
„Die Liebe zu Japan teilt er mit Adolf Muschg. Das Mißtrauen gegenüber dem literarischen Betrieb mit Louis Begley. Und der Wunsch, die Identität des Suhrkamp Verlags zu bewahren und zu prägen, verbindet ihn mit Ulla Berkéwicz, an deren Seite Rainer Weiss nun in die erweiterte Geschäftsführung des Hauses eingetreten ist. Dabei ist seine Kontur im Schatten von Frau Berkéwicz bisher schwer auszumachen – als ihr ‚Vertrauter‘ wird er immer wieder bezeichnet, ohne daß irgend jemand zu wissen scheint, was das genau bedeuten soll“, heißt es darin.
Weiss wird als der Protagonist beschrieben, der bewusst im Hintergrund bleibt. „Alle Versuche, die Nachfolge Unselds zu regeln, hat er aus der Nähe verfolgt, ohne je selbst ein ernsthafter Kandidat zu sein. Gleichzeitig gilt sein Einfluß als immens, kann kaum einer bei Suhrkamp eine so starke Position vorweisen wie er. Über seine neue Aufgabe will er derzeit nichts Konkretes sagen – die Aufgabenfelder der vier Geschäftsführer würden noch definiert. Sicher ist nur, daß er seine Autoren nicht mehr so intensiv wird betreuen können wie bisher: Dies sei bei der Veränderung die „bitterste Pille“ für ihn, sagt Weiss. Worin das Bonbon besteht, wird sich zeigen.“
In der neuen Geschäftsführung wird Weiss wohl vor allem mit inhaltlichen Fragen betraut werden. Er ist zuständig für das literarische Programm des Suhrkamp Verlags sowie Leiter des Jüdischen Verlags. Seit achtzehn Jahren arbeitet er in der Lindenstraße; sein – von Autoren als hervorragend gerühmtes – Lektorat umfasst stattliche sechsundsechzig Namen. Zudem betreut er die Werke von Jurek Becker, Hermann Broch, Max Frisch, Ludwig Hohl und Wolfgang Koeppen. Weiss‘ Verbindung zu Suhrkamp ist nur wenige Jahre jünger als jene von Ulla Berkéwicz, deren erste Erzählung „Josef stirbt“ dort 1982 erschien. Seit 1986 ist Weiss auch ihr Lektor.







