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Gerhard Beckmanns Meinung – Eine Erfolgsmeldung. Und was sie bedeutet

Des Jammerns und Klagens ist kein Ende, auch unter literarischen Agenten nicht, vor allem unter solchen, die deutschsprachige Autoren vertreten. Manche von ihnen haben 2002 bis zu 70 Prozent weniger neue Verträge abgeschlossen. Für etliche läuft es heuer nicht wesentlich besser.

Deshalb jetzt – endlich wieder mal – eine gute Nachricht.

Jüngst bin ich einer Agentin begegnet, die – völlig gegen den Trend – im vergangenen Jahr zugelegt hat und nach bisherigem Stand 2003 wiederum noch mehr Autoren und Bücher in Verlagen unterbringen wird.

Wie dieses? Bei neunzig Prozent ihrer Titel fallen bereits innerhalb von ein zwei Jahren nach Erscheinen Honorare aus dem Verkauf an – über die vertraglich garantierte Vorauszahlung hinaus. Das ist, erlauben Sie mir den Hinweis, geradezu sensationell. Bei anderen Agenturen holen die Honorarabrechnungen der Verlage das Niveau der Vorauszahlungen allzu oft über viele, viele Jahre, falls überhaupt, nicht ein.

„Da werden gewisse Kollegen aber sagen, Sie hätten zu niedrige Vorschüsse ausgehandelt“, warf ich ein.

Sie lachte. „Der Vorschuss muss auch bei mir stimmen. Das bin ich meinen Autoren schuldig. Die Höhe des Vorschusses ist aber nicht alles. Es kommt sogar vor, dass Verlagsleute von sich aus irre Summen anbieten, weil sie einen Autor und ein Buch unbedingt haben wollen. Ohne je darüber nachgedacht zu haben, ob er mit seinem Buch zu ihnen passt und ob sie wirklich in der Lage sind, es adäquat und profitabel auf den Markt zu bringen. Wenn’s dann ein Reinfall wird, gibt’s Heulen und Zähneklappern.“

Die Zahl deutschsprachiger Autoren, die wegen unbedachter, nie eingespielter Vorschüsse bei Verlagen tief in der Kreide stehen, wird langsam beunruhigend. Es kann für sie der Anfang vom Ende sein. Denn bleibt der Verkauf hinter den mit solchen Vorschüssen verbundenen, oft geradezu wahnwitzigen Erwartungen zurück, wird ein Autor sehr schnell zum Urheber von Flops abgestempelt – selbst wenn von seinem Werk 15.000 bis 30.000 Exemplare abgesetzt werden. Dann wird er im Verlag keine Lobby mehr haben, das heißt: Für sein nächstes Werk setzt sich dort niemand ein – falls es überhaupt noch angenommen bzw. publiziert wird. Die Fälle, dass ein Verlag sogar einen schon geschlossenen Buchvertrag annulliert und die Rechte selbst mit dem Verlust bereits gezahlter Vorschüsse wieder zurückgibt, häufen sich.

Für einen Autor, der als Flopper gilt, lässt sich aber in schwierigen Zeiten ein neuer Verlag so leicht nicht finden. Und im übrigen können Literaturagenten, die von sich aus tendenziell überhöhte Vorschüsse fordern, ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen – was letztendlich deren Autoren auszubaden haben. Von denen lässt mancher Verlag dann lieber gleich die Finger.

So etwas stellt insbesondere für jüngere Schriftsteller eine Gefahr dar – eine wachsende Zahl können ihre Karriere abschreiben, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat.

„Autoren müssen aufgebaut werden“, sagt diese Agentin. „Das braucht Zeit. Vor allem aber muss ein Autor mit seinem Thema in einem für ihn richtigen Verlag platziert werden. In einem Verlag, der wirklich zu ihm steht und ihn damit zum Erfolg führen kann und auf diesen Erfolg aufbaut.“

Wie hieß doch der schöne alte Zukunft stiftende Wahrsatz? „Die besten Geschäfte sind die, bei denen hinterher alle Parteien glücklich und zufrieden sind.

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