Er kann fliegen, zaubern, neuerdings sogar küssen. Wird bei Härry Bodd’r nu ooch noch säggs’sch geschbroch’n? – Die Gefahr besteht, schreibt Jürgen Kleindienst in der LVZ. Während der Carlsen Verlag immer noch über der offiziellen Übersetzung schwitzt, plant Bernd Koeleman, Macher des Internet-Übersetzungsforums „Harry-auf-Deutsch“, den nächsten Streich. Nicht der begabte Brillenträger, aber zwei Hauptfiguren sollen mundarteln – eine sächsisch, eine berlinerisch. Ein Horror für Puristen, ein Riesenspaß für den Rest der Gemeinde. „Wir suchen Potter-Fans, die Sächsisch als Dialekt beherrschen“, heißt es auf der Webseite.
Wie berichtet, ist Band fünf im Internet bereits mehrere Dutzend Mal ins Deutsche übertragen worden. Zur Zeit arbeiten die Hobby-Lektoren an der ersten Edition, die Schritt für Schritt ins Netz gestellt wird. Allerdings aus Gründen des Urheberschutzrechts nur für die, die bei dem Mammut-Projekt mitgemacht haben. Inzwischen sind es über 22 000, und die kreativ-verrückte Eigendynamik hat das Potter-Universum längst um zahllose neue Geschichten erweitert. Ganz eigene Storys sind entstanden. Regale würden die Werke füllen, finge man die Energie zwischen Buchdeckeln ein.
Die offizielle Übersetzung des 766-Seiten-Wälzers von Joanne K. Rowling ist ab 8. November im Buchhandel zu haben. Über zwei Monate vorher soll das virtuelle Dialekt-Projekt starten. Zunächst sind es zwei Figuren aus dem Welt-Bestseller, die vom Hochdeutschen abfallen. Per Mausklick können die Besucher der Seite abstimmen, wen es treffen soll. Favorit für den Berliner Slang: Rubeus Hagrid, gutmütig-trinkfester Wildhüter des Zauberinternats Hogwarts. Sächsisch, auf den westdeutschen Bühnen eher für Dumpfbacken vorgesehen, wird wahrscheinlich auch im Potter-Roman nicht von einer Lichtgestalt gesprochen: Professor Dolores Umbridge, Lehrerin der dunklen Künste mit Inquisitor-Attitüde und dem Charme einer Parteisekretärin ist in der engeren Wahl.
„Interessenten können sich per Email an eulenpost@.harry-auf-deutsch.de wenden. Wir stellen dann einen kleinen Übersetzerzirkel zusammen“, erklärt Bernd Koeleman. In drei Wochen, schätzt der Berliner, dürfte die Sache fertig sein. Schon bei der Arbeit am vierten Teil hätten einige der Leute mit Dialekten gespielt. „Das ging natürlich nicht, ich habe mich aber köstlich amüsiert“, erzählt der 45-Jährige. Nicht ausgeschlossen, dass auf Hogwarts bald auch Schwäbisch, Hessisch und Bayerisch palavert wird.
Einziger Haken an dem Projekt: Auch der Sachsen-Harry ist nur für die zu haben, die mitmachen. Im Buchladen wird lediglich hochdeutsch gezaubert. Doch vielleicht gibt Rowling irgendwann doch ihren Segen. Die Engländerin ist nicht nur fantasievoll, sondern gilt auch als überaus geschäftstüchtig …
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