Die zehn besten Krimis im Januar / Don Winslow neu auf Platz 1

Don Winslow schafft in der Bestenliste den Sprung an die Spitze, gefolgt von Gerard Donovan und David Peace.

Hier die komplette KrimiWelt für Januar:

1. (4) Don Winslow: Frankie Machine. Suhrkamp
San Diego/Hawaii: Frankie ist der Sonnyboy vom Anglerladen und der friedliche Sheriff auf der Touristenpier. Doch wer sich mit ihm anlegt, lernt ihn als Frankie Machine kennen. Als raffinierten, kaltblütigen Killer. Ein flotter Ritt durch die West-Coast-Abteilung der amerikanischen Mafia.

2. (6) Gerard Donovan: Winter in Maine. Luchterhand
Maine, Tal des St. John River: Julius Winsome ist nicht so einnehmend wie sein Nachname verspricht. Als jemand seinen Terrier Hobbes erschießt, intensiviert der Einsiedler sein Studium von Shakespeares Wortschatz und legt jeden Jäger in seinem Revier um. Der Hund hieß Hobbes und war trotzdem Julius treu.

3. (1) David Peace: Tokio im Jahr Null. Liebeskind
Tokio 1946: In den Trümmern der Stadt liegen zwischen Kriegsleichen die Opfer eines Frauenschänders. Erniedrigte Polizisten, demütigende Alliierte. Entmenschlichung? Menschenleben. Volume 1 von 3 schwarzen Gesängen aus Tokio. Erschütternd. Kein Spaß. Ein wahrer Fall. Große Literatur.

4. (-) Angelo Petrella: Nazi Paradise. Pulp Master
Neapel: Der namenlose Ich-Erzähler und Abonnent von „Skin-News“ hat Pech. Beim Verdreschen des Negers, der eine Kameradin gebumst hat, fällt er den Bullen in die Hände. Für sie muss er den PC eines Villenbesitzers auf Capri cracken. Sonst gibt es Knast. Überraschende Memoiren eines Neofaschisten: Fix und dreckig.

5. (5) Heinrich Steinfest: Gewitter über Pluto. Piper
Wien/Stuttgart/Universum: Ein Pornodarsteller will ein Strickwarengeschäft eröffnen, ein Außerirdischer ein Archaeopteryx-Modell auf seinen Heimatplaneten entführen. Der ganz normale Steinfest-Wahn-Sinn also. Mit langem Atem erzählt: Es geht durch die Weiten des Alls.

6. (3) Linus Reichlin: Der Assistent der Sterne. Galiani Berlin
Brügge/Antwerpen/Reykjavík: Seine Leidenschaft für Physik lockt Ex-Kommissar Jensen nach Island. Dort begegnet er der Erfüllung einer Wahrsagung und lebt fortan im Dilemmasalat. Tot – Untot, Kind – Nichtkind, Wahrheit – Lüge. Jensen schlurft durch Ambivalenzen. Reichlin II: Prognostik und Kaleidoskopik.

7. (10) William Boyd: Einfache Gewitter. Berlin Verlag
London: Wie das Leben so spielt. Als Adam Kindred den Pharmakologen Philip Wang auffindet, begeht er den Fehler, ihm das Messer aus der Brust zu ziehen. Nun gilt Adam als Mörder – und den Mördern als Geheimnisträger. Adam könnte einen Pharmakonzern ruinieren – und hat doch kaum sein Leben in der Hand.

8. (-) Giampaolo Simi: Camorrista. C.Bertelsmann
Italien/Großbritannien/Deutschland: Rosas erster Job als Polizistin im italienischen Zeugenschutz ist ein 18-jähriger Mafia-Widerling, Mörder, Kokser, Macho, Capozona. Zwischen Biest und Chefs auf sich gestellt, tastet Rosa ihren Kurs. Simi hat von Leonardo Sciascia gelernt: eine Entdeckung. Spannend dazu.

9. (-) Jim Nisbet: Dunkler Gefährte. Pulp Master
Los Angeles, Las Vegas: Das Unternehmen, dem Banerjhee Rolf jahrelang Intelligenz und Lebenskraft gegeben hat, wird durch einen Heuschreckenkonzern übernommen. Rolf ist arbeitslos, aber nicht unglücklich. Bis ihn sein dämlicher Nachbar auf einen Drink einlädt. Pechschwarze Satire auf Kalifornienträume.

10. (5*) Ulrich Ritzel: Beifang. btb
Ulm, Stuttgart, Blaustein: Fiona Morny tot, angeklagt der Gatte. Ex-Kommissar Berndorf sucht ihren letzten Beischläfer, findet einen Halsschmuck. Und daran hängt bitterböse deutsche Geschichte. Gelassen, ein wenig frivol, weit gespannt: Ritzel wird im Alter richtig Klasse.

* im November 2009

Die KrimiWelt wird jeden Monat in der Literarischen Welt[, der Literaturbeilage der Tageszeitung DIE WELT, in den Literatursendungen des [NordWestRadios (live mit Jurysprecher Tobias Gohlis sowie unter {www.arte.tv/Krimiwelt] mit Kommentaren von Tobias Gohlis, Kurzrezensionen der Juroren und weiteren Informationen zu Büchern und Autoren vorgestellt.

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