„Umsätze nach oben – Rentabilität nach unten“ – „Stabile Kostenstruktur und Produktivität“ – „Buchhandlungen auf dem Land rentabler als in der Stadt“ – „Solide und stabile Finanzie-rung und Liquidität“ – „Internet: Lichtstreifen am Horizont“:
Dies sind einige Ergebnisse des soeben erschienen Betriebsvergleichs im (deutschsprachigen) Schweizer Buchhandel für die Jahre 2001 und 2002, der die finanzielle Situation der schweizerischen Buchhandlungen untersucht. Hier die Zusammenfassung der Ergebnisse:
Der vorliegende Betriebsvergleich beruht auf einer schriftlichen Erhebung, welche im Sommer 2003 durch das Schweizerische Institut für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St. Gallen (KMU-HSG) im Auftrag des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands SBVV bei 45 Deutschschweizer Buchhandlungen für die Geschäftsjahre 2001/2002 durchgeführt wurde. Die Aussagen des Vergleichs können zwar nicht als repräsentativ für die gesamte Schweizer Buchhandelsbranche bezeichnet werden, da insbesondere die Kleinbuchhandlungen in der Erhebung untervertreten sind.
Dennoch ist die Aussagekraft der Zahlen als hoch einzuschätzen: Am Vergleich 2001/2002 haben 10.5% der Buchhandlungen in der Deutschschweiz teilgenommen, welche 21.6% des Marktvolumens des stationären Sortimentsbuchhandels in der Deutschschweiz und 16.1% des Umsatzes im Schweizer Buchhandel abdecken. Die Vergleichsteilnehmer wurden in drei Grössenkategorien eingeteilt, basierend auf Umsatzhöhe oder Mitarbeiterzahl:
1. Grossbuchhandlungen (mehr als 10 Mitarbeiter bzw. über 4 Mio. Jahresumsatz)
2. Mittelgrosse Buchhandlungen (3-10 Mitarbeiter bzw. 1-4 Mio. Jahresumsatz)
3. Kleinbuchhandlungen (0-2 Mitarbeiter bzw. bis 1 Mio. Jahresumsatz)
Grösse der Betriebe
Die Vergleichsbetriebe beschäftigen im Durchschnitt 6.79 Mitarbeiter, erzielen einen Umsatz von 2.66 Mio. Fr. und verfügen über eine Geschäftsfläche von 346.3 m2. Die Unternehmen befinden sich zu rund 29% in Grossstädten (über 100‘000 Einwohner), zu 29% in mittleren Städten (10‘000-20’000 Einwohner) und zu 22% in Gemeinden auf dem Land (bis 10‘000 Einwohner).
Von 2001 auf 2002 kann man eine leicht positive Tendenz bei den Umsätzen feststellen, welche sich jedoch mit rund 2.6% als nicht statistisch signifikant erweist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass zum 1. Mai 2002 eine Preissenkung der aus Deutschland importieren Büchern von ca. 4% erfolgte, was sich in einem merklichen Umsatzrückgang auswirkte.
Die Rentabilitätssituation der meisten Betriebe ist jedoch angespannter denn je. Die Umsatzrendite liegt bei 0.2%, die Gesamtkapitalrendite bei 0.8%, und die Cash Flow Marge bei 0.8%. Diese drei Renditemasse sind in den letzten Jahren gesunken und sind heute auf einem sehr tiefen Niveau angelangt. Wie schon in der Erhebung 1999/2000 festgestellt, sind die mittelgrossen Buchhand-lungen statistisch gesehen weniger rentabel als die Gross- und Kleinbuchhandlungen.
Buchhandlungen auf dem Land rentabler als in der Stadt
Eine Unterscheidung der Buchhandlungen nach Lage des Geschäfts fördert zu Tage, dass Buch-handlungen auf dem Land statistisch signifikant rentabler sind als in der Stadt. Hingegen haben weder die Passantenlage noch die Sortimentsausrichtung einen signifikanten Einfluss auf die Rentabilität.
Die Rentabilität scheint dagegen mit folgenden Faktoren positiv zusammenzuhängen: Liquidität, Arbeitsproduktivität (Umsatz/1000 Fr. Personalkosten), Lagerumschlag (Lager gemessen zu Ein-kaufspreisen), Eigen-finanzierungsgrad. Der Faktor Personalkosten in % des Umsatzes korreliert negativ mit der Rentabilität.
Was die Finanzierung anbelangt, steht die durchschnittliche Buchhandlung des Betriebsvergleichs solide da. Die Anlagendeckungsgrade I (Eigenkapital zu Anlagevermögen) und II (Eigenkapital + Langfristiges Fremdkapital zu Anlagevermögen) liegen mit 203% bzw. 346% recht hoch. Die Hälfte der Teilnehmer weist einen Eigenfinanzierungsgrad von über 41.1% aus. Der Eigenfinanzierungs-grad ist bei den mittelgrossen Buchhandlungen signifikant tiefer als bei den anderen Gruppen.
Hohe und stabile Liquidität – Stabile Bruttomarge
Die Liquiditätssituation scheint recht komfortabel.
