Die Titel der KrimiZeit im Februar

An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste Februar 2012 steht weiterhin Payback von Mike Nicol, eines der spannendsten Bücher aus und über das neue Südafrika, so Jurysprecher Tobias Gohlis. Payback ist der erste Band der „Rache-Trilogie“ des hierzulande bereits als Romancier und Sachbuchautor bekannten Südafrikaners.

Als Dauerchampions wurden zum dritten Mal Don Winslow mit Zeit des Zorns, Matthias Wittekinds Schneeschwestern und Ulrich Ritzel mit Schlangenkopf auf die Bestenliste gewählt.

Die komplette KrimiZeit für Februar:

1. (1) Mike Nicol: Payback. btb
Kapstadt/Luanda. Im Befreiungskampf waren Mace und Pylon Waffenhändler, jetzt, in der Demokratie, verdienen sie friedliches Geld. Bis ihnen alte Schulden präsentiert werden. Die Entführung von Maces Tochter ist nur der Anfang. Erster Band der „Rache-Trilogie“. Unbarmherzig rauer Wind aus Südafrika. Gnadenlos gut.

2. (3) Don Winslow: Zeit des Zorns. Suhrkamp
Laguna Beach/Südkalifornien. Nach Tage der Toten nun die Komödie. Ben, Chon und Ophelia sind klug, reich und superentspannt. Ihr Dopegeschäft läuft, Orgasmen in Menge, Charity dazu. Bis das Drogenkartell in den Sunshine State drängt. Die 3 schönen Wilden bekommen keine Chance, aber nutzen sie.

3. (-) Carsten Stroud: Niceville. DuMont
Niceville im Süden der USA. 179 Menschen sind verschwunden. Drei Männer berauben die

Jochen Große Entrup mit „Vertriebs-Knarre“

Bank. Chinesen wollen die Beute. Familienzwist schwelt seit Generationen. Ein Polizist und ein Indianer stemmen sich gegen einen Fluch. Souverän geschnittener, gelungener Mix aus Crime, Horror und Mystery. (Was bei DuMont große Freude ausgelöst (s. Foto) hat: „Jetzt wissen wir auch endlich, wofür unser Marketing- und Vertriebsleiter Jochen Große Entrup den Revolver aus der Schultüte zu seinem Einstieg brauchte [mehr…]. Damit passt er nämlich so gut und kernig zu unserem Spitzentitel“, wie Julia Giordano mailt.

4. (7) Lee Child: Outlaw. Blanvalet
Hope/Despair, Colorado. Wer Jack Reacher nicht durchlässt, bekommt Ärger. So geht es den Leuten von Despair, gebeugt unter dem Dach eines frömmelnden Recycling-Barons. Ein starkes Buch: Handlung pur. An der US-Heimatfront des Irakkriegs. Bilder und Szenen, als wäre Kafka nach Despair gekommen.

5. (2) Ulrich Ritzel: Schlangenkopf. btb
Berlin/Frankfurt. Ein Türke wird überrollt. Gemeint war der Bosnier, dessen Jacke er trägt. Im Kunstnebel von Geheimdiensten, Rüstungsgeschäften und Kungelei stochern Privatermittler Berndorf und Helfer nach Hintermännern. Cool. Politthriller vom Feinsten.

6. (-) Nicci French: Blauer Montag. C.Bertelsmann
London. Ein Patient von Frieda Klein träumt von einem Jungen, der wenig später entführt wird. Sie verlässt ihre Praxis, um aufzuklären, was los ist. Im Methodenwettstreit mit der Polizei wagt sich die Psychotherapeutin über die Schranken ihrer Disziplin. Intelligenter Plot, psychologisch plausibel.

7. (4) Rob Alef: Kleine Biester. Rotbuch
Berlin-Kreuzberg. Anna verschwindet im Sand einer Buddelkiste. Kein Unfall: Sie wollte aufs schnieke Rosenhof-Gymnasium. Im Auslese-Krieg um Aufstiegschancen ist Kindermord letztes Mittel der Wahl. Subtil punzierte Satire auf mittelständischen Karrierewahn; Hommage auf Kinder, die Kinder bleiben.

8. (5) Matthias Wittekindt: Scheeschwestern. Edition Nautilus
Fleurville/Benningstedt. Der Triebtäter will es nicht mehr. Aber es geschieht doch. Im Grenzwald zwischen D und F, im Winter. Eine Sechzehnjährige ist erschlagen, in Pubertätstrubel und Geltungsdrang. Die Ermittler taumeln auf dem Grat zwischen Ahnungen und Kriminalistik. Bemerkenswertes Krimidebüt.

9. (-) Wolfgang Schorlau: Die letzte Flucht. Kiepenheuer & Witsch
Stuttgart/Berlin. Professor Voss wird verdächtigt, ein Mädchen vergewaltigt und getötet zu haben. Ein Pharma-Manager wird entführt. Privatdetektiv Dengler ermittelt in der Hauptstadt und sticht ins raffgierige Herz der Pharma-Industrie, während sein Sohn Stuttgart 21 bekämpft. Spannende Kolportage, solide Aufklärung.

10. (-) Georg M. Oswald: Unter Feinden. Piper
München. Zwei Komissare in der Klemme. Diller ist solide, Kessel Junkie. Kessel überfährt einen Dealer, Erpressung folgt. Diller will ihn und sich schützen im Trubel der Schutzmaßnahmen für die internationale Sicherheitskonferenz. Weit planende arabische Rächer gegen kleine deutsche Polizisten.

Die KrimiZEIT-Bestenliste Februar wird heute auch in der Wochenzeitung DIE ZEIT veröffentlicht und in den Literatursendungen des NordwestRadios sowie im Internet unter www.zeit.de/krimizeit-bestenliste vorgestellt. An jedem ersten Donnerstag des Monats geben 16 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland und Österreich die Kriminalromane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. Die KrimiZEIT-Bestenliste ist eine Kooperation der ZEIT mit dem Nordwestradio, einem gemeinsamen Programm von Radio Bremen und dem NDR.

Die Jury:
Tobias Gohlis, Kolumnist der ZEIT, Sprecher der Jury | Volker Albers, »Hamburger Abendblatt« | Andreas Ammer, »Druckfrisch«, Dlf, BR | Fritz Göttler, »Süddeutsche Zeitung« | Michaela Grom, SWR | Lore Kleinert, Radio Bremen | Thomas Klingenmaier, »Stuttgarter Zeitung« | Kolja Mensing, »Tagesspiegel« | Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR | Jan Christian Schmidt, »Kaliber 38« | Margarete v. Schwarzkopf, NDR | Ingeborg Sperl, »Der Standard« | Sylvia Staude, »Frankfurter Rundschau« | Jochen Vogt, Elder Critic, »NRZ«, »WAZ« | Hendrik Werner, »Weser-Kurier« | Thomas Wörtche, »Plärrer«, »culturmag«, »DRadioKultur«

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