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Offener Brief von Random House GF Dr. Jörg Pfuhl zum Kartellamtsverfahrten wg. Kauf Ullstein/Heyne/List Gruppe

Deser offene Brief von Dr. Joerg Pfuhl, Geschäftsführer Verlagsruppe Random House München, soll morgen als Anzeige erscheinen, wie uns Random House Sprecher Tim Arnold mitteilt. Seine Begründung: „Dieser außergewöhnliche Schritt ist als symbolische Geste in einer entscheidenden Phase des kartellrechtlichen Verfahrens zu verstehen, das unsere Anwälte zurzeit vor dem Bundeskartellamt in Bonn führen.“

Tim Arnold über die Ziele dieser Aktion: „Der Brief soll zeigen,
dass wir von unserer Argumentation mehr denn je überzeugt sind und mit Selbstvertrauen die Reaktion des Bundeskartellamts abwarten, dass wir die direkte und offene Kommunikation mit unseren Kollegen in der Branche suchen, dass wir uns an die Seite der Mehrheit der Verlage und Buchhandlungen stellen und uns nicht durch das Verfahren in einen Gegensatz zu ihnen bringen lassen, dass wir als Markführer Mitverantwortung für die Zukunft der gesamten Branche übernehmen und dass wir entschlossen sind, unsere Zahlen und Argumente nötigenfalls vor Gericht bestätigen zu lassen.

Hier der Text des offenen Briefes:

München, 15. Mai 2003 VERLAGSGRUPPE Betr. : Random House / Ullstein Heyne List

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in den vergangenen Wochen hat unsere Branche viel über die Zusammenführung der Verlagsgruppen Random House und Ullstein Heyne List spekuliert. Heute schreibe ich Ihnen direkt, um Sie über die wesentlichen Fakten und das laufende Kartellverfahren zu informieren.

Die Aufgabe des Bundeskartellamts besteht darin festzustellen, ob durch den Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung begründet wird. Dabei ist laut eines einschlägigen Gerichtsurteils der Markt aller Bücher relevant, die einem „allgemeinen Unterhaltungs- und Informationsbedürfnis“ dienen.

In diesem Urteil wurde dargelegt, dass aus Sicht der Konsumenten Taschenbücher mit anderen niedrigpreisigen Büchern wie Sonderausgaben und Titeln des Modernen Antiquariats einen einheitlichen Markt bilden. Bei weiter abnehmendem Preisabstand zwischen Taschenbuch und Hardcover sind außerdem auch Hardcover-Titel zu berücksichtigen. Wir alle im Verlagswesen und im Buchhandel haben diese vom Wettbewerb getriebene Dynamik in den letzten Jahren erlebt. Folglich müssen wir den deutschen Buchmarkt für allgemeine Literatur als Ganzes betrachten. Diese Sichtweise wird auch durch eine aktuelle GfK-Studie zum Kaufverhalten unterstützt.

Der kombinierte Marktanteil von Random House und Ullstein Heyne List wird in der Öffentlichkeit deutlich überschätzt – weil entweder von zu hohen Umsätzen (die zum Teil sogar Auslandsumsätze einschließen) oder zu engen Marktdefinitionen ausgegangen wird. Auf der Basis unserer Umsätze der letzten drei Jahre und den Marktdaten des Börsenvereins erreichen wir einen gemeinsamen Marktanteil von 11% im Markt für Publikumsverlage (14% unter Einbeziehung weiterer Bertelsmann-Verlagsaktivitäten). Bei einer Begrenzung der Marktdefinition auf niedrigpreisige Bücher beträgt der Marktanteil 21%, und selbst bei einer Begrenzung auf Taschenbücher – die wie gesagt nicht sachgerecht ist – würde der Marktanteil nur 27% betragen. Marktführer in anderen europäischen Ländern erreichen im Markt für allgemeine Literatur deutlich höhere Marktanteile.

Angesichts dieser Zahlen sind wir sehr zuversichtlich, das Bundeskartellamt in dem laufenden Verfahren davon überzeugen zu können, dass von einer marktbeherrschenden Stellung der Verlagsgruppe Random House keine Rede sein kann. Sollte das Bundeskartellamt aber entgegen den rechtlichen und wirtschaftlichen Tatsachen zu einem anders lautenden Beschluss kommen, werden wir auf jeden Fall eine gerichtliche Klärung herbeiführen. Ich bitte Sie für diese Entscheidung um Verständnis, auch wenn ich weiß, dass ein solches Gerichtsverfahren die gesamte Branche vorübergehend belasten und verunsichern kann.

Bertelsmann investiert in die Zukunft des deutschen Buchmarktes – das ist ein positives Signal für alle Marktteilnehmer. Random House wird sich weiterhin durch eine große Programmvielfalt in zahlreichen Einzelverlagen auszeichnen. Wir freuen uns auf einen unverändert lebendigen Wettbewerb und auf weiterhin gute Zusammenarbeit mit allen unseren Geschäftspartnern. Wir sind davon überzeugt, dass das deutschsprachige Buch als Kultur- und als Wirtschaftsgut eine aussichtsreiche Zukunft hat, und sind bereit, unseren Teil dazu beizutragen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Dr. Joerg Pfuhl
Geschäftsführer der Verlagsgruppe Random House
pfuhl@randomhouse.de

siehe zum Tehma auch [mehr…]

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