Der Schulbuchverlegerverband VdS BILDUNGSMEDIEN wertet die Ergebnisse der neuen OECD-Vergleichsstudie „Education at a Glance“ zu den wichtigsten Bildungsindikatoren in den entwickelten Industriestaaten als Bestätigung dafür, dass das deutsche Bildungswesen auf dramatische Weise unterfinanziert ist. Nach den OECD-Berechnungen machen Bildungsausgaben in Deutschland (öffentlich und privat) nur 5,3 % des Bruttoinlandproduktes/BIP aus – der OECD-Durchschnitt liegt bei 5,9 %. Zum Vergleich: In den USA werden 7,0 % des BIP für Bildung ausgegeben. Besonders unterdurchschnittlich fallen die staatlichen Bildungsausgaben aus. Auch eine Umrechnung der Ausgaben auf die Schülerzahl belegt laut OECD eine unterdurch-schnittliche Finanzierung im Primar- und Sekundarbereich I. Lediglich im Sekundarbereich II und im tertiären (Hochschul)Bereich liegen die Ausgaben pro Schüler über dem OECD-Durchschnitt.
Mit Nachdruck kritisiert der VdS BILDUNGSMEDIEN zudem das Ungleichgewicht bei den deut-schen Bildungsausgaben: Durchschnittlichen oder sogar überdurchschnittlichen Personalausga-ben stehen laut OECD extrem unterdurchschnittliche Sachaufwendungen gegenüber. In Deutschland werden die vergleichsweise geringen Bildungsausgaben durch über den OECD-Mittel liegende Perso-nalausgaben verbraucht: Die Anschaffung von Lehr- und Lernmitteln, Computern und Schulausstat-tung bleibt dann vielerorts auf der Strecke. Besonders betroffen sind laut VdS die öf-fentlichen Schul-buchausgaben, die von 1991 noch knapp 400 Mio. EUR auf 2002 nur noch 270 Mio. EUR regelrecht abgestürzt sind. Inflationsbereinigt gaben die Bundesländer und Kommunen 2002 pro Schüler nur noch die Hälfte dessen für den Schulbuchkauf aus wie noch 1991. „Bei der Ausstattung mit Schulbü-chern und Bildungsmedien haben die deutschen Schulen den internatio-nalen Anschluss völlig verloren“, warnt der Verband. In kaum einem anderen OECD-Land werde mit so alten Schulbüchern und so wenig Lern- und Unterrichtssoftware gearbeitet wie in Deutsch-land. Die Kritik der OECD, dass wegen der Unterfinanzierung das deutsche Bildungssystem in den Jahren 1990 bis 2000 nichts zur volkswirtschaftlichen Produktivitätssteigerung beitragen konnte, betrachtet der Verband als eine sehr ernste Warnung an die Politik: „Während weltweit immer mehr Länder großen Wert auf Bildungsinvestitionen legen, ist Deutschland jetzt ins untere Feld der OECD-Staaten abgestiegen.“ Der Verband fordert eine sofortige Kehrtwende bei der Bildungsfinanzierung.
Erstaunt ist der VdS darüber, dass im OECD-Bericht zum Untersuchungsbereich des Einsatzes der „neuen Technologien im Unterricht“ Aussagen zur Situation in den deutschen Schulen fehlen. Das Datenmaterial aus den Bundesländern liege vor. Ein internationaler Vergleich hätte – nach
Einschätzung des Verbandes – gezeigt, dass Deutschland auch bei der Hardwareausstattung der Schulen mit Computern der internationalen Entwicklung hinterher hinke. Dies gilt nach Aussagen des VdS umso mehr für die Ausstattung der Schulen mit Lern- und Unterrichtssoftware, deren Um-satz im letzten Jahr sogar leicht rückläufig war. In den deutschen Schulen werde zwischen 5 und 10 Mio. EUR für den Kauf von Lern- und Unterrichtssoftware ausgegeben – ein international lächerlich geringer Betrag.