Und noch mehr sparen! Denn das ist ja der offizielle Grund, warum die Frankfurter Buchmesse überlegt, ihr jährliches Fest der Branchen-Eitelkeiten nach München zu verlegen. „Mit den Eitelkeiten“, dachte der dumme Mann, „würden die Münchner bestimmt zurecht kommen, das passt gut … aber mit dem Geld, den Kosten?“ Leipzig, ginge auch, die haben ja schon geübt und Erfahrungen gesammelt, oder vielleicht Hamburg, wegen der Möglichkeit auf der Alster Hotelbetten-Schiffe mitzubenutzen (billig!), und warum eigentlich nicht Berlin, natürlich Berlin, die Hauptstadt?
Der dumme Mann schüttelte den Kopf. Das konnte es ja alles nicht sein. Müsste Volker Neumann, der nun nicht mehr ganz so neue Chef der Buchmesse, da nicht viel radikaler und weitreichender rangehen? Für seine öffentlichkeitswirksamen Ideen war Neumann ja bekannt, auch sein Liebäugeln mit München war nachvollziehbaren, nach so vielen Jahren im Dienst von Bertelsmann. „Aber alleine mit liebäugeln lässt sich kein Geld sparen“, grummelte der dumme Mann. Immerhin ging es hier ums Sparen, Kosten senken, Mäuse übrig behalten, Kasse füllen. Das ist und war eine ernste Sache! Da durfte vor nichts und niemanden zurückgeschreckt werden.
„Mal nachdenken“, sagte sich der dumme Mann, „muss die Buchmesse denn wirklich im Oktober stattfinden?“ Wie wärs denn im Sommer, da ist es schön warm und irgendeine billige grüne Wiese für die Zelte würde sich bestimmt finden lassen. Urlaub wird gespart, Hallenkosten entfallen, Übernachtungen in Mannschaftszelten und Verpflegung aus der Gulaschkanone. Lagerfeuerromatik gab’s schon immer gratis. Beleuchtungs-, Teppichboden-, Dekorations-Kosten, alles eingespart. Und der Buchhandel und die Verlage könnten sich endlich den ganzen Oktober über aufs Verkaufen konzentrieren und nicht die eh schon dünne Personaldecke durch die Besuche der Frankfurter Buchmesse strapazieren. „Radikal, aber genial“, fand der dumme Mann. Vielleicht ließe sich auch eine Vereinbarung mit einer Stadt wie Wuppertal, Duisburg, Dortmund oder Essen über die kostenlose Nutzung der Grünflächen zwischen den Autobahnen oder der ehemaligen Kohlezechengeländen treffen?
„Kohlezechen… nun ja“, murmelte der dumme Mann und steckte sich eine Zigarette an. Schon ein bisschen heftig, vielleicht, aber es durfte nichts unversucht bleiben, in diesen harten Zeiten. „Und die Kohlezechen könnten sogar im Oktober benutzt werden.“ Auch die Idee mit Kiel, Saarbrücken, Dresden, Gießen, Köln, Mettmann oder Ennepetal über die sinnvolle und kostengünstige Integration der Buchmesse in die Speckgürtel-Peripherie-Baumarkt-Areale der jeweiligen Stadt zu sprechen war nicht so einfach von der Hand zu weisen. Unter Kostengesichtspunkten. Der dumme Mann stutzte einen Moment: „Worum ging es hier eigentlich? Frankfurt-München? Hm…“ Hatte er da was nicht mitbekommen oder gar durcheinander gebracht? Nein, nein! Dann fiel es dem dummen Mann wieder ein: Es ging ums Sparen.
DER DUMME MANN







