Die zehn besten Krimis im August / John Harvey schafft Sprung auf Platz eins

An erster Stelle der August-KrimiWelt finden Sie den hochverdienten John Harvey mit dem dritten abschließenden Roman seiner Frank-Elder-Trilogie: allerfeinste britische Polizeiarbeit.

Dicht gefolgt von Jenny Siler, die sich zusehends zu einer großen Autorin von fein gesponnenen Politthrillern mausert, kenntnisreich im Mittelmeerraum angesiedelt.

Erster Neuzugang ist Tana French. Ihr Debütroman „Grabesgrün“ (auf Platz drei) entzückte ob der modischen Verquickung irisch-wilder und kriminalliterarischer Elemente die internationale Verlagseinkäufer-Szene – mit 672 Seiten eher was für den Drei-Wochen-Urlaub.

Garry Disher kennen Sie (man muss ihn kennen) als mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Verfasser der Challis-Romane. Weniger bekannt, sehr hart geschrieben, sehr cool, sehr lesenswert: seine Gangsterstücke um Wyatt. („Ein Name wie eine Peitsche“). Wir offerieren Ihnen den letzten Band einer Serie von sechs.

Richard Stark ist einer der wieder entdeckten und noch immer höchst kreativen älteren Herren der amerikanischen Kriminalliteratur, die uns in letzter viel Lesevergnügen bereitet haben. Seit 1963 entzückt sein Verbrecher Parker die Leser, unter ihnen John Banville, Stephen King und Michael Ondaatje. Zsolnay will uns jetzt nach und mit der Übertragung der bisher nicht übersetzten Parker-Titel beglücken und hat gleich mit dem jüngsten, 2007 in den USA erschienenen, begonnen. Kenner kennen Stark auch als Donald E. Westlake oder unter anderen Pseudonymen.

Zu diesem enormen Autor wie zu den anderen auf der Liste finden Sie wie immer ergänzende Hinweise unter den Rubriken „Whats New?“, „Zurufe“ und „Krimiautoren A-Z“ auf www.arte.tv/krimiwelt. (Tobias Gohlis)

Hier die komplette Liste für August:

1. (6) John Harvey: Schlaf nicht zu lange. dtv
Nottingham: Nur ein Freundschaftsdienst. Ex-Inspektor Frank Elder sucht nach einer verschwundenen Bekannten. Und stößt auf die Muster seines ersten ungelösten Falls. Zwei Frauen erwürgt, aufgebahrt. Bei Harvey, dem großen britischen Erzähler, verstehen wir: Tod ist Elend. Und Leben? Sehnsucht.

2. (4) Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung. Fischer
Lissabon/Beirut: Nach sechs Jahren Knast bevorzugt Fälscherin Nicole Blake die sichere Seite. Bis sie doch für die CIA in Lissabon ihren früheren Geliebten sucht und im Malstrom landet. Geheimdienstoperationen und Privatvendetta. Überleben im Weltbürgerkrieg: davon erzählt Siler. Einsame Klasse.

3. (-) Tana French: Grabesgrün. Scherz
Knocknaree bei Dublin: 1984 sind zwei Kinder im Wald verschwunden, Ryan überlebte geschockt. 20 Jahre später wird an gleicher Stelle ein Mädchen ermordet. Ryan, inzwischen Detective, ist immer noch ahnungslos. Kollegin Cassie kann nicht helfen: Der Wald ist grabesgrün. Überbordend fabulierendes Debüt.

4. (5) Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten. Manhattan
Vientiane: 1976. In Laos haben gerade die Kommunisten gesiegt. Statt Revolutionspensionär wird Dr.Siri Paiboun Leichenbeschauer. Fehlen ihm Chemikalien, senden die Toten selbst die Signale. Der 72-Jährige lernt Maigret: furchtlos fragen. Er hat alles hinter sich. Witzig, gewieft, irregulär: der neue Laote.

5. (-) Garry Disher: Niederschlag. Pulp Master
Melbourne/Hobart: „Buschbandit“ Ray möchte Onkel Wyatt beeindrucken. Wyatt ist einer der letzten autonomen Ganster und klamm. Sicherheit geht vor. Ray denkt, kühn drauflos sei besser. Vorläufig letzter, schnörkellos harter Roman über einen aussterbenden Beruf und seinen besten Mann: Wyatt.

6. (1) Matti Rönkä: Bruderland. Grafit
Helsinki/St.Petersburg: Viktor Kärppä, Grenzgänger zwischen Suomi und Rossija, in der Zwickmühle. Den eigenen Leuten, den Russlandfinnen, will er helfen, gezwickt von Drogenfahndung und russischer Mafia. So wirre ist die Welt, dass selbst ein Elitesoldat und Leistungssportler kaum klarkommt.

7. (9) Rex Miller: Fettsack. Edition Phantasia
Chicago: Er stinkt. Er frisst Menschenherzen, haust in der Kloake und ahnt jede Gefahr. „Fettsack“ Bunkowski, 500 Pfund, ist der Überkannibale unter den Serienkillern. Neu übersetzt. Und für super befunden. 1987 erstgeschrieben: Die Horrorfresse der USA ist Fettsack, home made. Miller heavy.

7. (-) Richard Stark: Fragen Sie den Papagei. Zsolnay
Pooley, Massachusetts: Parker ist auf der Flucht. Ein Einheimischer nimmt ihn unter die Fittiche. Er braucht den Fachmann, um seine Ex-Arbeitgeber zu berauben. Groteske Profi-und-Amateur-Geschichte. Comeback von Altmeister Stark mit einem der coolsten Verbrecher der Krimigeschichte. Jubel.

8. (-) Wolfgang Schorlau: Brennende Kälte. KiWi
Stuttgart/Mannheim/Altglashütten: Detektiv Dengler sucht einen verschwundenen Soldaten. In süddeutschen Städten liegen gegrillte Leichen. Dengler plagt ein Kindheitstrauma. Sein vierter Fall bringt ihn an den Rand des Todes und hinter eine Geheimoperation der Rüstungsindustrie. Aktuelle Waffenkunde.

9. (-) Leonardo Padura: Der Nebel von gestern. Metro im Unionsverlag
Havanna: Mario Conde, Antiquar, stößt in einer Privatbibliothek auf das Bild einer Bolero- Sängerin. Die „Königin der Nacht“ verzauberte die Männer und verschwand 1961. Der Ex-Polizist sucht Spuren und Zeugen – eine Reise durch 50 Jahre Kuba. Padura: melancholischer, faszinierender denn je.

Die August-Ausgabe der KrimiWelt-Bestenliste wird auch im NordwestRadio (heute live, ca. 8:35 Uhr, und am Sonntag in der Literaturzeit zwischen 15:00 und 16:00 Uhr) sowie in der Literarischen Welt vorgestellt.

Buchhändler können einen dreifarbigen Flyer mit der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste bestellen.
Kontakt: KrimiWelt, c/o asv vertriebs GmbH, Süderstraße 77, 20097 Hamburg, E-Mail: krimiwelt@axelspringer.de, Fax: 040/34 72 76 68.

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