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Streit in Basel um einem Satz / Auch Politiker lesen Belletristik…

Die Basler Autorin Irena Brezná betrieb ein Flüchtlingsberatungsbüro. Sie informierte eingewanderte Kosovo-Albaner in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Roten Kreuz über Einreisebestimmungen. Nach dieser Zeit schrieb sie Bücher. Nun versetzt ein einziger Satz in einem dieser Bücher der Rechtspolitiker und ehemaliger Kantonsregierungsmitglied Eric Weber dermassen in Rage, dass er Anzeige erhob: „Ich bitte die Kantonsbehörden, mit aller Härte gegen diese Frau vorzugehen“. Weber wirft der Autorin „schwere Betrügereien“ vor.

Es geht um diese Textpassage: „Ich bestätige den Vertriebenen schwere Krankheiten, manche erfinde ich…“. Diese Aussage bezieht sich auf ihre Arbeit während des Kosovo-Krieges 1999. Der Politiker sieht darin die Bestätigung, dass die Autorin im damaligen Flüchtlingsbüro ihre Kompetenz überschritten und die Behörden getäuscht habe und erhob vor einigen Tagen Anklage. Die Autorin wehrt sich mit der Argumentation, dass sie zwar den Leuten gesagt hätte, dass Visa zum Beispiel bei chronischen Krankheiten erteilt würden aber sie betont, dass sie nie Krankheiten bestätigt hätte und die betroffenen Angehörigen hätten sich ja in Kosovo aufgehalten. Aber sie räumt die Möglichkeit eines Missverständnisses dieser Aussage ein.

Der Satz wird nun ein örtliches Gericht beschäftigen und der Rechtspolitiker will mit seinen Leuten, die Angelegenheit ins Kantonsparlament bringen. Der Umstand, dass der Kanton das Buchprojekt mitfinanzierte, verleiht dem Streit eine gewisse Brisanz aber keiner kann mehr sagen, Rechtspolitiker läsen keine Belletristik.
Urs Heinz Aerni

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