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London Book Fair: Der Branchentreff an der Themse – ein Kurzbericht

Volker Neumann flog am Samstag mit der 10.20-Uhr-Maschine von München nach London. Der Chef der Frankfurter Buchmesse war auf dem Weg zur kleineren Konkurrenzveranstaltung, der London Book Fair, die am Sonntag, pünktlich um 9 Uhr ihre Tore öffnete. An drei Tagen waren auf dieser Fachmesse über 1500 Aussteller präsent, und es wurden mehr als 20 000 Fachbesucher erwartet. Das London Olympia, ein imposanter viktorianischer Hallenbau aus Glas und Stahl, stand an diesen Tagen unter dem Motto „It’s time to talk business“.
Das Geschäft ging allerdings wie erwartet verhalten. Viele ausländischen Verlage zeigten sich darüber hinaus zunehmend verunsichert über die deutsche Verlagslandschaft – die Aufkäufe, die Zusammenschlüsse und Insolvenzen. Man verliert leicht den Überblick, meinte ein englischer Verleger. Die Gesprächspartner von gestern waren oft von einem zum anderen Tag verschwunden – man wusste nicht mehr, an wen man sich wenden sollte.

Die meisten ausländischen Verlage beklagten darüber hinaus das dramatisch zurückgehende Lizenzgeschäft mit den deutschen Verlagen; Partner, die früher mutig 10 000 und mehr Bücher geordert hatten, trauten sich heute oft gerade mal 3 000 bis 5 000 zu, und das nur bei absolut gängiger Ware. Verlegerisch risikantere, innovative Projekte fielen da in der Regel durch. Doch Konsumzurückhaltung ist auch auf den eigenen Märkten zu spüren. Die Messe zeigte sich alles in allem also verhalten optimistisch, mit dem Schwerpunkt auf soliden Ideen, ohne große Überraschungen. Trotzdem wird die Frühjahrsmesse von vielen deutschen Besuchern zur Vorbereitung und Anbahnung von neuen Deals genutzt.

Die Gespräche von Volker Neumann hatten sicherlich da und dort auch die Frankfurter Buchmesse zum Thema. Frankfurt oder München – dass in Deutschland darüber eine Debatte geführt wird, war den meisten ausländischen Partnern allerdings nicht bekannt. Doch darauf angesprochen zeigten sich viele von der Option München ausgesprochen begeistert.

Klagen gehören wohl zum Geschäft, Beschwerden über die exorbitanten Hotelpreise waren häufig zu hören. Man fühle sich in Frankfurt regelrecht „ausgenommen“, bemerkte ein australischer Verleger. Es gab aber auch Stimmen pro Frankfurt – für langjährige Messeteilnehmer ist es ja inzwischen ein Heimspiel: Man kennt die Wege, die Restaurants, die Hotels, so die Leiterin der Lizenzabteilung eines englischen Verlags. Deutsche Besucher der Messe, darunter Dr. Edmund Jacoby von Gerstenberg, votierten im Allgemeinen zwar auch für die Mainmetropole, begrüßten aber dennoch die Diskussion, da dadurch Druck auf die Preise ausgeübt werde.

Deshalb erwartet man wohl deutliche Signale aus Deutschland – die erhöhten neuen Standgebühren sind da sicherlich eher kontraproduktiv. Volker Neumann und die gastgebende Stadt – welche auch immer – mit ihren Institutionen sind gefordert. Frankfurt mag von der Seite der Standgebühren noch immer günstiger sein als manche andere Messe, aber es zählt am Ende nur der Betrag, der unter dem Strich steht.

In einer Zeit, in der das Lizenzgeschäft schwächelt und der Rotstift regiert, werden vermutlich manche ausländischen Verlage im März noch nach London kommen, aber im Oktober zu Hause bleiben – die Institution „Frankfurt“ könnte ärmer werden.

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