Im März auf Platz 1: Wassili Grossman

1. (5.) 65 Punkte

WASSILI GROSSMAN: Leben und Schicksal
Roman. Aus dem Russischen von Madeleine von Ballestrem, Arkadi Dorfmann, Elisabeth Markstein und Annelore Nitschke.
Claassen Verlag, 1088 Seiten, 24,90 EUR
mittelschwere Lektüre

„Leben und Schicksal des Volkes, das sein Land vom nazistischen Aggressor befreite und das der nach der kriegsentscheidenden Wende von Stalingrad zu scheinbarer Allmacht erstarkten Stalin-Diktatur unterlag: Am Beispiel und aus der Perspektive zahlreicher Personen, die alle Schichten und Kreise der Sowjet-Gesellschaft repräsentieren, zeigt Wassili Grossman in seinem bitteren Epos, dass es kein richtiges Leben im Falschen geben kann.“ (Wolfgang Werth)

2. (-) 64 Punkte

PHILIP ROTH: Exit Ghost
Roman. Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren.
Carl Hanser Verlag, 304 Seiten, 19,90 EUR
leichtere Lektüre

Die Rückkehr des jetzt 71-jährigen Nathan Zuckerman: Nach einer Prostataoperation ist er impotent und inkontinent. Eine Behandlung verspricht Hoffung. Er lernt ein junges Paar kennen und verliebt sich in Jamie. Seine Gefühle sind jünger als er. In diesem Widerspruch siedeln Trauer, Wut, Melancholie.

3. (-) 59 Punkte

BRIGITTE KRONAUER: Die Kleider der Frauen
Geschichten
Reclam Verlag, 176 Seiten, 4,80 EUR
mittelschwere Lektüre

26 kurze Erzählungen der Büchnerpreisträgerin von 2005, präzise Miniaturen über ein spannungsreiches Verhältnis: Wie viel Ich steckt in meinen Kleidern?

4. (-) 57 Punkte

JENNY ERPENBECK: Heimsuchung
Roman.
Eichborn.Berlin Verlag, 192 Seiten, 17,95 EUR
mittelschwere Lektüre

Der Roman eines Jahrhunderts, erzählt entlang eines Hauses am Scharmützelsee. Erdgeschichte, Naturgeschichte, politische Geschichte verwoben in biographischen Miniaturen. Das 20. Jahrhundert zwischen Idylle und Verlust.

5. (1.) 52 Punkte

PETER HANDKE: Die morawische Nacht
Erzählung.
Suhrkamp Verlag, 561 Seiten, 28,00 EUR
mittelschwere Lektüre

„Handke hat Vergnügen daran gefunden, sich von außen zu betrachten und mitunter zu lächeln über das, was er da sieht. ‚Die morawische Nacht‘ ist der Versuch eines Dichters, mit sich und der Welt ins Reine zu kommen. Für jemanden, der den Streit oft mehr zu lieben schien als den Frieden, ist das erstaunlich gut gelungen.“ (Hubert Spiegel)

6. (-) 50 Punkte

MARTIN WALSER: Ein liebender Mann
Roman.
Rowohlt Verlag, 288 Seiten, 19,90 EUR
leichtere Lektüre

73, 19 – Goethes Schicksalszahlen: 1823 verliebt er sich in Marienbad in Ulrike von Levetzow. 54 Jahre liegen zwischen ihnen, fast ein ganzes Leben. Aber ein liebender Mann zählt nicht. Er macht ihr einen Heiratsantrag. Und wird abgewiesen. Aber: „Keine Liebschaft war es nicht“ wird die historische Ulrike in ihren Erinnerungen sagen.

