Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „Erfolgsrezept Wohlfühlprosa“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Mitgedachte Konsequenzen“: Am Montag ist die kanadische Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin gestorben. Was macht den Reiz ihrer Geschichten aus? „Alice Munro hat keine Romane geschrieben, sondern nur Geschichten, wie lange mit einem Anflug von Bedauern vermerkt wurde, als ob die Selbstbeschränkung eine Einschränkung gewesen wäre. Im Literaturbetrieb galt ihre Konzentration auf die sogenannte kleine Form der gemessen an der Genretradition gar nicht so kurzen Geschichte als Handicap, dem Ruhm zum Trotz, den sie in ihrem Heimatland Kanada schon mit der ersten ihrer vierzehn Sammlungen erntete. (…) Nur Geschichten, das heißt bei Alice Munro nur: literarische Fiktionen ohne Redundanz, ohne das Füllmaterial des konventionellen Romans.“

„Das Meer, dein Freund und Feind“: Caroline Wahls Debüt 22 Bahnen stand monatelang auf der Bestsellerliste, jetzt erscheint ihr nächster Roman Windstärke 17. Auch dieses Mal ist ihr Erfolgsrezept Wohlfühlprosa. „Caroline Wahl ist eine talentierte Beobachterin, die ein Gespür für knappe, pointierte Szenen hat.“

  • Caroline Wahl, Windstärke 17. Roman. (DuMont)

„Ruhe als erste Dichterpflicht?“: Manfred Enzensperger nimmt mit seinen neuen Gedichten Platz an Putins Tisch. „Diese Gedichte geben sich spielerisch und sind doch voller Bitterkeit (…).“

  • Manfred Enzensperger, „tisch“. Gedichte. (Verlag Ralf Liebe)

„Wie schreibt man denn Boogie-Woogie?“: Rückwärtsgewandt, aber erschreckend gegenwärtig: Adam Zagajewskis letzte Gedichte erstmals auf Deutsch. „Übersetzer werden meistens am Ende von Rezensionen erwähnt, aber man darf sie auch einmal am Anfang loben. Ohne Renate Schmidgall würden die wenigsten von uns Zagajewskis Poesie kennen, damit hätten wir vieles versäumt, und zudem bietet Schmidgalls Deutsch einen Genuss, denn es ist von gedanklicher Klarheit, bildlicher Präzision und einer Haltung der Ruhe bestimmt.“

  • Adam Zagajewski, Das wahre Leben. Gedichte. (aus dem Polnischen von Renate Schmidgall; Hanser Verlag)

„Eigentum am Lebenslauf“: Wytske Versteeg erzählt in ihrem Roman Die goldene Stunde von drei Menschen auf der Flucht. „Reizvoll ist Die goldene Stunde in den dramatischen Passagen, den Schilderungen der gefährlichen ­Momente im Krieg, die vor allem in der Erzählung des jungen Ahmad deutlich werden.“

  • Wytske Versteeg, Die goldene Stunde. Roman. (aus dem Niederländischen von Christiane Burkhardt; Verlag Klaus Wagenbach)

„Außen Freund, innen Feind?“: Wie judenfeindlich war Johann Wolfgang von Goethe? W. Daniel Wilson hat alle Quellen geprüft – und liefert eine Antwort. „Der amerikanische Germanist W. Daniel Wilson, als detektivischer und sehr kritischer Goethe-Forscher seit Jahrzehnten bekannt, hat nun alle Quellen zu Goethes Verhältnis zu den Juden seiner Zeit, darunter etliche Archivfunde, gesammelt und ausführlich in die Kontexte eingeordnet.“

  • W. Daniel Wilson, Goethe und die Juden. Faszination und Feindschaft. (Verlag C. H. Beck)

„Kindsein in Kärnten“: Julia Josts Debütroman ist eine gruselige, witzige und politisch klarsichtige, insofern typisch österreichische Dorfgeschichte. „Wo der spitzteste Zahn der Karawanken … verästelt sich stark, manchmal scheinen die Familien- und sonstigen Gratschbacher Geschichten so auf die Erzählerin einzustürmen, dass es unübersichtlich wird. Konfusion mit Methode aber, in sich immer wieder geschlossen.“
  • Julia Jost, Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht. Roman. (Suhrkamp)
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