Danach fragen Kunden Umgeblättert heute: „In einem Rutsch lesbar“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Die Mutter war der Bazillus in seiner Lebensspeise“: Die Mutter war der Bazillus in seiner Lebensspeise: Gunnar Deckers Biographie des Dichters Rainer Maria Rilke wirkt oft besserwisserisch, lohnt aber dennoch die Lektüre. “ Von ‚Wendepunkten und Widersprüchen in Rilkes Leben‘ will Gunnar Decker in seiner Biographie des Dichters erzählen. In den beiden Kapiteln über die Entstehung der ‚Sonette‘, den Abschluss der ‚Elegien‘ und die Mitgiftverhandlungen mit Kippenberg gelingt ihm das beispielhaft (…). An vielen anderen Stellen dieses Sechshundert-Seiten-Buchs indessen wirken Deckers Kommentare zu Rilkes Lebenswandel besserwisserisch, manchmal auch überheblich.“

  • Gunnar Decker, Rilke, der ferne Magier. Eine Biographie. (Siedler Verlag)

„Den Hund erschießen?“: Die amerikanische Autorin Susan Glaspell hatte ein großes Talent, soziale Ungerechtigkeit dramatisch zu schildern – sie könnte als Vorläuferin John Steinbecks gelten, geriet aber in Vergessenheit. Ihre frühen Erzählungen erscheinen nun erstmals auf Deutsch. „Susan Glaspell erweist sich in diesen Geschichten vielleicht nicht als große Stilistin – aber sie hat ein gutes Händchen für die dramatisierende Darstellung sozialer Ungerechtigkeit. In dieser Hinsicht kann sie als Vorläuferin John Steinbecks gelten, der wenig später die Nöte der Arbeiter und die Dramatik von Gewerkschaftsbildung, Streik und Kampf ins Zentrum seiner äußerst erfolgreichen Literatur stellte.“

  • Susan Glaspell, Die Rose im Sand. Erzählungen. (aus dem Amerikanischen und Nachwort von Henning Bochert; Dörlemann Verlag)

„Als Minutenritter der Sprache“: Auf der Suche nach der schönsten Abschweifung: Eine Auswahl journalistischer Arbeiten von Péter Esterházy in dem Band Das Leichte, das Schwere, der Lärm, die Stille. „Eindrucksvoll und unterhaltsam sind seine Texte, wenn er von persönlichen Erfahrungen ausgeht. Er schildert eine Begegnung mit Bohumil Hrabal in Paris und beschreibt, wie er für Dürrenmatt als Dolmetscher auf einem Kongress tätig war. Unauffällig versucht Esterházy, in ausländischen Buchhandlungen zwischen den Buchstaben E und F die eigenen Werke zu finden. (…) Ein großer Teil des Bandes ist politischen Themen gewidmet. Dabei handelt es sich oft um Artikel, in denen Esterházy den gesellschaftlichen Umbruch in Un­garn und Europa um 1990 kommentiert.“

  • Péter Esterházy, „Das Leichte, das Schwere, der Lärm, die Stille“. Essays 1985–2015. (ausgewählt und aus dem Ungarischen von Heike Flemming; Schöffling & Co.)

heute nichts

„Möge Expeditus ihm helfen“: Dringliche Angelegenheiten, ein rabenschwarzer Roman der Argentinierin Paula Rodríguez. „Dringliche Angelegenheiten von der 1968 geborenen, in Buenos Aires lebenden Paula Rodríguez ist, obwohl es die ‚lebende Legende‘ Domínguez darin gibt, beileibe kein traditioneller Kriminalroman. (…) Es ist ein schneller, knapper, in Mini-Kapitel unterteilter Roman, in einem Rutsch lesbar. Einer, der nicht gerade viel Rücksicht auf seine Figuren nimmt, der sie (…) ziemlich hilflos und manchmal albern durchs Leben tappen lässt.“

  • Paula Rodríguez, Dringliche Angelegenheiten. Roman. (a. d. Span. von Peter Kultzen; Unionsverlag)
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