Dieses Buch ist eine einzige „Misdirection“ – eine Ablenkung, wie sie zum Beispiel bei dem „Zaubertrick“ mit einer Münze gebräuchlich ist. Während wir denken, auf die Hand zu schauen, in der die Münze verborgen ist, ist es genau die, die uns von der ablenkt, in der die Münze in Wirklichkeit steckt. Oder umgekehrt – wir wissen es eben nie genau. Irgendwann, ungefähr in der Mitte des Buches, erzählt Wednesday, die vermeintliche Hauptfigur (?), Shadow, der eigentlichen Hauptfigur (?) seinen Lieblingsbetrug – das Bischofsspiel. Ein Bischof im purpurnen Ornat betritt einen Juwelierladen, sucht sich eine teure Diamantenkette aus und bezahlt bar. Die Dollarscheine haben einige grüne Kleckse zuviel und der Juwelier lässt das Geld von der Bank an der Ecke auf Echtheit prüfen. Es ist echt. Kaum ist der Bischof auf der Strasse wird er von einem Streifenpolizisten am Schlawittchen zurück in den Laden befördert. Ja, sagt der Juwelier auf die Frage des Polizisten, ob dieser bekannt-berüchtigte Ganove bei ihm hier gerade eine Halskette gekauft und in bar bezahlt hätte. Der Polizist entlarvt die Dollarscheine als perfekte Fälschung, beschlagnahmt und quittiert das Geld und die Diamtenkette als Beweismittel und verlässt mit dem angeblich Verhafteten den Laden – auf Nimmerwiedersehen. Natürlich stecken die beiden unter einer Decke. „Da“, sagt Wednesday, „war alles drin: Spannung, Täuschung, Beweglichkeit und Überraschung.“ Genau wie in dem genialen und bisher besten Buch des englischen Autors Neil Gaiman: „American Gods“ (624 S., 24,- E., Heyne Verlag, http://www.neilgaiman.com & http://www.neilgaiman.de). Ein einziges Spiel mit unseren Sinnen, unserer Wahrnehmung. Eine Camouflage der ersten Güteklasse, die so brilliant und beweglich erzählt wird, dass natürlich eine Überraschung gar nicht ausreicht, für die vielen Täuschungen, die da jongliert werden. Und wenn es ganz kribblig wird, helfen eben die Götter aus – immerhin stehen sie schon im Titel. Ein äußerst seltener, dafür aber purer Lesegenuss! STEFAN BECHT stefan@stefanbecht.de
Vorgeblättert: Bücher und Autor:innen im Freitag und in der ZEIT
Welche Bücher werden in den aktuellen gedruckten Ausgaben der Wochenzeitungen Der Freitag und Die ZEIT besprochen? Der Freitag Ausgabe 8: Ein ach so sensibler Mann. Bestsellerautorin Jennette McCurdy beschreibt ein missbräuchliches Lehrer-Schülerin-Verhältnis. von Florian







