Literatur über den Islam und über Prophezeihungen sind nach den Terroranschlägen in den USA gefragter denn je. Händler melden leere Lager und Lieferengpässe. Ein Renner ist Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“, großes Interesse besteht auch an Koran-Ausgaben, Sachbüchern über die Weltreligionen und populärwissenschaftlicher Islam-Literatur.
Lieferzeiten bis zu zwei Wochen sind keine Seltenheit mehr. „Die Kunden versuchen, sich das Denken der islamischen Welt zu erschließen. Sie wollen verstehen, was in New York und Washington geschehen ist“, sagt Barbara Hüppe, Pressesprecherin des Kulturkaufhauses Dussmann in Berlin. In der Mayerschen Buchhandlung in Duisburg fragt seit dem 11. September jeder dritte Kunde nach Islam-Literatur. In Hannover wollte die Buchhändlerin Stefanie Atzpodin bei Sachse und Heinemann einen Sondertisch mit Büchern über die islamische Welt einrichten. Als sie den Tisch organisiert hatte, waren fast alle Werke vergriffen. „Der Huntington ging weg wie warme Würstchen“, berichtet sie. Die Thalia-Buchhandlung in Hamburg kam mit dem Verkauf von Koran-Ausgaben nicht mehr nach. „Da war am Donnerstag nach dem Anschlag alles weg, sogar die zweisprachigen Ausgaben auf Arabisch und Deutsch“, sagt Buchhändlerin Anja Lauf. Der Großhandel könne die Bücher gar nicht so schnell heranschaffen, wie sie verlangt würden. „Es ist offensichtlich, dass sich die Leute erstmals richtig mit dem Thema auseinander setzen wollen“, ergänzt ihr Kollege Meinolf Meier.
In München hat der Heyne Verlag bereits auf den Bedarf reagiert. Der Koran wird zurzeit als Taschenbuchausgabe nachgedruckt. Bei dtv häufen sich die Anfragen nach dem Sachbuch „Der Atem Allahs“ von Bernard Lewis. Gefragt sei aber auch Tom Clancys Thriller „Befehl von oben“. Darin schildert der Autor einen Flugzeugangriff auf das Capitol in Washington.
Auch in Ostdeutschland ist die Nachfrage nach Fachliteratur über den Islam deutlich angestiegen. Besonderes Interesse registrierte die Buch und Kunst GmbH in Großstädten wie Halle oder Dresden. „Da die Themen im Fernsehen oft nur angerissen werden, wollen die Leute das ausführlich nachlesen“, analysiert Geschäftsführer Tom Kirsch. In Leipzig ist nicht nur Expertenwissen gefragt. „Bild-Kalender über New York gehen überdurchschnittlich gut weg“, sagt Elke Meißner von der Franz-Mehring Buchhandlung. In Süddeutschland sind die Leserwünsche sehr speziell: In der Uni-Buchhandlung Karlsruhe verkaufen sich die Titel des Wissenschaftlers Bassam Tibi besonders gut. In Tübingen wünschen die Kunden der Osianderschen Buchhandlung den Gegenentwurf zu Huntington: Harald Müllers „Das Zusammenleben der Kulturen“. In der Ulmer Münsterbuchhandlung war der „Kultur-Knigge für Nicht-Muslime“ gefragt, ein Leitfaden für Geschäftsleute. Münchner Leser fragten vor allem nach Literatur über Terrorismus.
Nostradamus ist überall im Lande zur beliebten Lektüre geworden. „Die Leute wollen wohl nachschauen, ob er die Terroranschläge vorausgesagt hat“, mutmaßt Holger Kreuzberg, Buchhändler in der Dortmunder Traditionsbuchhandlung Krüger. Nach schlimmen Ereignissen steige die Nostradamus-Nachfrage immer an. „Besonders junge Männer interessieren sich dafür“, ist Buchhändlerin Petra Cornelius bei Hugendubel in Leipzig aufgefallen. Eine Hamburger Kollegin erklärt sich die Nachfrage schlicht mit „Angst vor der Zukunft“.