Donald Ray Pollock auf Platz 1 der KrimiZeit-Bestenliste im September – hier zum Ausdrucken

An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste September 2016 finden Sie neu auf Platz 1: Die himmlische Tafel von Donald Ray Pollock.

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Auf der Welle hervorragender amerikanischer Romane, die die gewalttätige Vergangenheit der USA thematisieren, schwimmt Pollocks himmlische Tafel in jeder Hinsicht oben: Witzig, tiefgründig, anspielungsreich, mehrdeutig und erbarmungslos, wie das Leben in Armut, Bigotterie und Unbildung, das er darstellt. Amerika kurz vor Eintritt in den Ersten Weltkrieg: Kaum jemand weiß, wo dieses Deutschland überhaupt liegt, aber Krauts oder solche, deren Namen nur nach Kraut klingen, werden zusammengeschlagen und müssen echten Amerikanern die Stiefel lecken.
Vordergründig eine traditionelle Westernstory von drei Brüdern, die durch die Umstände zu gejagten Gangstern werden, ist Die himmlische Tafel eine erschütternde, komische Sammlung von Porträts – den Fotografien Walker Evans aus der Depression vergleichbar – von Armen, Geschundenen, Verrannten, Spinnern und Mördern. Und, wie ein amerikanischer Kritiker feststellte, ein literarischer Diskurs darüber, was relevante Literatur ist. Er verglich Pollocks historische all american novel zu Recht mit Huckleberry Finn.
„Gespickt mit Wissen um menschliche Sehnsucht, voll bitterer Komik und getragen von einer skeptischen Moralität, die beim Fressen beginnt.“ (Tobias Gohlis, DIE ZEIT)

Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste September finden Sie weitere vier Titel: Insgesamt sind es diesmal 1 italienischer, 1 deutscher, 1 irischer und 1 amerikanischer mit insgesamt 1119 Seiten. Neu sind:

Auf Platz 2: Die Nacht von Rom von Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini
Mit Suburra – Das schwarze Herz von Rom hat das Autorenduo de Cataldo/Bonini nicht nur in Italien Furore gemacht. Ihr Roman zielte ins schwarze Herz der Wirklichkeit. Kurz nach Veröffentlichung des fiktiven Textes wurde den Protagonisten der römischen Korruption unter dem Schlagwort Mafia capitale der Prozess gemacht. In Die Nacht von Rom setzen der Richter de Cataldo und der Journalist Bonini ihre Erzählung fort. Samurai, der ehemalige Faschist und heimliche König von Rom, sitzt im Knast. Zwei Nachfolger rivalisieren um seine Macht: sein Zögling Sebastiano Laurenti und der Emporkömmling Fabio Desideri. Papst Franziskus hat das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Und die Ratten von Rom – Mafiosi, Banker, Politiker, Baulöwen, Kleriker – rotten sich zusammen, um ihren Schnitt zu machen und einen Stück vom Kuchen Rom zu ergattern.
„Mafia capitale, zweiter Akt, famos illuminiert von zwei Insidern.“ (Tobias Gohlis)

Einen Essay der beiden Autoren zum realen Hintergrund von Suburra und Die Nacht von Rom finden Sie bei www.folioverlag.com, ursprünglich publiziert in Crime&Money (Droemer) 2016.

Auf Platz 6: Nackter Mann, der brennt von Friedrich Ani
Selten hat Friedrich Ani, vielfach preisgekrönt, in seinen Romanen aus der Ich-Perspektive erzählt. Hier, in Nackter Mann, der brennt, ist sie zwingend. Ein Mann, der sich Ludwig Dragomir nennt, ist unerkannt (denkt er) in das Dorf seiner Kindheit zurückgekehrt. Doch so wenig „Heiligsheim“ heilig ist, so wenig war seine Kindheit schön. Unter schweigender Duldung des Dorfes wurden die Jungs von einer Clique von Männern in den Wald mitgenommen und missbraucht. Jetzt nimmt Ludwig Rache: „Das Herzstück meines Vorhabens war (…)die Vernichtung.“ Ein Ich, das als Kind zerstört wurde, zerstört sich ein zweites Mal.
„Ani nimmt uns überallhin mit, weil Ludwig Dragomir uns alles erzählt und wieder gar nichts. Wir kriegen mit, wie er seine Peiniger umbringt (alle Todesfälle werden, weil alle alles wissen und die Aufklärung vermeiden wollen, zu Unfällen umgelogen), wie er von seinen Träumen heimgesucht wird und seinen Gespenstern. Gott ist ein seltsamer Heiliger in diesem Buch, die Kirche ein Ort der Lüge statt der Liebe. Was den Kindern damals geschah, bleibt im Nebel. Und wir sind ehrlich dankbar dafür. Sie müssen es lesen, dieses Buch.“ (Elmar Krekeler, DIE WELT)

