Die KrimiZeit-Bestenliste Februar – hier zum Ausdrucken

Die KrimiZEIT-Bestenliste Februar 2015 aus der Wochenzeitung DIE ZEIT. Hier können Sie die Liste downloaden und als Plakat ausdrucken:

An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste Februar 2015 finden Sie auf Platz 1: Das Vergessen von Denise Mina (original 2013: The Red Road)
Obwohl die 1966 geborene, promovierte Rechtswissenschaftlerin Denise Mina seit ihrem Debüt 1998 zwölf Romane veröffentlicht hat – mit Das Vergessen sind jetzt sechs auf Deutsch erschienen – ist die schottische Autorin aus Glasgow noch als eigene Stimme zu entdecken. In Das Vergessen entfaltet sie einen komplex gewobenen Plot um Schuld, Unschuld, Rechtfertigung und Gerechtigkeit, genauestens in der sozialen und politischen Wirklichkeit Glasgows situiert.
„Glasgow, ‚zu zynisch, um wirklich zu trauern‘, ist Denise Minas Stadt – ein traditionell hartes Pflaster, nicht folkloregeeignet. Und genau deswegen der ideale Schauplatz für einen komplexen, vielschichtigen Roman, der seine Figuren genau anschaut, sie detailliert beschreibt, sie adäquat agieren lässt und bei aller Verwicklung der Handlungsstränge nicht auf überkonstruierte Plots zurückgreift. (..)Letztendlich polizeifromm, wie viele ihrer Kollegen, ist Mina kein bisschen.“ (Thomas Wörtche)

Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste finden Sie diesmal fünf Titel, je einen dänischen, einen amerikanischen, einen irischen, einen deutschen und einen englischen:

Auf Platz 2: Weißglut von Jesper Stein (original 2013: Bye-Bye Blackbird)
Im zweiten Roman des dänischen Polizeireporters Stein (geb. 1965) mit dem ungebärdigen, arbeitssüchtigen und depressiven Außenseiterkriminalisten Axel Steen geht es um einen seit Jahren unaufgeklärten Mord an einer neunzehnjährigen Abiturientin, der durch neue Täter-DNA virulent wird. Steen, strapaziert durch eine Masse ungelöster persönlicher und professioneller Probleme, stürzt sich berserkerhaft in die Aufklärung der damit zusammenhängenden Serienvergewaltigungen.
Wie bereits der erste Roman Steins besticht Weißglut durch Anschaulichkeit, psychisches Chaos des Protagonisten und kenntnisreiche Darstellung der Ermittlungsarbeit.

Auf Platz 3: The Drop – Bargeld von Dennis Lehane (original 2014: The Drop)
Im Copyright des schmalen Romans steht „Twentieth Century Fox Film“ – es handelt sich die Vorlage zum gleichnamigen Film, ist aber alles andere als die novelization eines Drehbuchs. Den Schwung der Kurzgeschichte über die Rettung eines Hundes, die der erzählerische Kern des Romans ist, hat Lehane in den sprachlich hochkonzentrierten Szenen beibehalten. Vordergründig geht es um einen Coup, der einen größeren verdrängen soll: Marvs Kneipe ist als Drop-Bar ausersehen, in der über Nacht das fette Bandengeld deponiert wird, und an das will Marv ran. Hintergründig geht es um Schuld, sterbende Quartiere, Trauer um eine Lebensform, in der die kleinen Leute noch kämpften, bevor sie untergingen. Und um Treue, Liebe, Verrat – ziemlich kompakt für einen 220-Seiten Roman.

Auf Platz 4: Geheimer Ort von Tana French (original 2014: The Secret Place)
Es ist im Kern ein schlichter Whodunnit, den die in Dublin lebende Tana French (geb. 1973) in ihrem fünften Roman erzählt: Einen Tag lang wird unter acht verdächtigen Internatsschülerinnen die anderthalb Jahre umfassende Geschichte vom Totschlag eines Schülers ermittelt. Aber durch Konzentration, Vielschichtigkeit, Multiperspektive wird Geheimer Ort Gesellschaftsbild, klaustrophobischer Internatsroman und vor allem eine überwältigende und faszinierende Studie von Jugend.
„Dialoge sind nur eine ihrer Stärken (..) Wenige Autoren beherrschen wie French die Kunst, auf hunderterlei Umwegen auf die Tragödie gleichsam zuzuschlendern.“ (Sylvia Staude)
„Ein Koloss von klassizistischer Stringenz (..) Von 700 Seiten – bravourös übersetzter – Prosa möchte man echt keine missen.“ (Tobias Gohlis)

Auf Platz 6: Mädchenware von Norbert Horst
Noch dichter am Polizeialltag als der Däne Stein ist Kriminalhauptkommissar Norbert Horst (geb. 1956). Deutsche Kriminalliteraturgeschichte hat er mit vier Romanen um Kommissar Kirchenberg geschrieben, dem er im inneren Monolog erstmals die glaubwürdige Stimme eines zeitgenössischen Polizisten gab. Mädchenware ist jetzt sein zweiter Roman mit dem Dortmunder Kommissar Adam, genannt „Steiger“. Seine im Team betriebenen Ermittlungen in einem Fall von Mord und Zwangsprostitution überführen die dramaturgischen Notlügen der meisten Fernsehkrimis als intellektuelle Faulheit: Sach- und gesetzestreue Polizeiarbeit ist spannender als jeder Tatort. Wenn Norbert Horst sie erzählt.
„Eingesponnen in die erholsam realistische, sprachlich nirgends aktenordnertrockene Ermittlungserzählung, folgt Horst einem Trio russischer Mädchen (..) Horst spekuliert nicht, macht kein Rührstück aus dem Schicksal der Mädchenware, die da im wahrsten Wortsinn in den Westen verschlagen wird. (..) Eine extrem nüchterne Schale hat dieser Roman und ein extrem weiches Herz. Ziemlich wunderbares Buch.“ (Elmar Krekeler)

Auf Platz 8: Dein finsteres Herz von Tony Parsons (original 2014: The Murder Bag/The Murder Man)
Tony Parsons (geb. 1953) hat eine Karriere als Musikjournalist, TV-Moderator und Verfasser von Bestsellern über Mann-Frau-Dramen hinter sich, die er als „Men Lit“ deklariert. Von diesen Beziehungsschlachten ist auch der allein erziehende DC Max Wolfe gezeichnet. Ein aberwitziger Einsatz gegen einen Terroristen, den er mit seinem PKW zermatscht, bringt ihn ins Crime Department, wo er den Kollegen zeigt, wo Wolfe den Most holt. Ohne seine Tochter zu vernachlässigen, kommt er quasi im Alleingang einem Mörder auf die Spur, der alle sieben Kerle killt, die vor Jahren eine Schülerin vergewaltigt und umbracht haben.
„Beherzt hält sich Dein finsteres Herz immer wieder gern am Rand des Klischees auf, wird aber keins. Das ist ja auch eine Leistung, die man würdigen muss. Gelingt nicht jedem. Der Rest ist distanziertes Schweigen.“ (Elmar Krekeler)

Die Dauerchampions:
Zum vierten Mal steht Oliver Harris mit London Underground auf der KrimiZEIT-Bestenliste, zum dritten Mal ist Jo Nesbø mit Der Sohn (Platz 9) dabei.

Zum Download: download(KrimiZEIT_Bestenliste_Februar_2015.pdf)

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