Die zehn besten Krimis im Dezember

Das Beste vom Besten: An jedem letzten Samstag im Monat geben 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalromane
bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. Sie halten nach dem literarisch interessanten, thematisch ausgefallenen, besonderen Kriminalroman Ausschau.

Las Vegas, Köln und der Kongo sind diesmal die geographischen Fixpunkte der
ersten drei Titel auf der Dezember-KrimiWelt-Bestenliste. John le Carré (Platz 3) hat laut Jury mit Geheime Melodie noch einmal ein großartiges Buch vorgelegt, das, frei von der allzu groben antiamerikanischen Polemik der beiden Titel zuvor, Humanismus, Skepsis und elegante Ironie in einem bitteren Abgesang auf die Möglichkeit, gut zu handeln, vereint. Die Namen der beiden ersten auf der Liste – Richard Rayner und Thomas Kastura – sollte man sich merken. Zu beiden finden Sie ergänzende
Informationen auf der Website www.arte.tv/krimiwelt unter der Rubrik „What’s new?“ und in den Autorendossiers. Besonderes Augenmerk verdient der argentinische Autor Antonio dal Masetto. Er stand bereits im Juli und August 2006 mit Noch eine Nacht auf der KrimiWelt-Bestenliste. Der daran anknüpfende Roman Blut und Spiele (Platz 7) übersteigert und travestiert den ersten – von der Tragödie zur Farce.

Die Bestenliste für Dezember:

1. (-) Richard Rayner: Das dunkle Herz der Wüste. dtv
Los Angeles / Las Vegas 1956: Mallory Walker hat ein großes Ziel. Maurice Valentine, Architekt von Atom-Testsiedlungen und Casinohotels, verfällt ihr, wie jeder Mann. Auch wenn sie auf ihn schießt. Verzwirbelte Geschichte um Rache und Rassismus. Im Vordergrund ein blonder Vamp, am Horizont Atompilze.

2. (-) Thomas Kastura: Der vierte Mörder. Droemer
Köln: Kein Terrorist, ein wahngeplagter Einzeltäter will einen U-Bahnzug verbrennen. Mit Versen aus Schillers „Glocke“, meistzitiert, meistgehasst unter deutschen Gedichten, kündigt er das Inferno an. Die Polizei ahnt nix. Auch nicht von den anderen, die im Nahverkehr töten. Das Kriminalquartett zum Schillerjahr.

3. (3) John le Carré: Geheime Melodie. List
London / Nordseeinsel: Stardolmetscher Bruno Salvador – Vater Missionar, Mutter aus Kivu (Ostkongo) – übersetzt seltene afrikanische Sprachen. Ein Bastard, wie er bei le Carré fast immer im Buche steht. Als ihm ein Komplott gegen Kivu bekannt wird, schlagen sein weißes und sein schwarzes Menschenherz. Altmeisterliche Antiglobalisierungssatire im Geheimdienstgewand.

4. (4) Frank Göhre: Zappas letzter Hit. Pendragon
Hamburg: Zappa, der St.Pauli-Killer, hat seine Frau und sich im Knast getötet. Immer noch lose Fäden. Tochter Julie will Rache. Am Kiez kommen die Biker ran. Die Ermittler von damals geben keine Ruhe. Endlich hat Göhre seine Kiez-Trilogie fortgesetzt: Leidenschaft und Härte.

5. (-) Stefan Slupetzky: Das Schweigen des Lemming. Rowohlt
Wien: Ex-Kripo-Gruppenleiter Lemming ist zum Nachtwächter abgestiegen. Im Schönbrunner Polarium findet er einen erhängten Pinguin und kommt – Verbrechen und Kunst sind artverwandt – einem als Kunstaktion getarnten Raub auf die Spur. Nicht ohne weitere Leich. Wiener Reigen, mal schwül heiß, mal tief kalt.

6. (6) Pete Dexter: Train. Liebeskind
Los Angeles nach dem Krieg: Train, schwarz, jung, vorsichtig, ist Caddie. Im kleinen Finger hat er mehr Golf als die, denen er das Bag schleppt. Mr. Packard, reicher Detective, kommt herüber zum Schwarzen. Roman über das Recht des großen Talents, den alltäglichen Rassismus und das, was wichtig ist: Mord ist es nicht. Kein Wort zu viel.

7. (10) Michael Connelly: Vergessene Stimmen. Heyne
Los Angeles: Als 17 Jahre nach ihrem Tod neue DNS-Spuren auftauchen, ist der Mord an Rebecca Lost kein „Kalter Fall“ mehr. Harry Bosch, Ex-Mordermittler des LAPD, wird reaktiviert. Seine Mission: den Opfern eine Stimme geben, die Schuldigen fassen. Harte Detektivarbeit, nach dem 11. September.

7. (-) Antonio dal Masetto: Blut und Spiele. Rotpunkt
Bosque, Argentinien: In der Kleinstadt Bosque schwelt Blutdurst. Geweckt wird er von Fremden. Muto öffnet die Schleusen. Er tut, als wolle er einen Film über den Bankraub vor anderthalb Jahren drehen. Lakonisch, Fortsetzung und Steigerung von „Noch eine Nacht.“ Ein Höhepunkt argentinischer Kriminalliteratur.

7. (9) Norbert Horst: Blutskizzen. Goldmann
Irgendwo in NRW: KHK Kirchenberg und Kollegen suchen den Serientäter, der alte Männer nackt, gefesselt, erstickt in Müllcontainer legt. Authentisch: Horst, selbst Kriminalhauptkommissar, bringt Ermittlungsalltag hautnah. Zwischen Hoffnung und Irrtum: vom Mörder bleiben nur Skizzen.

8. (8) Michael Robotham: Amnesie. Goldmann
London: Detective Inspector Ruiz wird aus der Themse gezogen. Ihm fehlen Ehering, der dazugehörende Finger und die Erinnerung. Robotham macht überaus spannend und fintenreich die Floskel erneut wahr: Nichts scheint, wie es ist – und in diesem vertrackten Fall von Kindesentführung sogar zwei Mal.

Die Dezember-Liste der KrimiWelt – Die Bestenliste von WELT, ARTE und NordwestRadio wird heute auch in der Literarischen Welt, der Literaturbeilage der Tageszeitung DIE WELT, in den Literatursendungen des NordWestRadios (live mit Jurysprecher Tobias Gohlis) sowie unter www.arte.tv/Krimiwelt mit Kommentaren von Tobias Gohlis, Kurzrezensionen der Juroren und weiteren Informationen zu Büchern und Autoren vorgestellt.
Buchhändler können einen dreifarbigen Flyer mit der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste bestellen. Kontakt: KrimiWelt, c/o asv vertriebs GmbH, Süderstraße 77, 20097 Hamburg, E-Mail: krimiwelt@axelspringer.de, Fax: 040/34 72 76 68.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.