Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Ebenso ein Rätsel wie ein Ärgernis“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Abkürzung durch die Arktis“: Wo geopolitische Konflikte sich zuzuspitzen drohen: Andreas Renner legt eine instruktive Geschichte des Seewegs der Nordostpassage vor. „Andreas Renners Darstellung ist eine wichtige Ergänzung zu den Büchern, die sich wie Michael Pauls Kampf um den Nordpol (2022) mit dem Konfliktpotential der Region befassen.“

  • Andreas Renner, Nordostpassage. Geschichte eines Seeweges. (Mare Verlag)

„Dick mögen die Regeln sein, doch nicht zu sehr“: Leben mit Künstlichen Intelligenzen: Urs Gasser und Viktor Mayer-Schönberger denken über Leitlinien im Umgang mit Algorithmen nach. „In ihrem neuen Buch analysieren sie, was gute Leitplanken ausmacht und wie diese für die Zukunft aussehen sollten. Denn die Welt verändere sich rasant, und wir sind dabei, in unseren Entscheidungsroutinen neue, manchmal problematische Leitplanken zu etablieren. Dabei denken die Autoren vor allem an KI-Systeme, die für uns Daten analysieren, Fragen beantworten und immer häufiger auch Entscheidungen treffen.“

  • Urs Gasser/Viktor Mayer-Schönberger, Guardrails. Guiding Human Decisions in the Age of AI. (Princeton University Press)

„Lob der Milchpumpe“: Olga Ravn hat mit Meine Arbeit einen Roman geschrieben, der auf unterschiedlichste Schreibweisen allen Aspekten von Mutterschaft gerecht werden will. „Das Buch der 1986 geborenen Schriftstellerin ist ebenso ein Rätsel wie ein Ärgernis, aber auch eine Überraschung. Man kann aus ihm wieder einmal folgern, dass ein Gegenstand, ein Sujet eine massive Aufwertung und vollkommen neue Gestalt erfährt, sobald sich jemand als Künstler darum kümmert.“

  • Olga Ravn, „Meine Arbeit“. Roman. (aus dem Dänischen von Alexander Sitzmann und Clara Sondermann; März Verlag)

„Jetzt kommt es auf uns an“: In vielen erfolgreichen wissenschaftlichen Sachbüchern schreiben die Autorinnen und Autoren jetzt auffällig viel über sich selbst. Muss das sein? „Auch wenn Kornbluhs Analysen zuspätkapitalistischer Prosa nicht immer überzeugen, so enthält Immediacy doch wichtige Beobachtungen zu Grundtendenzen des globalen Literaturbetriebs. Der nordamerikanische Memoir-Boom findet auch auf dieser Seite des Atlantiks große Resonanz. Die Auflösung der Gattungsgrenzen zwischen fiktionaler Literatur, autobiografischer Darstellung, populärem Sachbuch und akademischer Studie sorgt hierzulande für fast uneingeschränkte Begeisterung.“

  • Anna Kornbluh, Immediacy or The Style of Too Late Capitalism. (Verso Books)

„Leichen, die niemand mehr waschen wollte“: Wenn ein Roman zu Geschichtsschreibung wird: Anthony Passerons Die Schlafenden erzählt meisterhaft von der ersten Phase der Aids-Pandemie. „All das ist unendlich traurig, aber zugleich hat es Anthony Passeron mit einem molekularen anthropologischen Humor versetzt, der die Geschichte in die Haltbarkeit der Kunst verschiebt. (…) Zeitzeugen können die Wahrhaftigkeit der Geschichte bestätigen, auch für Jüngere, denen sie erspart blieb, die sie aber kennen sollten. Memoire, Familiengeschichte, Roman, Historie: Die Schlafenden von Anthony Passeron vereint alle Stärken dieser souverän eingesetzten Erzählformen.“

  • Anthony Passeron, Die Schlafenden. (aus dem Französischen von Claudia Marquardt; Piper Verlag)

„Machtmissbrauch im Pop“: Die Band Rammstein ist dieser Tage wieder auf Tour, ziemlich genau ein Jahr nachdem die Nordirin Shelby Lynn 2023 Vorwürfe gegen Till Lindemann öffentlich gemacht und vermutet hatte, sie sei bei einem Rammstein-Konzert in Vilnius unter Drogen gesetzt worden. Die SZ war daraufhin gemeinsam mit dem NDR Hinweisen auf eine systematische Rekrutierung von sehr jungen weiblichen Fans für Partys und Sex rund um Rammstein-Konzerte nachgegangen. Diese Enthüllungen stellen den Ausgangspunkt für das nun erschienene Buch Row Zero – Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie dar, das diese Woche im Eichborn-Verlag erscheint.“

  • Daniel Drepper, Lena Kampf, Row Zero. Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie. (Eichborn Verlag)

„Die Stunde des Kartenspielers“: Franziska Augsteins glanzvolle Churchill-Biografie entwirft das Bild eines großartigen und unerträglichen Politikers und Machtmenschen in eigener Sache. „Franziska Augstein hat eine glänzende Biografie dieses Politikers vorgelegt. Kenntnisreich hat sie Churchills Leben in die Zeitgeschichte eingebettet. Sprachlich ist die Lektüre ein Vergnügen.“
  • Franziska Augstein, Winston Churchill. Biographie. (dtv)