Die Durchschnittswerte liegen weit über den gängigen Empfehlungen. Die Liquidität ist bei den mittelgrossen Buchhandlungen signifikant tiefer als bei den anderen Gruppen. Die Kreditorenfristen sind tendenziell länger als die Debitorenfristen, was auf eine teilweise Finanzierung des Umlaufs-vermögens durch die Lieferanten hindeutet. Die Bruttomarge betrug im 5-Jahresmittel aller Betriebe rund 35% und ist über die Jahre 1998 bis 2002 praktisch konstant geblieben.
Offensichtlich sind die mittelgrossen Buchhandlungen nicht nur weniger rentabel, sondern auch weniger solide finanziert und zudem weniger liquide. Somit stellt sich gerade bei diesen Buch-handlungen die Frage nach der strategischen Ausrichtung, im Vergleich zu den Grossbuchhand-lungen und den Kleinbuchhandlungen mit schlanker Kostenstruktur und einer geschützten Marktnische.
Die Fixkostenstruktur ist über die Jahre praktisch konstant geblieben. Mit 21.2% sind die Personal- und mit 5,6% die Mietkosten die grössten Kostenblöcke. Beim Verwaltungsaufwand konnte die Studie jedoch einen Abbau feststellen. In diesem Bereich wurden auch am ehesten Mitarbeiter abgebaut.
Zur Produktivität ergeben sich folgende Erkenntnisse: Der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz exkl. Lehrlinge beträgt 289‘000, der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz je Verkaufsmitarbeitende Fr. 375‘800. Die Arbeitsproduktivität (gemessen am Umsatz/Mitarbeiter) sowie die Flächenproduktivi-tät (gemessen am Umsatz/m2) nehmen mit zunehmender Betriebsgrösse zu.
Sinkender Lagerumschlag – Diversifikation der Sortimentsstrukturen
Zum Lager lässt sich feststellen, dass dieses im Durchschnitt 7-11 mal im Jahr umgesetzt wird (je nach Bewertungsmethode des Lagers). Diese Diskrepanz ist dahingehend zu interpretieren, dass die Lager auf rund 60% des Verkaufswertes abgeschrieben sind. Kleinere Buch-handlungen weisen einen signifikant kleineren Lagerumschlag aus. Zudem sind die Lagerumschläge in den letzten Jahren markant gesunken.
Die Sortimentsstruktur blieb über die letzen Jahre relativ stabil. Sach- und Fachbücher sind die wichtigsten Umsatzträger, gefolgt von Belletristik sowie Kinder- und Jugendliteratur. Der Anteil der audiovisuellen Medien (CDs, Software, DVD, Hörbücher, Video) weist einen statistisch nachweis-baren Wachstumstrend auf. Dies weist auf eine weitere Diversifikation der Sortimentsstruktur im Buchhandel hin. Bei Karten sind jedoch statistisch signifikante Umsatzeinbussen festzustellen.
Das Schweizer Buchzentrum ist der nach wie vor dominierende Player im Markt der Zwischen-buchhändler, über den je nach Betriebsgrösse 42-49% aller Bestellungen abgewickelt werden. Auf andere Schweizer Auslieferungen entfallen rund 30% des Bestellvolumens, auf deutsche Grossisten nur gut 6%. Die Direktbestellungen bei Schweizer Verlagen sind gesunken, weil sie auch im-mer weniger selber ihre Bücher vertreiben.
Internet: Lichtstreifen am Horizont
Die mündliche Bestellung im Laden ist nach wie vor die häufigste Bestellform, gefolgt von Telefon und Brief/Fax. Bestellungen per E-Mail und Internet weisen klare Wachstumsraten auf. Die Wachstumsraten im Online Handel sind seit 1998 zweistellig. Die Umsatzanteile aus dem Online Shop sind von 0.8% im 1998 auf 5.4% im 2002 gestiegen. Im Rahmen von „Clicks and Mortar“-Strategien, das heisst die Kombination von Online und stationärem Buchhandel, bedrängen die stationären Buch-handlungen zunehmend die reinen Online-Händler. Bereits rund 81% aller Buch-handlungen verfügen über eine Homepage, und 60% haben einen Online Shop.
Im Durchschnitt kauft ein Online Shopper Bücher im Wert von 50 Fr. was deutlich grösser ist als beim stationären Handel, wo dieser Wert bei rund 38 Fr. liegt. Im Online Handel werden mehr Fach-, Sach- und Schulbücher gekauft gegenüber dem stationären Handel (mehr Taschen-, Kin-der- und Jugendbücher, Karten und Audiovisuelle Medien). Diese veränderte Sortimentsstruktur deutet daraufhin, dass per Internet insbesondere Bücher eingekauft werden, welche ein klar defi-niertes Informationsbedürfnis befriedigen, und weniger einem Unterhaltungsbedürfnis entsprechen.
Der Betriebsvergleich 2003 kann gegen Gebühr bei der Geschäftsstelle des SBVV bestellt werden.
Weitere Auskünfte
Schweizerisches Institut für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St. Gallen (KMU-HSG)
Thomas Zellweger, lic. oec. HSG, Projektleiter
Tel. + 41 (0) 71 243 07 00
thomas.zellweger@unisg.ch
Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV
Dr. Martin Jann, Geschäftsführer
Tel. +41 (0)1 421 28 00
sbvv@swissbooks.ch
www.swissbooks.ch