Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Ein Lesebuch und vor allem eine Werbung fürs Lesen“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Diese Uhren zeigen immer fünf vor zwölf“: Seit über zwanzig Jahren führt Walter Moers uns in seine Welt Zamonien. Jetzt erscheint mit Die Insel der Tausend Leuchttürme ein düsteres Seestück. „Moers, der hier ein weiteres Mal als Herausgeber eines – wenn auch einseitigen – Briefgesprächs aus Zamonien fungiert, baut geschickt ein Gewebe aus versteckten Zeichen auf, die im Finale ihre ganze Bedeutung offenbaren. Was davon nur skurril und illustrativ ist und was für die Handlung einen tieferen Sinn besitzt, ist für den Leser erst vom Ende her zu erkennen, und viele der Details, entwickelt aus den Traditionen der maritimen Welt und ihrer literarischen Erzählung, tragen eher zur dichten Atmosphäre bei als zum Handlungsverlauf.“

  • Walter Moers, Die Insel der tausend Leuchttürme. Roman. (mit Zeichnungen des Autors; Penguin Verlag)

„Lippfelder Elend“: Bleiben oder gehen, ab nach Berlin oder der Ruhrgebietswelt von Lippfeld verhaftet bleiben? Andreas Heidtmann setzt mit Plötzlich waren wir sterblich sein Erinnerungsprojekt fort. „Braucht es wirklich noch Bücher über eine Jugend am Rande des Ruhrgebiets? Aber es gibt eben genug Leute, die solch ein Buch brauchen, weil es sie in den Kopf ihrer Jugend zurückbringt. Denen das Melancholische und doch auch Euphorische und Möchtegern-Coole und Jugendpoetische dieser Sprache charmante Lesestunden beschert (…). Und manche Bücher müssen einfach geschrieben werden – Heidtmann stammt nun mal wie sein Romanheld von der Lippe nördlich von Bottrop, er wuchs in Schermbeck und Dorsten auf und steuerte wie Ben im Roman auf eine Ausbildung als Pianist und Germanist zu.“

  • Andreas Heidtmann, Plötzlich waren wir sterblich. Roman. (Verlag Faber & Faber)

„Aus farblosem Gelb wird ein buntes Spektakel“: Elena Fischers für den Deutschen Buchpreis nominierter Roman Paradise Garden ist ein ebenso bewegendes wie witziges Familiendrama. „Was diesen Roman so erwähnenswert macht, ist der grandiose Lebenswille seiner beiden Hauptfiguren. Ihr Erfindungsreichtum, ihre Selbstachtung, ihr bewundernswertes Beharrungsvermögen gegen alle Widrigkeiten, das ohne jede Bitterkeit auskommt und noch in der größten Talsohle des Lebens Witz versprüht. Sozialkitsch kommt da keiner auf.“

  • Elena Fischer, Paradise Garden. Roman. (Diogenes Verlag)

„Nerz beiseite“: Der große Bewahrer Uwe Timm greift für sein neues Buch auch zurück auf die eigenen Erfahrungen im Fach- und Familiengeschäft „Pelze Timm“. „Ein Lesebuch und vor allem eine Werbung fürs Lesen. Die Wirkungen der Lektüre von Brehms Tierleben und Alexander von Humboldts Naturbeschreibungen sind nur zwei Beispiele dafür, wie sich – durch Lesen – Timms Blick weitete. Und wenn sich schon der Blick auf Biber durch Lesen weitet, weitet sich durch Lesen auch der Blick auf die Welt.“

  • Uwe Timm, Alle meine Geister (Kiepenheuer & Witsch)

„Wow, und der ganze Verkehr erst“: Wirtschaftswachstum als Faszinosum und Frauen als seltene Wesen: Tradition und Wandel, eine opulente zweibändige Frankfurt-Geschichte, wirkt mit ihren wenig hinterfragten Erfolgsgeschichten wie aus der Zeit gefallen.

  • Marie-Luise Recker (Hrsg.), Tradition und Wandel. Frankfurt am Main. (2 Bände; Wallstein)

„Lust auf ein Abenteuer?“: In ihrem Debütroman Gittersee erzählt Charlotte Gneuß eine finstere, äußerst lebendige Dresdner Geschichte aus dem Sommer 1976. „Wir sollen mitgerissen werden (nicht zuletzt durch eine mysteriöse Eingangssequenz), und während wir mitgerissen werden, sehen wir dabei zu, wie clever die Autorin es anstellt. Trotzdem ein in Sachen Erzählkunst sehr überzeugendes Debüt.“

  • Charlotte Gneuß, Gittersee. Roman. (S. Fischer)
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