Zunächst die aktuelle Nachricht: Der vor zwei Jahren mit großen Fanfaren aus der Taufe gehobene Deutsche Bücherpreis – seine Verleihung sollte als glamouröse „Oscar“-Veranstaltung für Autorinnen und inszeniert werden und dem Buchhandel zusätzlichen Umsatz bringen – steht vor dem Aus.
Faktenhintergrund Nummer Eins: Nachdem sich im Frühjahr bereits der erste der drei Hauptsponsoren, die Ravensburger Verlagsgruppe, verabschiedet hatte, steigen jetzt auch Random House und die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck aus. Dieter Schormann und Dr. Harald Heker, der Vorsteher bzw. der Hauptgeschäftsführer im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, sind offiziell informiert worden. Der Börsenverein ist Träger des Deutschen Bücherpreises.
Faktum Nummer Zwei: Das Ausscheiden der Ravensburger fand öffentlich kaum Beachtung. Der Rückzug der seither verbliebenen Sponsoren jedoch hat eine unübersehbare Konsequenz. Damit gehen dem Börsenverein insgesamt die 300.000 Euro ab, die er als Grundfinanzierung für den Deutschen Bücherpreis brauchte und braucht. Für 2004 stellen Random House und Holtzbrinck ihm wenigstens noch, wie es heißt, einen Bruchteil ihrer bisherigen Gelder zur Verfügung. Danach nicht einen einzigen Pfennig mehr.
Faktum Nummer Drei: Mit eigenen Mitteln kann der finanziell eh ausgepowerte Börsenverein den Deutschen Bücherpreis nicht stemmen.
Frage: Warum haben sich alle drei Hauptsponsoren zurückgezogen?
Dazu gibt es keine offizielle Stellungnahme. Man kann nur, man darf, ja, man muss vermuten: Aus Sponsorensicht hat der Deutsche Bücherpreis nichts gebracht, weder kommerziell – vermehrten Umsatz – noch kulturell: ein höheres öffentliches Ansehen des Buches.
Zum Flop kam es nicht wegen mangelnden Geldes, sondern auf Grund eines falschen Konzepts. Das falsche Konzept aber beruht im Kern darauf, dass der Börsenverein seine wesentlichen Aufgabe aus dem Auge verloren und seine praktischen Fähigkeiten maßlos überschätzt hat.
Ein Verband wie der Börsenverein ist primär kein Instrument für Marketing-Spektakel, für kommerzielle Interessen von einem Teil seiner Mitgliedschaft. Er hat seinen Sinn eigentlich als Lobby, die in der Öffentlichkeit wie vor allem gegenüber der Politik dem Kulturgut Buch Geltung verschafft – so wie der Börsenverein selbst es beispielsweise mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels mustergültig tut.
Und man mag ja an den Marketing-Aktivitäten der Verlage immer wieder Kritik üben; Bücher sind schließlich ein schwieriges Geschäft. Dort aber sitzen Profis, mit denen verglichen das Personal der verschiedenen Marketing-Abteilungen im Börsenverein nicht unbedingt aus mit allen Wassern gewaschenen operativen Spitzenkräften besteht.
Zur Zeit sollen Gespräche über eine eventuelle Zusammenlegung des (Leipziger) Deutschen Bücherpreises mit der (Münchner) Konkurrenzveranstaltung „Corine“ laufen. Nun gut, zwei gleich geartete Veranstaltungen der Branche – das war von vornherein ein Fehler, an dem vor allem der Börsenverein nicht ganz unschuldig ist..
Das Scheitern des Deutschen Bücherpreises könnte und sollte freilich vor allem eines bewirken – dass der Börsenverein sich endlich auf seine eigentlichen Funktionen und Möglichkeiten besinnt.
P.S.: Einem Gerücht zufolge soll der noch amtierende Chef der Leipziger Messe, Werner Dornscheidt, auf einer Beiratssitzung der Leipziger Messe am Rande der Frankfurter Buchmesse erklärt haben, die Leipziger Buchmesse sei in den Schwarzen Zahlen und könnte statt der bisherigen Sponsoren einspringen…
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