Die KrimiZEIT-Bestenliste Januar – hier zum Ausdrucken

Heute ist die KrimiZEIT-Bestenliste Januar 2014 in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienen; hier können Sie die Liste downloaden und als Plakat ausdrucken: download(01-KrimiZEIT_Bestenliste_Januar_2014.pdf)

An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste Januar 2014 finden Sie neu ab 9.1.2014: Empfindliche Wahrheit von John le Carré (original 2013: A Delicate Truth)
1963 – vor 50 Jahren – drehte John le Carré mit dem Spion, der aus der Kälte kam die Blickrichtung der Spionageliteratur. Nicht mehr der äußere Feind, den es zu bekämpfen galt, stand seitdem im Zentrum, sondern die moralische Rechtfertigung des geheimen Handelns: Der größere, gefährlichere und problematische Feind befand sich in den eigenen Reihen. Dieser Perspektive blieb der 1931 geborene Ex-Geheimdienstler auch nach dem Ende des kalten Krieges treu. Nach einigen schwächeren Büchern bekam er mit dem sogenannten Krieg gegen den Terror wieder historischen Wind unter die Schriftstellerflügel und hat mit Marionetten und Verräter wie wir ein beachtliches Alterswerk vorgelegt. In Empfindliche Wahrheit, le Carrés 23. Roman, verwendet der inzwischen 82jährige seine Meisterschaft zu Intrige und indirekter Rede, um zu zeigen, wie die unterwürfige Zusammenarbeit staatlicher Stellen mit Söldnern des globalen Sicherheitsbusiness zur Ermordung Unschuldiger, zu Aktionen hemmungsloser privater Bereicherung, zu ihrer nachfolgenden Deckung und Vertuschung zugunsten privater Strauchdiebe und letztlich zum Bankrott von Moral, staatlicher Autorität und wünschenswerter Sicherheit führen. Raffiniert geschrieben, intrigant geplottet, zutiefst pessimistisch. „Die große Kunst des John le Carré liegt darin, Glaubwürdigkeit über Effekt zu stellen – und dennoch einen hochspannenden Roman zu schreiben.“ (Sylvia Staude)

Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste Januar finden Sie drei Titel, zwei deutsche und einen dänischen:
Auf Platz 7: Trotzkis Narr von Ulrich Ritzel
In seinem zweiten Kriminalroman mit dem pensionierten Kommissar Berndorf, der sich in der Hauptstadt als Privatdetektiv tummelt, langt Ulrich Ritzel (73, Deutscher Krimipreis 2001 und 2010, Dauergast der KrimiZEIT-Bestenliste) tief in Geschichte und Korruptionssumpf. Wie ein Hund, auch wenn er alt ist, das Buddeln und Jagen nicht lassen kann, dehnt Hans Berndorf seinen Auftrag immer weiter aus. Eigentlich soll er nur herausfinden, wer die Managergattin und freie Journalistin Karen Andermatt überwacht. Am Ende hat er einen 20 Jahre alten Mord, paramilitärische, illegale Aktivitäten der Berliner Polizei und einen Bau- und Immobilienschwindel aufgedeckt. Neuerdings mit dabei: Ex-Beamtin und Detektiv-Kollegin Tamar Wegenast. „Die feinen Kriminalromane von Ulrich Ritzel sind nichts für Leser, die es am Ende hübsch aufgeräumt haben wollen und den Täter/die Täter ins Gefängnis gesteckt. Da hat einer schon viel gesehen vom Leben und kennt vor allem dessen (moralische) Graubereiche.“ (Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau)

Auf Platz 8: Brixton Hill von Zoë Beck
Zoë Beck, deutsche Autorin mit Liebe zu britischen Schauplätzen, knackt eine harte Nuss. Gemeinhin gelten Cyberspace und Social Media horrorlüsternen Autoren als neue Schauplätze phantastisch-abstruser Greueltaten. Beck hingegen erzählt von einer toughen britischen Event-Managerin, für die die Kommunikation im Netz normaler Alltag ist. Als mit einer SMS in einem Hochhaus ein Brand ausgelöst und eine Kollegin in den Tod getrieben wird, zerbricht für Emma Vine das vertraute Umfeld aus Facebook und SMS. Sie muss neue Freunde – und Vertrauen – im realen Leben finden, sonst ist ihres bald zu Ende. „Ein intelligentes Buch für intelligente Leser, elegant, ohne gefühligen Fidelwipp und ohne dem verheerenden Postulat nach identifikatorischer Lektüre entgegenzukommen.“ (Thomas Wörtche, Der Plärrer)

Auf Platz 9: Unruhe von Jesper Stein (original 2012: Uro)
Jesper Stein, ehemals Kriminalreporter, greift in seinem Krimidebüt die Geschehnisse um den Abriss des Jugendzentrums Ungdomshuset auf. 2007 wurde Kopenhagen von gewalttätigen Unruhen und Straßenkämpfen zwischen Autonomen aller Länder, betroffenen jugendlichen und der Polizei erschüttert. In diese, durch die jüngsten Krawalle um die Hamburger „Rote Flora“ sehr aktuell wirkende, kochende Atmosphäre versetzt Stein seinen hypochondrischen, unter Angstattacken leidenden Vizekommissar Steen. Der Außenseiter soll den Mord an einem Mann ermitteln, der als Autonomer verkleidet im Friedhof nahe der Unruheherde abgelegt wurde. Steins Debüt imponiert durch Lokal- und Polizeikenntnis.

Die Dauerchampions:
Zum dritten Mal stehen Friedrich Ani mit M, Garry Disher mit Dirty Old Town und Lee Child mit 61 Stunden auf der KrimiZEIT-Bestenliste.

Die Jury:
Tobias Gohlis, Kolumnist der ZEIT, Sprecher der Jury | Volker Albers, »Hamburger Abendblatt« | Andreas Ammer, »Druckfrisch«, DLF, BR | Gunter Blank, »Sonntagszeitung« | Thekla Dannenberg, »Perlentaucher« | Fritz Göttler, »Süddeutsche Zeitung« | Michaela Grom, SWR | Lore Kleinert, Radio Bremen | Kolja Mensing, »Tagesspiegel« | Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR | Jan Christian Schmidt, »Kaliber 38« | Margarete v. Schwarzkopf, NDR | Ingeborg Sperl, »Der Standard« | Sylvia Staude, »Frankfurter Rundschau« | Jochen Vogt, Elder Critic, »NRZ«, »WAZ« | Hendrik Werner, »WeserKurier« | Thomas Wörtche, »Plärrer«, »culturmag«, »DRadioKultur«

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