kurz, aber die aus der Ehe hervorgegangene Tochter Alma Zsolnay (1930 – 1940) wuchs bei ihrem Vater auf und wurde später Mitinhaberin des Verlags.

Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Wien übersiedelte Paul Zsolnay nach London, wo er den Verlag Heinemann & Zsolnay mitgründete. Hannes Dietl, hauptberuflich bei der Böhler Stahlwerke A.G. tätig, und der Schriftsteller Albert Jantsch-Streerbach „arisierten“ den Verlag zum Schein. Die Sache flog auf, die Gestapo schloss den Verlag zunächst und setzte den Juristen Wilhelm Hofmann als Treuhänder ein.

Der Buchhändler und ehemalige Fachreferent der Reichsschrifttumskammer Karl Heinrich Bischoff führte den Verlag ab Oktober 1941 als Zsolnay Verlag Karl H. Bischoff, ab Juni 1942 als Karl H. Bischoff Verlag fort. Unter seiner Ägide wurde das Unternehmen zum produktivsten deutschen Belletristikverlag.

Am 28. Januar 1946 berichtete Albert von Jantsch-Streerbach an Zsolnay in London, „dass K.H. Bischoff und seine Frau noch im März 1945 die Originale aller Autorenverträge …, Lagerbestände, Geld, Teppiche u. Bilder aus den Verlagsräumen nach Laichingen (Württemberg) verschoben (hätten), wo sein Vater eine Buchhandlung besitzt.“ Zwischen Paul von Zsolnay und Karl H. Bischoff wurde am 19. März 1957 ein Vergleich geschlossen, mit dem alle gegenseitigen Ansprüche als erledigt erklärt wurden. Bischoff wurde im Juni 1965 zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Laichingen ernannt. Er hatte vor allem während des Dritten Reiches unter dem Pseudonym Veit Bürkle eine Reihe von Erzählungen und Romanen unter Titeln wie Heimat ohne Ende veröffentlicht.

Paul Zsolnay kehrte im Juni 1946 nach Wien zurück, übernahm den Verlag, der seit Mai 1945 unter öffentlicher Verwaltung gestanden hatte und „fing wieder dort an, wo er im Jahre 1938 aufgehört hatte“ (zitiert nach: „Der Paul Zsolnay Verlag 1924 –199 – Dokumente und Zeugnisse“). Eine wichtige Neuerung war die Gründung einer Niederlassung in Hamburg, sodass der Verlag unmittelbaren Zugang zum westdeutschen Buchmarkt hatte. Paul Zsolnay pendelte zwischen London, Hamburg, Paris, Zürich und Wien. Er verstarb 1961 in Wien.

Im Frühjahr 1986 erwarb Ernst Leonhardt, Druckereibesitzer, Verleger und Inhaber der Deutschen Buchgemeinschaft Darmstadt das Unternehmen und bestellte Gerhard Beckmann zum alleinigen Geschäftsführer. 1990 ging der Verlag in den Besitz der Verlagsunion Erich Pabel – Arthur Moewig KG Rastatt, einer Tochter des Hamburger Heinrich Bauer Verlags über.

1996 landete Zsolnay im jetzigen Hafen, in der Gruppe der sechs Hanser Literaturverlage, wo er zu seiner alten Rolle, dem eines in Österreich ansässigen, international orientierten Belletristik- und Sachbuchverlages, zurückfand.

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