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Gerhard Beckmanns Meinung – Was wird nun aus dem Siedler Verlag?

Nun wird also, gemäss gestriger Pressemitteilung von Random House Deutschland – die Mitarbeiter erfuhren es zeitgleich – der Siedler Verlag von Berlin nach München umgesiedelt. Damit ist zunächst mal eine Unsicherheit ausgeräumt

Denn die Frage, wo Siedler bleibe, ist akut, seit Arnulf Conradi den von ihm gegründeten Berlin Verlag im Frühling dieses Jahres von Random House zurückkaufte. Conradi war ja seit 1998 – in Personalunion – auch Verleger von Siedler, und die beiden Verlage residierten unter einem Dach. Letzteres war wohl spätestens ab dem Zeitpunkt auf Dauer unmöglich, da die Londoner Bloomsbury-Gruppe den Berlin Verlag von Conradi übernahm.

Statt für Siedler ein neues Domizil in der deutschen Hauptstadt zu suchen, hat Random House sich entschieden, den Verlag nach München zu holen. Die angegebenen Gründe sind klar: Damit haben alle Publikumsverlage von Random House Deutschland nur mehr einen Standort – es erleichtert die Programm-Kommunikation mit Klaus Eck, dem obersten Verleger der Gruppe, es steigert die Effizienz der Zusammenarbeit mit Marketing, Vertrieb und Werbung (die in München tätig sind), schafft Synergie, reduziert Kosten…Okay.

„Wir werden das Lebenswerk von Wolf Jobst Siedler bewahren und fortsetzen“ und die „einzigartige Identität“ des Verlages „bewahren“, verspricht Klaus Eck.

Wunderbar. Und daran täten die Random House-Leute auch im eigenen Interesse gut; denn ohne solch „einzigartige Identität“ ist ein Verlag wie Siedler nicht viel wert.

„Der Siedler Verlag wird von den hervorragenden Arbeitsbedingungen am Medienstandort München profitieren“, sagt er weiter.

Nun ja… So schlecht können die Arbeitsbedingungen am Medienstandort Berlin – siehe eine ganze Reihe medialer Supererfolge für das Programm des Hauses seit 1980 – doch nicht gewesen sein. Schwer einsehbar, wieso der Siedler Verlag in diesem Punkt von München profitieren soll.

Zur „einzigartigen Identität“, die bewahrt werden soll, „gehört auch eine besondere Beziehung zur Bundeshauptstadt Berlin“.

Da wird’s schon etwas heikel. Diese „besondere Beziehung zur Bundeshauptstadt Berlin“ ist, pardon, von München aus doch eher schwer zu pflegen. Zumal Siedler – und das war gewiss kein Erfolgszufall – wenigstens in seinen Glanzjahren ein vorrangiger, wenn nicht gar der politisch bedeutsamste Programmverlag eben von Berlin war.

In dem entscheidendsten Punkt aber gibt die Pressemitteilung von Random House leider keine Auskunft. Die Verlegerei ist, wie sattsam bekannt, ein „people business“. Was ist also mit den „people“?

Den bisherigen – fünf – Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist dem Vernehmen nach, wie es sich gehört, das Angebot gemacht worden, nach München mitzukommen. Ob sie es annehmen werden, ist nicht bekannt. (Die Mitarbeiter werden es selber noch nicht wissen: Sie sind ja erst vor wenigen Stunden vor die Frage gestellt worden.)

Bei all solchen Umsiedlungen ist die Gefahr sehr groß, dass die – in diesem Falle exzellente – eingespielte Truppe auseinander gerissen wird, weil der bzw. die eine und andere, und sei es aus persönlichen Gründen, nicht mitumziehen will oder kann. Und was dann? Die Identität eines Verlages besteht auch in dem Team von Mitarbeitern, das ein Programm und seine „Veröffentlichung“ trägt.

Schlussendlich, die allerwichtigste Frage: Wer wird bei Siedler der Verlagsleiter oder Verleger sein? Angeblich – es ist offiziell nicht bestätigt, weder in München noch in Berlin war am Nachmittag Näheres zu erfahren – ist diese Stelle Thomas Sparr, dem bisherigen Cheflektor, offeriert worden. Er ist ein hervorragender Lektor. Wird er annehmen? Und wenn nicht?

Ohne die Klärung dieser Fragen – insbesondere der letzten – sind alle Versprechungen ohne Grund und Boden. Hier hätte man sich daher eine Antwort gewünscht. Zeit wäre eigentlich genug gewesen. Vielleicht war es ja tatsächlich unmöglich. Dann sollten wir aber, bitte, sehr bald eine Antwort erhalten. Damit wir den Versprechungen, die mit der Bekanntgabe des Umzugs gemacht werden, glauben können. Was wir nur zu gern möchten.

Weil Siedler ein wichtiger Verlag ist.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de

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