7. (9.) 45 Punkte

HANNA KRALL: Herzkönig
Verlag Neue Kritik, 174 Seiten, 19,50 EUR
mittelschwere Lektüre

„’Herzkönig’ ist ein Lebensbericht von hunderttausend ähnlichen Lebensberichten, den aber nur Hanna Krall so gnadenlos nüchtern auf engstem Raum erzählen kann. … ‚Herzkönig’ ist eine ergreifende (wahre) Erzählung vom Überleben. Schicksale vor dem Vergessen zu bewahren, ist Hanna Kralls Lebensaufgabe.“ (Verena Auffermann)

8.-9. (-) 25 Punkte

JONATHAN LITTELL: Die Wohlgesinnten
Roman. Aus dem Französischen von Hainer Kober.
Berlin Verlag, 1392 Seiten, 36,00 EUR
mittelschwere Lektüre

In Frankreich umstritten und heiß diskutiert, jetzt auf Deutsch: Die fiktive Lebensbeichte des coolen Edelnazis Max Aue, eine entfesselte Biographie zwischen Kultur und KZ. Die Historiker haben die Frage gestellt: Wie konnten normale Männer zu Massenmördern werden? Littell antwortet mit einem literarischen Monster, einer Art Nazi-Hannibal Lecter.

8.-9. (3.) 25 Punkte

RICHARD YATES: Verliebte Lügner
Short Storys. Aus dem Amerikanischen von Anette Grube.
DVA, 320 Seiten, 19,95 EUR
mittelschwere Lektüre

Der zweite Band mit Kurzgeschichten des 1991 verstorbenen amerikanischen Schriftstellers: Erzählungen von den Schattenseiten des amerikanischen Traums. „Chronist des Zeitalters der Angst“ nennt ihn sein Kollege Stewart O’Nan voller Bewunderung.

10. (7.) 24 Punkte

ULF STOLTERFOHT: holzrauch über heslach
Gedicht
Urs Engeler Editor, 128 Seiten, 19,00 EUR
mittelschwere Lektüre

Autobiographisches Großgedicht, das der Konfrontation zweier Welten entspringt, der schwäbischen Heimat, Heslach, einem Stadtteil von Stuttgart, und dem Gelesenen und Gehörten: Helmut Heißenbüttel, Ezra Pound, Johann Fischart, Captain Beefheart.

Persönliche Empfehlung im März von Martin Ebel (Zürich)

Uzodinma Iweala: Du sollst Bestie sein!
Roman. Aus dem Englischen von Marcus Ingendaay.
Ammann Verlag, 157 Seiten, 18,90 EUR

„Täter reden nicht, sagt man über die Mörder des „Dritten Reiches“. Kindersoldaten, die zum grässlichen Tun gezwungenen Opfer, reden auch nicht – die Autobiographien, die derzeit gehandelt werden, sind zumindest in ihrer Authentizität zweifelhaft. Uzodinma Iweala, der erst 25-jährige afro-amerikanische Autor, fingiert nicht. Er hat einen Roman geschrieben, aus der Perspektive eines Kindersoldaten, irgendwo in Afrika. In einer eigenen Sprache, die einen von der ersten Seite an gefangen nimmt. Atemlos spricht sie, entsetzlich ist, was sie sagt. Wie die Glieder derer, die er töten muss, zerhackt der Erzähler die Sätze, sinnlos und monoton, und die Schnitte gehen tief. Ein zutiefst quälendes Leseerlebnis.“ (Martin Ebel)

Literatur im Fernsehen

‚Literatur im Foyer‘ mit Thea Dorn

Freitag, 14. März um Mitternacht im SWR Fernsehen
Sonntag, 16. März um 13.30 Uhr in 3sat
‚Vom Glanz und Elend der Bücherwelt‘
Gäste: Klaus Eck, Wolfgang Ferchl,
Michael Krüger, Antje Kunstmann u.a.

‚Literatur im Foyer‘ mit Martin Lüdke

Freitag, 7. März um Mitternacht im SWR Fernsehen
Sonntag, 9. März um 13.30 Uhr in 3sat
Gäste: Martin Walser, Dieter Borchmeyer u.a.

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