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Gerhard Beckmanns Meinung – Fritz Panzer aus Wien hat Positives zu berichten. Das betrifft auch Deutschland

Nachdem ich vor wenigen Wochen erst monierte, dass die Verlage – außer wenn sie meinen, dass Erfolgsmeldungen zu einzelnen Autoren und Titeln, falls an die große Glocke gehängt, den Verkauf fördern – gute Nachrichten lieber für sich behalten als verbreiten, scheint es notwendig (und fair), darauf hinzuweisen, wenn einer ein positives Lied anstimmt.

Das hat jetzt Fritz Panzer, der Geschäftsführer und Verleger von Ueberreuter, in einem Interview getan, das er der bürgerlichen Wiener Zeitung Die Presse gab.

Es ist einen Kommentar wert. Denn Ueberreuter zählt immerhin „zu den 100 größten deutschsprachigen Verlagen“, „auch wenn wir am unteren Rand der Skala sind“, wie Fritz Panzer gleich bescheiden einräumt. Es ist Österreichs größter unabhängiger privatwirtschaftlicher Publikumsverlag – Zsolnay gehört zu Hanser – und macht 60 Prozent des Umsatzes mit seinem Sach-Kinder- und Jugendbuchprogramm in Deutschland – bei seiner MA-Tochter Tosa sind es sogar 85 Prozent. Insofern ist die Geschäftsentwicklung von Ueberreuter für uns von noch erhöhtem Interesse.

Worin besteht also die gute Nachricht? Sie hat etliche Facetten, sie sich zu einem schönen Kreis runden.

Erstens: „Wir haben“, sagt Fritz Panzer, „2001 noch 250 Bücher gemacht, mittlerweile sind es nur mehr 180“ – angesichts der Titelschwemme auf dem deutschsprachigen Markt (die Zahl der Neuerscheinungen ist binnen der letzten zehn Jahre insgesamt um ein Drittel auf 90.000 Titel gestiegen, mit allen sattsam bekannten negativen vertrieblichen und ökonomischen Konsequenzen) – eine mutige, aber zur Nachahmung empfehlenswerte Entscheidung.

Zweitens: „Trotzdem“, so Panzer, „ist es uns gelungen, den Umsatz zu halten.“ Das ist schon mal eine Leistung – eine Leistung. die Mut macht.

Drittens: So logisch es vielen auf den ersten Blick scheinen mag, muss daraus nicht unbedingt folgen, dass sich die Rendite verbessert. Ueberreuter ist es jedoch außerdem gelungen, „das Ergebnis zu verbessern“.

Viertens: Diese erfreuliche Tatsache wiederum basiert offenbar auf einer durchdachten mittel- bis langfristigen Programmstrategie. Den Einkauf von fremdsprachigen Lizenzen, erläutert Panzer, „haben wir in den letzten zwei Jahren um 50 Prozent zurückgefahren.“ Warum? „Bei Lizenzen ist das Risiko groß – natürlich wegen der relativ hohen Autorenvorschüsse und den zusätzlich anfallenden Übersetzungskosten. „Und wenn das Buch Erfolg hat, muss man nach fünf bis sieben Jahren mit dem Lizenzgeber neu verhandeln“ – was entweder neue Vorschüsse erfordert oder zum Verlust der Rechte führt – d.h. schon mittelfristig Profil und Basis des Programms beeinträchtigen kann.

Fünftens: Wer mit Geschick und Erfolg ein eigenes Programm entwickelt, kann, abgesehen von der größeren Nachhaltigkeit, statt Rechte vom Ausland einkaufen zu müssen, Rechte verkaufen. „Wir schauen lieber, dass wir selber Lizenzgeber sind“ – eine zusätzliche Einnahmequelle.

Sechstens: „Ein Verlag muss sich eigenständig positionieren“. Die Aussage reflektiert zum einen die heute wieder wachsende Einsicht: Verlage brauchen ein unverwechselbares Gesicht und Profil. Sie bedeutet zum andern: Gesicht und Profil lassen sich letztlich und dauerhaft nur durch eigenständig kreative Lektorats- und Programmarbeit mit Autoren des eigenen Sprachraums zuwege bringen.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los gehts.

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