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Gerhard Beckmanns Meinung – Beispielhaft: Wie Kinder fürs Lesen, Schreiben und Malen gewonnen werden

Dass Ursula Jones und Russell Ayto, SF Said sowie David Almond soeben mit dem britischen Smarties-Kinderbuchpreis ausgezeichnet worden sind, mag hier zu Lande nicht viele brennend interessieren.

Wie dieser Preis – in den Kategorien des Kinderbuchs für 5jährige, 6-8jährige und 9-11jährige Jüngstleser/innen, also die Stufen der britischen Grundschule umfassend, funktioniert: Es könnte uns vielleicht als Anregung dienen. Das Konzept, die Wahlprozedur mit einer breiten Leseförderung zu verbinden, scheint genial.

Also, da gibt es natürlich eine Jury aus Erwachsenen. Sie besteht zur Zeit aus der Kinderbuch-Redakteurin der Tageszeitung „The Guardian“, der für den Kinderbuchbereich zuständigen Redakteurin des Branchenmagazins „The Bookseller“, einer bekannten, auf Kinderbuchsendungen spezialisierten Fernsehjournalistin, einem berühmten Illustrator sowie einer preisgekrönten Autorin von Kinderbüchern.

So weit, soweit ganz normal.

Was nun aber das Besondere an den Smarties ist: Die Erwachsenenjury trifft aus der Fülle der von den Verlagen eingereichten Novitäten nur die Vorauswahl. Es sind Kinder aus den Altersgruppen von 5 bis 11 Jahren, welche die Preisträger küren.

Ist das etwa keine famose Idee?

Nicht genug damit. Denn: Wie kommt es zu dieser Kür?

Alle Klassen der Grundschulen des Landes – plus das so genannte Kids’ Club Network, das eine außerschulische Förderung von Kindern betreibt – werden eingeladen, an der Bewertung teilzunehmen. (Für 2002 waren es über eintausend.) Jede der teilnehmenden Klassen erhält drei Exemplare von den drei vorausgewählten Titeln, und nach der Lektüre stimmt jede Klasse darüber ab, welchen sie für den erst-, zweit- und drittbesten hält. Die Auswertung der Voten aller Klassen ergibt die Gewinner des jeweiligen Gold-, Silber- und Bronze-Smartie.

Auch das ist noch nicht alles, denn zum übrigen sind alle Schüler/innen eingeladen, im Zusammenhang mit einem der drei nominierten Bücher eine eigene Arbeit (Text oder Bild) zu gestalten.

Und die vier Kinder mit den besten Arbeiten werden nicht nur zur Teilnahme an der Preisverleihung eingeladen, die immer Anfang Dezember – dieses Jahr zum 19. Mal – in London stattfindet.

Diese vier Kinder überreichen die Smarties dort auch offiziell an die Gewinner.

Auf diese Weise werden
1. neue, spaßmachende Kinderbücher in den Rahmen des Schulunterrichts eingegliedert – und allgemeines Lesen gefördert
2. Kinderbücher aus der Sicht und Wahrnehmung von Kindern prämiert
3. Kinderbuchpreise schon durch das vorbereitende Procedere der Wahl zu einem landesweit über Wochen verankerten Phänomen
4. die Preise anlässlich der Verleihung zu einem besonderen (auch medialen) überregionalen Event.

Nachahmenswert?

Übrigens, zur weiteren Überlegung: Getragen werden die Smarties vom Nestlé-Konzern bzw. seinem britischen Ableger. Die Durchführung hat er „Booktrust“ übertragen, einer unabhängigen Charity-Organisation (Stiftung) zur Förderung von Buch und Lesen.

PS. Von dem diesjährigen Preisträger David Almond (für die Altersgruppe der 9- bis 11jährigen) sind auf Deutsch 9 Titel beim Ravensburger Buchverlag lieferbar.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig {seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.}

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