Die zehn besten Krimis im Dezember/ James Sallis weiter auf Platz 1

Im Dezember finden sich auf der KrimiWelt-Bestenliste ausnahmsweise nur
männliche Autoren, aber aus vielen Ländern: James Sallis (weiter Platz 1) und Rick DeMarinis (6) aus den USA, Ian Rankin (3) aus Schottland, Arne Dahl (4) aus Schweden, Jean-Patrick Manchette/Jean-Pierre Bastid (5) aus Frankreich, Marek Krajewski (8) aus Polen, Jo Nesbo (10) aus Norwegen, ja und dann gibt es noch zwei oder drei Deutsche. Klar ist die Herkunft von Oliver Bottini (2) und Thomas Weiss (9). Verschwörungstheoretisch so gut wie sicher ist auch die deutsche Herkunft eines gewissen John S. Cooper (7), dessen Verschwörungsthriller über den 11. September nämlich nicht aus dem Amerikanischen und auch nicht von einem „Sam van Heist“ übersetzt ist, wie verlagsseitig behauptet. So viel scheint schon mal klar. Ich vermute, dass sich der Autor aus Furcht vor den von ihm im Roman enttarnten Strippenziehern des 11. September bedroht fühlt und deshalb hinter die Tarnkappe eines Pseudonyms verzogen hat. Oder er fürchtet Ihre Kritik. (Tobias Gohlis)

Hier die komplette Liste für Dezember:

1. (1) James Sallis: Driver. Liebeskind.
Phoenix / Los Angeles: Driver ist Stuntman, immer beobachtend, immer in Bewegung. Bei Überfällen fährt er auch, sonst nichts. Bis Amateure dazwischenfunken. Da nimmt Driver den aufgezwungenen Kampf an. Bis zum Ende. Minimalistischer Abgesang auf den amerikanischen Helden, meisterhaft. Große Entdeckung.

2. (8) Oliver Bottini: Im Auftrag der Väter. Scherz.
Freiburg/Kroatien: Im Garten der Niemans steht ein Fremder und sagt: „Das ist mein Haus. Verschwindet.“ Louise Bonì und Kollegen ermitteln hektisch, ohne etwas auszurichten. Als der Fremde zuschlägt, macht Louise sich auf, zurück in die Geschichte, weg ins Heimatlose, auf den Balkan.

3. (5) Ian Rankin: Im Namen der Toten. Manhatten.
Edinburgh/Gleneagles: Die Herren der Welt dinieren und parlieren. G8-Gipfel 2005: Rebus’ Stadt im Belagerungszustand. Zwei Politiker sterben, drei Vergewaltiger auch. Anständige Polizeiarbeit ist unmöglich. Rebus in Hochform: Im Kampf gegen Unterwelt und Oberwelt.

4. (7) Arne Dahl: Ungeschoren. Piper.
Stockholm: Mitsommer 2002. Die A-Gruppe ist verwirrt von vier Morden, die keiner der Erst-Verdächtigten begangen hat. Tätowierungen an den Leichen deuten auf Shakespeares Mittsommernachtstraum, der Täter auf den Missstand der Welt. Der Kriminalroman im Elchtest: schwedischer Edelstahl.

5. (–) Jean-Patrick Manchette/Jean-Pierre Bastid: Lasst die Kadaver bräunen! Distel.
1971, ein Kaff im Département Gard: Sommerfrische bei Malerin Luce. Unter den Gästen drei Gangster, 250 kg Gold im Kofferraum. Zwei Gendarmen lösen ein Massaker aus. Luce frohlockt: „Da war etwas Ästhetisch Erregendes im Gange!“ Kadaver bräunen in der Sonne. Lange erwartet. Spitze. Manchettes Roman Nr.2.

6. (3) Rick DeMarinis: Kaputt in El Paso. Pulp Master.
El Paso/Juárez: Uriah Walkinghorse ist nur sein Körper geblieben, Fettanteil unter 5 Prozent. Frau, Job, Familie: abgehauen, am Ende, im Sterben. Als ein Banker bei SM-Spielchen draufgeht, verwandelt sich die Welt in einen tödlichen Strudel. Bodybuilder Uriah war nie ein Held, aber ehrlich. Hart, Geheimtipp.

7. (–) John S. Cooper: Das 5. Flugzeug. Kiepenheuer&Witsch.
Tampa/Caymans/Concord/New York: Max Fuller, Computerfreak Nick und Liz, Tochter des Piloten Donovan, schützen ein brisantes Erbe, die Wahrheit über den 11. September. Verfolgt, gehetzt, gerissen. Ein Lehrbuch als Thriller: Staatserhaltung durch Verschwörungstheorien. Abgefeimt und hinterhältig.

8. (–) Marek Krajewski: Gespenster in Breslau. dtv.
Breslau 1919: Gespenster aus der Vergangenheit greifen nach Kriminalassistent Eberhard Mock. Nackte Matrosen liegen erstochen am Wehr, mit der Drohung garniert, Mock solle gestehen. Sonst werde es mehr Tote geben. Fieberhafte Suche in der Fieberzeit des Nachkriegs. Dämonisch.

9. (–) Thomas Weiss: Tod eines Trüffelschweins. Steidl.
Nierenberg/Berlin/Mogadischu: Dokumente, Dokumente zu der Hinrichtung von Investor Schworz, seinem Mörder Heuser, ehemals GSG 9, und dem Heuschrecken-Hintergrund. Firma Grothe wird verscherbelt, Belegschaftsproteste. Mord als Rache für Arroganz der Macht. Schlaue Etüde über Terror und Freiheit.

10. (–) Jo Nesbø: Der Erlöser. Ullstein.
Oslo/Vukovar/Zagreb: Ein Schuss des Attentäters „Kleiner Erlöser“. Zwei Welten krachen zusammen: Norwegens tückisch-fromme Heilsarmee und Überlebende des Balkankriegs. Große Intrige, weite Spannung. Harry Hole jagt im eisigen Winter einen Mann ohne Kleider, Sprachkenntnis und Geld.

Die Dezember-Ausgabe der KrimiWelt-Bestenliste wird auch im NordwestRadio (heute live mit Jurysprecher Tobias Gohlis zwischen 8:05 und 9:00 Uhr und am So. in der „Literaturzeit“ zwischen 15:00-16:00 Uhr), unter www.arte.tv/krimiwelt mit Kommentaren des Jurysprechers, Kurzrezensionen der Juroren und weiteren Infos zu Büchern und Autoren („Krimiautoren A-Z“) sowie in der Literarischen Welt vorgestellt.

Buchhändler können einen dreifarbigen Flyer mit der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste bestellen. Kontakt: KrimiWelt, c/o asv vertriebs GmbH, Süderstraße 77, 20097 Hamburg, E-Mail: krimiwelt@axelspringer.de, Fax: 040/34 72 76 68.

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