„Was ist eigentlich das Besondere an Elke Heidenreich?“ lautet seit Monaten, seit Beginn ihrer Bücher-Fernsehshow eine immer wiederkehrende Frage. „Worin besteht das Geheimnis ihres Erfolgs, der Romanen Hunderttausende von Leserinnen und Lesern beschert, die ohne Elke Heidenreich nie zu ihnen gefunden hätten?“
„Die Macht des Fernsehens“, meinen manche. Wohl wahr. Nur ist so etwas in diesem Ausmaß bekanntlich noch keiner anderen deutschen TV-Literatursendung gelungen.
„Die Auswahl der Bücher“, sagen andere. „Sie sucht Titel aus, die viele Leser interessieren.“ Ganz recht. Aber sie richtet sich ja nicht, wie es heute viele Programmmacher tun, nach dem vermeintlichen Publikumsgeschmack. Sie hört sich nicht um, was die Leute interessieren könnte. Sie redet – zur Verzweiflung der Presseabteilungen – nicht einmal mit den Verlagen, um deren Vorschläge guter erfolgsträchtiger Romane zu erfahren. Sie verbittet sich sogar, heißt es dort, die unverlangte Zusendung solcher Titel.
„Weil sie sich auf das eigene Urteil verläßt.“ Gewiss – doch was ist das schon für ein Urteil, mokieren sich da etliche Literaturkritiker, sie kann ja nicht mal begründen, warum sie ihre Bücher gut findet, und, literarische Qualität betreffend, professionell gesehen, sind einige ihrer Empfehlungen ziemlich fragwürdig.
„Elke Heidenreich liest eben nicht so, wie es Kritiker tun. Sie liest, was sie menschlich interessiert, und sie empfiehlt, was sie persönlich, als Frau, berührt und überzeugt“, erklärt dazu eine passionierte Leserin aus meinem Bekanntenkreis.
Auf der Frankfurter Buchmesse hat ein älterer, gestandener Vertreter aus München alle Erklärungen auf einen Nenner gebracht: „Elke Heidenreich spricht so über Bücher, wie eine gute Buchhändlerin über Bücher spricht.“
Achtzig Prozent aller Marketing- und Werbeanstrengungen der Verlage für vermeintliche Erfolgstitel verschwinden bekanntlich im Orkus. Die Mehrzahl der Literaturkritiken erreicht die Leser nicht, hält sie vom Lesen ab oder vermag sie nicht zu motivieren, die Bücher zu lesen. Großbuchhandlungen und Filialketten, die meist auf Selbstbedienung der Kundschaft setzen, lösen den Schwung nicht aus, der neue Titel von mehr oder weniger unbekannten Autoren zum Erfolg führt – die springen erst auf, wenn engagierte Buchhändlerinnen den Zug auf Fahrt gebracht haben. Diese Frauen – in den Buchhandlungen arbeiten heute ja mehrheitlich Frauen – sind der eigentliche Motor des Literaturbetriebs und der Bücherwelt. Auch wenn sie nicht, wie Elke Heidenreich, über die Macht des Fernsehens verfügen. Sie bilden das unsichtbare Netzwerk, das gute, die Herzen bewegende Bücher ins Offene bringt. Sie sind unersetzbar.
Auf unsere Buchhändlerinnen – dreimal hoch!
Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.