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„Verboten und verbrannt“ eröffnet

Seit gestern ist die Ausstellung „Verboten und verbrannt“ – eine Sonderausstellung von DER CLUB BERTELSMANN in der Stadtbibliothek Wiedenbrück aus Anlass des 70. Jahrestages der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen 1933 zu sehen page 8120). Der neue Club-Programmchef Peter Schaper (2.v.r.) eröffnete die Sonderausstellung im Namen von Bertelsmann. Buchhändler, Antiquar und Sammler Claus Friedrich (l.) erläuterte seine Motive und die Sammlungsgeschichte. Weitere Vortragende zu Eröffnung: Dr. Rüdiger Krüger (r.), Direktor der VHS, und Bibliotheksleiterin Julia Bultmann. (2.v.l.)
Der Club Bertelsmann erinnert an die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen vor 70 Jahren und präsentiert zusammen mit der Volkshochschule Reckenberg-Ems sowie der Stadtbibliothek Wiedenbrück bis zum 24. Mai mehr als 60 Erstausgaben der damals verbrannten Titel. Die Ausstellung ist am Kirchplatz 2 kostenfrei zu besichtigen.
Die Nationalsozialisten inszenierten am Abend des 10. Mai 1933 mit Hilfe der „Deutschen Studentenschaft“ unter dem Motto „Wider dem undeutschen Geist“ die folgenschwersten Bücherverbrennungen der deutschen Geschichte. Landesweit wurden an diesem Tag in Berlin und vielen Universitätsstädten „undeutsche und volksschädliche“ Werke von jüdischen, marxistischen oder pazifistischen Autoren vernichtet. Zu den von der Bücherverbrennung betroffenen Schriftstellern gehörten unter anderem Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Franz Kafka, Erich Kästner, Heinrich und Thomas Mann, Karl Marx, Erich Maria Remarque oder Stefan Zweig. Die Liste umfasst insgesamt 131 Autoren, deren Werke sofort aus Bibliotheken und Buchhandlungen entfernt werden mussten.
Diese straff organisierten und inszenierten Bücherverbrennungen bildeten den Auftakt zur Vertreibung und Verfolgung unzähliger Repräsentanten der deutschen und deutschsprachigen Kultur.
Der Sammler Claus Friedrich aus Niedernhausen hat in über 25 Jahren mehr als 250 Originalausgaben von Autoren zusammengetragen, die während der Nazizeit inhaftiert, umgebracht oder ins Exil gezwungen wurden. Eine Auswahl dieser Originalwerke ist in der Sonderausstellung „Verboten und verbrannt“ zusammengestellt, die erstmals in NRW zu sehen ist. Friedrich sieht in seiner Sammlerleidenschaft auch eine Selbstverpflichtung: „Ich möchte aufklären. Bis heute ist nicht vollständig aufgearbeitet, was am 10. Mai 1933 und danach passierte“.
Seine Bücher waren bereits im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen zu sehen, zuletzt im März während der Leipziger Buchmesse bei der vom Club Bertelsmann unterstützten Veranstaltung „Jüdischen Lebenswelten“.

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