Horst Künnemann greift in Debatte um den Deutschen Jugendliteraturpreis ein

Nach Wortmeldungen von Carlsen-Verleger Klaus Humann [mehr…] sowie von Brigitte Hanhart Sidjanski und Mladen Jandrlic, Nord-Süd-Lektorat [mehr…], auf die Kritik von bohem press-Verleger Otakar Bozejovsky von Rawennoff [mehr…], [mehr…] am Deutschen Jugendliteraturpreis, bezieht nun auch der Kritiker Horst Künnemann Stellung:

Lieber Otakar, verehrte Verlegerin und Kollegen, Dank zuvörderst für offenen Brief, gefaxte Antworten von „Betroffenen“.
Überschrift meinerseits „Harry bring doch mal eben schnell die Ölkanne!“
Was für ein Hurrikan im Zahnputzglas oder: Wenn sich Verleger kabbeln oder fingerhakeln, um sich anschließend doch die Schultern gegenseitig zu klopfen , sollte sich Kritik raushalten. Ich bring´s nicht über mich. Zur Sache. Über den „ Deutschen Jugendliteraturpreis“ und die vorausgehende Nominierungsliste ist über die Jahrzehnte hinweg immer wieder mit schöner Regelmäßigkeit gestritten worden. Und immer wieder auch gerieten Preisrichter, ihre Vorschläge und die zugehörigen Bücher ins sog. Kreuzfeuer der Meinungen. Im Wonnemonat Mai hat sich einiges geändert .
Du, lieber Otakar, gerätst in Zorn über die Präsentation „grafisch miese Aufbereitung eines informierenden Posters, garstige Typografie, die Du unbefragt noch mitfinanzieren durftest. Und darüber geraten Juroren und mehr noch ihre Bilderbuchvorschläge ins Visier und in Verdammnis: Da schon die Präsentation und die “Verpackung“ nicht stimmt, muss wohl auch der Inhalt nur Mist enthalten…
Wut macht blind, sonst wäre Dir aufgefallen, dass die von Dir zu Recht gelobten KünstlerInnen Klaus Ensikat und Binette Schroeder längst mit einem Sonderpreis für ihr bisheriges Bilderbuchschaffen geehrt wurden, und die ebenfalls benannten Senioren kamen immer wieder mit Hervorhebungen zumindest auf die „Auswahl“. Die weiter hervorgehobenen Illustratoren zwischen Quint Buchholz und Lisbeth Zwerger haben eben im zu prüfenden Zeitraum entweder gar kein Bilderbuch publiziert oder Arbeiten veröffentlicht, die nicht an vergangene Spitzenleistungen heranreichten.
Klaus Humann von Carlsen nennt die fünf vorgeschlagenen Frauen dieses Jahres, überwiegend zur mittleren Generation zählend und zuvor bereits mit Preisen bedacht. Die kannst Du doch nicht im Ernst gemeint haben , als die Argumente von Blindheit, Ignoranz und Inkompetenz in Dir hochkochten! Säßen wir entspannt vor ihren Arbeiten, würden wir uns vermutlich sehr rasch darüber einigen, dass da höchst originelle, eigenwillige und bisweilen auch lustige Ideen handwerklich überzeugend und in künstlerisch einprägsamer „Handschrift“ zu Buch schlugen. „Harry, reich doch mal eben die Ölkanne!“ um einige Tropfen auf die Wogen zu geben.
Kurzvermerk nur zu den verlegerischen Reaktionen: Da wir alle bei den „Kinderbüchern“ eine riesengroße, bisweilen auch leicht mafios verstrickte Mega-Familie sind, frag ich schon gar nicht mehr, mit wem ich mich duze oder nicht. Die Nord-Süd-Verlags-Solidaritätsadresse scheint mir schlicht überflüssig, da spätestens mit der tatsächlichen Preisverkündung natürlich auch die Begründungen, sprich Maßstäbe und Einschätzungen für jeden Interessiert-Engagierten nachlesbar sind. Da können wir dann weiter argumentieren, streiten und fingerhakeln.
Bis dahin und zum Herbst heißen Sommer für klare Gedanken und nie den schönen Spruch eine Unholds aus dem verblassenden vorigen Jahrhundert vergessen. “Ich liebe Euch alle!“

Horst Künnemann, Hamburg, 27. Mai 2002

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