Auf Platz 7: Blau ist die Nacht von Eoin McNamee
Blau ist die Nacht ist der letzte Band einer Trilogie oder besser Serie, in der weder ein Serienmörder noch eine Reihe von Opfern oder eine Mordmethode im Zentrum stehen, sondern ein Richter. Eoin McNamee (1961 in Kilkeel/Irland geboren) war selber Jurist, bevor er zu schreiben begann. In seiner „Blue-Trilogie“ (Blue Tango 2001, deutsch 2003; Orchid Blue 2010, deutsch 2012: Requiem) greift er drei ungelöste Mordfälle auf, die zugleich Manipulationen der Justiz bzw. sogar später eingestandene Justizirrtümer waren. In allen Fällen spielt der reale Lancelot Curran eine wichtige Rolle. Er war Mitglied des nordirischen Parlaments, des privy council, der den König beriet, Generalstaatsanwalt und Richter im High Court von Nordirland. Seine 19jährige Tochter Patricia wurde 1952 mit 37 Messerstichen ermordet, der als Mörder verurteilte Iain Hay Gordon wurde in die forensische Psychiatrie verbannt und 2000, nach 48 Jahren, als unschuldig rehabilitiert. Curran war Vorsitzender Richter im Verfahren gegen Robert McGladdery, der ein ebenfalls 19jähriges Mädchen ermordet haben sollte. McGladdery war die letzte Person, die in Nordirland hingerichtet wurde. Beide Fälle spielen hinein in Blau ist die Nacht. Im Mittelpunkt steht der Mordprozess gegen Robert Taylor, ein Unionist, der 1949 die Katholikin Mary McGowan umgebracht hat. Da eine Verurteilung Staatsanwalt und Oranier Currans Chancen auf eine Wahl beeinträchtigt hätte, manipuliert sein Wahlhelfer Henry Ferguson die Jury. Die Trilogie – und noch mal verdichtet – ihr dritter Teil Blau ist die Nacht ist ein äußerst realistischer, d.i. pessimistischer Blick auf die Manipulierbarkeit der Justiz im engeren und die Dumpfheit, Sturheit und Ungerechtigkeit der irischen Welt der Nachkriegszeit im weiteren Sinne.
Blau ist die Nacht ist kein konventioneller Kriminalroman, der sich nicht einfach unter den griffigen generischen Begriff ‚Irish Noir‘ packen lässt, obwohl es weder ein Happy End noch Hoffnung auf eine Auflehnung gegen das Schicksal gibt. McNamee erzählt von einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft.“ (Sonja Hartl, culturmag.de)

Auf Platz 9: Gedankenjäger von Iain Levison
Iain Levison, 1963 in Schottland geboren, seit 1974 in den USA, ist ein Autor, der den Irrsinn seiner neuen Heimat wachen Auges seziert. Seinen Durchbruch als Autor hatte er bezeichnenderweise mit einer Autobiographie über sein Leben als Handlanger und Gelegenheitsarbeiter (A Working Stiff’s Manifesto). Seine Kriminalromane Betriebsbedingt gekündigt (2005) und Hoffnung ist Gift (2012) standen auf der Krimibestenliste. Nur scheinbar in der Welt der Geister spielt sein jüngster Angriff auf das Selbstverständliche Gedankenjäger. Von einem Tag auf den anderen können Polizist Snowe und Polizistenmörder Denny Gedanken lesen. Eine winzige suspekte Geheimdiensteinheit versucht ihre Fähigkeiten zu nutzen – unter anderem zur Jagd aufeinander. In die spannende, wendungsreiche Handlung sind schwierigere Fragen eingewoben: Was ist Wahrheit? Ist es wünschenswert, in einer Welt ohne Lüge zu leben?
„Intelligente Unterhaltung.“ (Tobias Gohlis, DIE ZEIT)

Unsere Dauerchampions: Zum dritten Mal stehen Max Annas mit Die Mauer und Denise Mina mit Die tote Stunde auf der KrimiZEIT-Bestenliste.

Die KrimiZEIT-Bestenliste September wird in der Wochenzeitung DIE ZEIT, auf ZEITonline unter www.zeit.de/krimizeit-bestenliste und im Nordwestradio veröffentlicht, am Donnerstag, den 1.9.2016 gegen 9.20 Uhr live mit Tobias Gohlis und in den Sendungen der „Buchpiloten“, nachzuhören unter www.radiobremen.de/nordwestradio/serien/krimizeit/bestenliste100.html

Die aktuelle KrimiZEIT-Bestenliste finden Sie als Download unter http://www.togohlis.de/download/KrimiZEIT_Bestenliste_September_2016.pdf

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