Zum Thema „Branchenmarketing“ und zum Interview mit Dr. Andreas Selling in der Januar-Ausgabe des BuchMarktes („50 Euro für 30 Minuten“) erreichte uns folgende Stellungnahme von Buchhändlerin Heike Porter, die wir hier zur Diskussion stellen:
In letzter Zeit gab es viele Berichte und viel Gerede über:
1. Preise von Büchern
2. Werbung mit Preisvergleich
3. Bücher lesen
4. Branchenmarketing
Immer wieder wird über diese Punkte geredet, aber meiner Meinung nach immer am Thema vorbei. Deshalb möchte ich gerne einmal meine Meinung (und zumindest zum Teil auch die meiner Kolleginnen) darstellen.
Zu 1. Preise von Büchern
Es gibt in der Tat jede Menge Bücher, die zu teuer sind, aber auch einige, die ihren Preis wert sind. Wichtig ist, dass der Kunde einsieht, warum ein Buch teuer ist. Für ein gutes Buch ist der Kunde bereit, etwas auszugeben.
Was momentan die Situation erschwert, besonders für uns Buchhändler, ist die rasche Verramschung. Warum soll jemand 20 Euro und mehr für ein ein Buch bezahlen, wenn es in 6 Monaten für 9,90 € zu bekommen ist?
Verlage sollten nur Bücher gebunden auf den Markt bringen, die auch mindestens 18 Monate zu einem festen Preis zu bekommen sind (keine Sonderausgaben, Clubausgaben, Reader, Taschenbuchausgaben etc.). Diogenes mit den Titeln Coehlo, Der Alchimist und Süskind, Das Parfüm macht doch vor, dass das geht.
Natürlich ist ein austauschbarer Liebesroman oder Krimi damit nicht vergleichbar, aber warum muss ein solches Buch dann überhaupt gebunden erscheinen? Wenn nur wirklich gute Bücher gebunden verlegt würden, würde das auch die maßlose Titelflut eindämmen, und der Kunde käme sich nicht länger „verarscht“ vor.
Also: Für ein besonderes Buch – gut(z.B.: Coehlo), aktuell(Scholl-Latour) oder „in“(Bohlen) ist der Kunde bereit, einen höheren Preis zu bezahlen, aber einen großen Teil der gebundenen Bücher kann man sich schenken – die Taschenbuchausgabe reicht da völlig aus.
Zu 2. Werbung mit Preisvergleich
Die Werbung, bei der man den Preis des Buches mit einem Musicalbesuch oder ähnlichem vergleicht, trifft nicht den Punkt. Menschen gehen nicht jede Woche ins Musical, aber sie sollten wenn möglich jede Woche ein Buch lesen (nicht unmöglich!)
zu 3. Bücher lesen
4 Millionen Menschen weniger lesen überhaupt noch Bücher!
Das ist doch eigentlich DIE alarmierende Nachricht für unsere Branche. Wir müssen die Menschen von den konkurrierenden Medien zurückgewinnen – besonders die Kinder. Das sollte die gemeinsame Aufgabe der Branche und des Staates sein: Menschen wieder zu Lesern machen!
Die Konkurrenz für das Buch sind Fernsehen, Computerspiele, Play-Station, Nintendo, Gameboy und Internet. Daneben muss das Buch als Geschenkartikel wieder an Wert gewinnen. Man muss zeigen, dass das Buch als Informationsgeber immer noch Spitze ist. Und besonders wichtig: Das Buch hilft den Menschen eine stärkere Persönlichkeit zu entwickeln.
Zu 4: Branchenmarketing
Ich habe schon vor 2 Jahren , als der erste Versuch des Branchenmarketings fehlschlug, einen Alternativvorschlag vorgestellt. Aber trotz anfänglicher positiver Beurteilung wurde das Konzept nirgendwo öffentlich vorgestellt.
Die meisten großen Verlage verdienen schließlich nicht schlecht an allen möglichen und unmöglichen CD-ROMs, Spielen und und und…
Da ist es doch eigentlich nicht verwunderlich, dass man das Buch gar nicht wirklich fördern will!!
Wer will schließlich informierte, kritische Kunden statt eine Masse paralysierter Freaks ? Doch nur noch ein paar kleine Buchhändler und standhafte Verleger.
Heike Porter