Vorlesen: Trendbericht Kinder- und Jugendbuch

„Fehlende Vorbilder – Was tun, wenn der Vater nicht liest?“ lautete die Frage, die auf der diesjährigen Pressekonferenz mit dem Trendbericht Kinder- und Jugendbuch auf der Leipziger Messe gestellt und von der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, dem Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V., der Stiftung Lesen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels beantwortet werden sollte. Hier die Pressemitteilung des Börsenvereins:

Väter sind gefordert: Lesevorbilder für Jungen gesucht
„Väter für das Vorlesen begeistern und mit spannenden Büchern für Jungen in die Zukunft investieren“ – das ist der zentrale Appell des Trendberichts Kinder- und Jugendbuch. In der Verantwortung stünden vor allem Familien, Gesellschaft und Buchbranche. Der Trendbericht wurde heute von der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj), dem Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), der Stiftung Lesen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels bei einer Pressekonferenz auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt.
Mit 15,2 Prozent Umsatzanteil rangiert die Warengruppe Kinder- und Jugendbuch auf dem zweiten Platz hinter der Belletristik. Während der Gesamtbuchmarkt im vergangenen Jahr leicht um 0,4 Prozent zugelegt hat, gingen die Umsätze beim Kinder- und Jugendbuch um 3,4 Prozent zurück. „Damit bewegt sich der Kinder- und Jugendbuchmarkt wieder auf seinem gewohnt hohen, aber normalen Niveau“, sagt Claudia Paul, Pressesprecherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „2009 war im Bereich der Jugendbücher ein Ausnahmejahr mit vielen neuerschienenen Bestsellern im All-Age-Bereich.“ Vor allem bei „Noch-nicht-Lesern“ und „Leseneulingen“ stehen Bücher hoch im Kurs: Die drei Warengruppen Vorschul-/Erstlesealter (Umsatzanteil 5,5 Prozent), Bilderbücher (Umsatzanteil 17 Prozent) sowie Spielen und Lernen (6,5 Prozent) konnten jeweils um rund fünf Prozent zulegen; Vorlesebücher (Umsatzanteil 4,9 Prozent) gewannen leicht um 1,1 Prozent. Insgesamt machen diese vier Segmente gut ein Drittel des Umsatzes in der Warengruppe Kinder- und Jugendbücher aus. „Leseförderung beginnt schon dann, wenn die Kinder noch nicht selbst lesen können“, sagt Claudia Paul. „Das zeigt sich im wachsenden Anteil der Bücher für die Jüngsten.“
Stärkste Warengruppen im Segment sind nach wie vor Jugendbücher (ab 12 Jahre; Umsatzanteil 27,4 Prozent) und Kinderbücher (bis 11 Jahre; Umsatzanteil 27,3 Prozent). Während die Jugendbücher im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 17,8 Prozent verzeichnen, konnten die Kinderbücher um 3,9 Prozent zulegen. Die Zahlen hat media control GfK International im Auftrag des Börsenvereins ermittelt.

Väter für das Vorlesen sensibilisieren
Lesevorbilder sind wichtig, damit aus Leseneulingen begeisterte Leser werden. Gefragt sind hierbei gerade die Väter, die das Vorlesen zwar wichtig finden, es aber überwiegend im Verantwortungsbereich der Mütter ansiedeln: Nur knapp ein Fünftel der Männer liest seinen Kindern allein oder gemeinsam mit der Partnerin vor. Männer sehen sich eher für andere Freizeitbeschäftigungen zuständig, so die Stiftung Lesen. „Das fehlende Zuständigkeits-Gefühl der Väter für das Vorlesen muss aber nicht so bleiben“, sagt Christoph Schäfer, Pressesprecher Bildung, Politik, Forschung der Stiftung Lesen. „Zahlreiche Projekterfahrungen belegen: Väter werden zu Vorlese-Vätern – wenn man sie für das Thema sensibilisiert und durch niederschwellige, männer-affine Angebote zum Aktiv-Werden motiviert.“ Mit Initiativen und Projekten wie „Lesestart“ und „Mein Papa liest vor“ richtet sich die Stiftung Lesen auch speziell an Väter.

Spannende Bücher vor dem Schlafengehen
Für gleichberechtigtes Vorlesen macht sich die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) stark. Viele Kinder nutzen die Zeit vor dem Schlafengehen zum Lesen – dann sind in der Regel auch die Väter zu Hause und könnten sich dem Nachwuchs widmen, so der Appell der avj. „Kluge Väter lesen, vorbildliche lesen vor“, sagt Ulrich Störiko-Blume, Vorsitzender der avj. „Wenn althergebrachte Rollenzuweisungen abgeschafft werden, muss dies auch im Vermittlungsprozess von Kinder- und Jugendliteratur geschehen.“
Das allerdings reiche nicht aus, denn das Problem liege nicht allein beim fehlenden Vorleser, sondern auch bei der Auswahl des richtigen Lesestoffs. Spaß beim Lesen und eine spannende Handlung werden von Jungen als wichtige Kaufgründe genannt. Deshalb ruft die avj die Buchbranche zur Unterstützung auf. „Hier sollten Verlage ansetzen und sich mit ihren Programmen stärker auf die Bedürfnisse von Jungen ausrichten. Und Buchhandlungen können ihre Stärken – Beratung und Kaufempfehlung – ausspielen und darauf hinwirken, dass Kinder- und Jugendbücher speziell für Jungen bekannter werden“, so Störiko-Blume.

Vorlesen als Investition in die Zukunft
Vorlesen hat einen nachhaltigen Effekt, der über die reine Vorlesesituation hinausgeht. Darauf weist der Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ) hin. „Vorlesen schafft gemeinsame Erfahrungen, liefert Stoff für gemeinsame Gespräche und spätere Erinnerungen. Für Väter ein wichtiger Schatz, der vielleicht erst viel später richtig gewürdigt wird. Es ist zu hoffen, dass sich auch bei den Männern das Bewusstsein verstärkt, dass das Vorlesen auch für sie eine Win-Win-Situation ist“, sagt Regina Pantos, Vorsitzende des AKJ. Väter könnten durch das Vorlesen im Familienkreis für ihre Söhne eine wichtige Orientierung auch in entwicklungspsychologischer Hinsicht sein.

Die aktuellen Zahlen zum Kinder- und Jugendbuchmarkt sind unter www.boersenverein.de abrufbar.

Auch buchmarkt.de hat im Gespräch mit Arne Ulbricht [mehr…] diese Problematik thematisiert.

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