Heinold fragte im Mai nach: Garamond

Claude Garamond schrieb seinen Famliennamen mit „t“ als Garamont, war gelernter Buchdrucker und betätigte sich als Schriftgießer, Typograph, Stempelschneider und Verleger. Sein Lehrer, der samt seinen Büchern auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, war Antoine Augereau (geboren zwischen 1532 und 1534, gestorben am Heiligabend 1534).

Augerau hatte u.a. ein Werk der Königin Marguerite von Navarra (1492-1549) gedruckt und verlegt. Deren Hauptwerk war die posthum erschienene, nach dem „Dekameron“ des italienischen Schriftstellers Giovanni Boccacio (1313 – 1375) gestaltete Rahmenerzählung „Heptameron“.

Garamond wurde nach einigen Angaben 1480, nach anderen 1498/99 geboren. Seine Lehre absolvierte er lt. „Lexikon des gesamten Buchwesens“ (2. Auflage Bd. II, 1989) unter Augereau in der Druckwerkstatt von Robert Estienne (1503 – 1559) – demnach war Estienne jünger als Garamond, was auf die verworrene Quellenlage zu Garamonds Leben verweist.

Es wird angenommen, dass Garamond seine Schriften nach römischen Vorbildern und nach der von Francesco Griffo da Bologna für den venezianischen Drucker und Verleger Aldus Manutius (im 1450 – 1515) entworfenen Antiqua gestaltete. Das Online-Typolexikon.de von Wolfgang Beinert konstatiert: „Der kursive Schriftschnitt seiner Cicero von 1530 gilt bis heute unter Schriftgestaltern als typographische Quintessenz ästhetischer Vollkommenheit.“ Fachleute bezweifeln, dass es sich bei der Garamond um eine von diesem geschaffene Schrift handelt, sondern ordnen sie seinem Lehrmeister Augereau zu.

Das schon zitierte „Lexikon des gesamten Buchwesens“ erklärt kurz und bündig: „Alle heute gebräuchlichen Garamond-Schriften sind Nachschnitte“. In Wirklichkeit ist die Geschichte der Garamond komplizierter. Im Barock schnitt Jean Jannon (1580 – 1658) die Schrift nach, der verhaftet und dessen Werkstatt von Kardinal Richelieu ausgeplündert wurde.

Populär wurde die Schrift erst, als sie – wiederum lt. Typolexikon – in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts nach „zweihunderjährigem Dornröschenschlaf“ in der deutschen Garamond der Offenbacher Stempel AG revitalisiert wurde. Sie ist bis heute die im Buchdruck am häufigsten eingesetzte Schriftart und hat auch Eingang in die digitale Welt gefunden.

Über Garamond gibt es bis heute keine wissenschaftlich fundierte Biographie, aber einen Roman um sein Leben, der allerdings unter einer ungelenken Übersetzung leidet (Anne Cuneo: Garamonds Lehrmeister. Aus dem Französischen von Erich Liebi. München: Knaur Taschenbuchverlag 2006. Lizenzausgabe der 2004 im Limmat Verlag Zürich erchienenen deutschsprachigen Ausgabe).

Links:
www.loudbassoon.com/languange/garamond_history.html
www.typolexikon.de/garamond-claude.html
www.100besteschriften.de/2_Garamond.html#a2

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