In der neu aufgefallmten Diskussion (s. unsere gestrige Meldung) um einen neuen Buchmessestandort hat sich jetzt auch Aufbau Verleger Bernd F. Lunkewitz mit einem offenen Brief an den Börsenverein gemeldet, dessen Worlaut wir hier ungekürzt veröffentlichen:
Auf der Tagung der AG Publikumsverlage im Januar dieses Jahres berichtete Volker Neumann über die neue Konzeption der Frankfurter Buchmesse. Er begann diesen Bericht mit der harmlosen rhetorischen Frage, ob jemand im Saal der Meinung sei, die Buchmesse könne grundsätzlich nur in Frankfurt stattfinden. Stille im Saal.
So abstrakt gefragt widersprach niemand, denn die Anwesenden konnten sich nicht vorstellen, dass die wertvolle Tradition dieser internationalen Messe leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden könnte.
Erst gegen Schluss seines Vortrags über die neue Messestruktur kam wieder die Standortfrage. In der folgenden kurzen Diskussion sagte ich, es sei kaum nachvollziehbar, erst die Qualitätsmarke „Frankfurter Buchmesse“ zu etablieren, um sie dann in München durchzuführen. Gerade weil München so viele Verlage habe, müssten diese den anderen Verlagen ein Stück des Weges, eben nach Frankfurt, entgegenkommen. Es sei also in Ordnung, den Frankfurtern „die Folterinstrumente zu zeigen“, dann aber müsse in den Verhandlungen ein positives Ergebnis für den Standort Frankfurt erreicht werden. Daraufhin schließlich erklärte Herr Schormann, „über die Messe entscheidet der Börsenverein in seinem gewählten Vorstand, nicht die Messegesellschaft“ und erhielt den Beifall aller Teilnehmer der Tagung. Mit diesem Verhandlungsmandat wurde das Thema abgeschlossen.
Erst Tage später, verursacht durch die etwas polternde Art einiger Beteiligter, kam es zu den aufgeregten Reaktionen in Frankfurt, München und anderen Städten.
Die „Offenen Briefe“ der Frankfurter und der Münchner Lokalpatrioten sind zwar verständlich, aber in der Sache kaum hilfreich. Der Vorstand des Börsenvereins hat nicht die nur Lokalinteressen einiger Verlage in welcher Stadt auch immer, sondern die Interessen aller deutschen Verlage – und auch die der deutschen Buchhändler – zu beachten, die bekanntlich flächendeckend im Land angesiedelt sind und für die seit alters her der Weg nach Frankfurt im Durchschnitt der kürzeste Weg ist. Das wird wahrscheinlich auch auf die meisten unserer ausländischen Kollegen zutreffen, die den zentralen Flughafen Frankfurt nutzen.
Die ökonomischen Rahmenbedingungen der wichtigsten Messe unsere Branche und die sonstigen gemeinsamen Interessen aller Mitglieder des Börsenvereins müssen optimal gestaltet werden, daran besteht kein Zweifel. Ich bin sicher, dass dies auch und gerade in Frankfurt erreicht und damit das Altbewährte gesichert werden kann. Wer jetzt aus lokalem Interesse die Kompetenz unserer eigenen Institutionen und gewählten Gremien öffentlich anzweifelt oder gar bestreitet und deshalb sogar seine Teilnahme an der Messe in Frage stellt, schädigt unsere gemeinsame Sache. Die „Frankfurter Buchmesse“ darf nicht zu einer Random Veranstaltung werden, obwohl wir alle wissen: Auch „München liest“.
Bernd F. Lunkewitz
Aufbau-Verlag, Berlin