Mit einem Plus von 3% manifestierte sich die Aufwärtsentwicklung bei Kinderspielen im Jahr 2002. Dieses Niveau wird 2003 nach Schätzungen der Fachgruppe Spiel zwar nicht ganz gehalten werden können, doch die gesunde Basis für weitere positive Entwicklungen auf dem Gesellschaftsspielemarkt ist vorhanden. Der Gesamtumsatz der Branche (Brettspiele inkl. Sammelkartenspielen und Puzzles) stieg um 14,4%. Ausschläge dieser Art verdankt die Spielebranche in aller Regel bestimmten Trendartikeln (in diesem Jahr ist dies Yu-Gi-Oh), die das Sahnehäubchen auf dem jährlichen Umsatzgeschehen bilden. – Familien- und Erwachsenenspiele verzeichnen in den ersten drei Quartalen 2003 zwar noch ein Minus von 5%, doch die Verlage blicken auch hier sehr optimistisch in die unmittelbare Zukunft, zumal das 4. Quartal mit einem Anteil von fast 70% das wichtigste ist. Viele Spiele dieses Segmentes werden im Jahresendspurt von der unvermindert großer Innovationskraft aller Verlage profitieren. – Die Vernetzung von klassischen Gesellschaftsspielen und neuen Medien nimmt zu. – Die „Spiel“ in Essen vom 23. -27.10.2003 in der Gruga-Halle zeigt einem breiten Publikum, wie frisch und prickelnd die Innovationsquellen der Verlage sprudeln.
Mit einige neuen Entwicklungen lässt die Spielebranche im Jahr 2003 aufhorchen. Während sich die Aufwärtsentwicklung im Segment „Kinderspiele“ auf hohem Niveau einpendelt, zeichnet sich im klassischen Familien- und Erwachsenenspiel eine zunehmend fruchtbarere Vernetzung mit den spezifischen Möglichkeiten neuer Medien wie PC-Spiel und Internet ab.
Neue Wege der Vernetzung beschreiten eine ganze Reihe von Verlagen: Ravensburger bereicherte sein Abenteuerbrettspiel „King Arthur“ mit den Möglichkeiten eines integrierten, sprechenden Computerchips. Der Stuttgarter KOSMOS-Verlag wagte sich an die Herausforderung, Deutschlands erfolgreichstes PC-Spiel, das Entwicklungsepos „ANNO 1503“ in ein familiengerechtes, eigenständiges Brettspiel zu verwandeln und damit auch eher computerspielorientierte „gamers“ für den Reiz des klassischen Brettspiels zu begeistern.
Daneben nimmt die Zahl jener klassischen Brett- und Kartenspiele zu, die schon bald nach Erscheinen auch in einer qualitativ hochwertigen Bearbeitung Online gespielt und getestet werden können. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich Angebote, sich die Regeln eines Spieles über Demonstrationspartien via Internet zu erschließen.
Ungebrochen ist übrigen immer noch der Trend zu Fantasythemen wie „Der Herr der Ringe“ (Hasbro, Kosmos, Ravensburger) oder dem Klassiker „Dungeons and Dragons“, der jetzt bei Hasbro seinen Neuauftritt feiert.
Ernst Pohle, Sprecher der Fachgruppe Spiel, sieht die gegenwärtige Entwicklung äußerst positiv: „Jede Anstrengung, noch mehr Menschen für das Spiel zu gewinnen, wird von uns begrüßt. Wir haben in diesem Zusammenhang immer betont, wie wichtig Veranstaltungen wie die „Spiel“ in Essen sind, bei denen man Spiele kennen lernen und sich Lust auf mehr holen kann. – Wenn diese „Lust auf mehr“ nun auch noch durch stärkere Einbeziehung und Nutzung elektronischer Medien auf verschiedenen Ebenen an Dynamik gewinnt, dann kann das unserer einzigartigen klassischen Spielekultur nur gut tun.“
Pohle weiter: „Es gab bislang ja viele, die meinten, die Zukunft des Spieles läge im Computer. Nun aber zeigt sich, daß die originäre kommunikative Qualität des klassischen Gesellschaftsspieles so groß und reizvoll ist, daß PC-Spiele-Hersteller auch nach Wegen suchen, die von der virtuellen Bildschirm-Spielewelt in die quicklebendige Spielewelt des klassischen Brettspiel-Genres führen.“
Eine ähnliche Umkehrung der von Ernst Pohle aufgezeigten Entwicklungsprozesse fand in diesem Jahr 2003 auch noch im Verhältnis von Buch und Spiel statt. War es bislang so, daß Verlage hier und da literarische Themen spielerisch umsetzten, so steht die Spielewelt heuer vor dem Weltnovum, daß ein Spiel, nämlich „Die Siedler von Catan“ die Grundlage für einen großen historischen Roman bildet, der auf der gerade zu Ende gegangenen Buchmesse mit einer Startauflage von 100.000 vorgestellt wurde.
Einhellige Einstellung aller Spieleverlage: Gerade in konjunkturell eher schwierigen Zeiten ist die Spielebranche immer für Überraschungen und Innovationen gut. Die „Spiel“ in Essen wird das einmal mehr an den Tag bringen.







