Frank Schmidtsdorff, bei Bertelsmann in Gütersloh für den Nebenmarkt-Einkauf zuständig, macht sich Sorgen über die Qualität gekürzter Hörbücher:
Zu dem zitierten Artikel [mehr…] möchte ich mich gerne äußern, weil ich auch einige Entwicklungen mit Sorge beobachte – dabei geht es aber ganz um die Qualität und dann im Zusammenhang auch um den Preis. Am Ende bin ich besorgt, ob man mit manchen dieser Produkte am Ende nicht den Markt zerstört, der sich gerade erst entwickelt, weil man dem Kunden wenig für viel Geld bietet.
Über die komplette Verlesung allerdings von neuen Romane und deren Wert auf dem Hörbuch kann man streiten, erst im zweiten Teil der Kritik kann ich folgen, wenn tatsächlich zentrale Passagen gerade nicht in der Hörfassung zu finden sind. Ich finde, viele der komplett verlesenen Bücher sollten überhaupt nicht oder eben gerade gekürzt auf die zentralen Passagen hin erscheinen.
Interessant wird das Hörbuch doch erst, wenn es gegenüber dem Buch oder zusätzlich zum Buch einen Mehrwert hat – gerade weil es gut gelesen ist, weil die Lesung inszeniert ist, weil man etwas hört, was man so nicht hat herauslesen können, weil eine Auswahl und eine Fokussierung stattgefunden hat. Lesungen sind in diesem Sinne Interpretationen und keine Marathon-Läufe. Ich wundere mich über den großen Mangel an Fantasie bei den Verlagen und den Mut, derartige Komplett-Lesungen dem Kunden einfach so vorzulegen.
Viele der komplett verlesenen Bücher sind so tatsächlich zu teuer, weil einfach schlecht und langweilig.
Mit freundlichem Gruß
Frank Schmidtsdorff