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Stellungnahme von Weltbild zum Streit um Auslieferung des Papst-Buches / Offener Brief aus dem Handel zum Thema

Zur Diskussion über die Auslieferung des neuen Papst-Buches lediglich durch die Barsortimente erreicht uns heute noch die offizielle Stellungnahme von Weltbild-Geschäftsführer Werner Ortner, die im wesentlichen noch einmal das bestätigt, was Ortner bereits gestern im Interview mit BuchMarkt-online [mehr…] erklärte – und inzwischen ein offener Brief an Werner Ortner von Dr. Michael Fürtjes , Geschäftsführer der Buchhandlung Droste (Düsseldof), der sich schon gestern mit einer Mail an uns zu diesem Thema zu Wort gemeldet hatte [mehr…].

Hier zunächst die offizielle Stellungnahme:

In wenigen Tagen erscheint weltweit das neue Buch von
Papst Johannes Paul II. „Auf, lasst uns gehen!“. Der Erfolg der päpstlichen
Erinnerungen genießt bei Weltbild oberste Priorität. Die Verlagsgruppe freut
sich, nach einem harten Bieterwettbewerb den Zuschlag für dieses gute und
wichtige Buch bekommen zu haben.

Dem Erwerb der Rechte folgten unmittelbar große Anstrengungen, das Buch zum
Erfolg zu führen. Weltbild unterstützt den Titel mit einer Werbekampagne in
einer für das Haus bisher unbekannten Dimension. Ab kommendem Montag, dem 17.
Mai, wirbt Weltbild für das Buchereignis des Jahres mit großformatigen Anzeigen
in Focus und Spiegel, der Zeit, Süddeutschen Zeitung, FAZ, Welt, zahlreichen
Wochen- und Regionalzeitungen sowie den katholischen Wochenzeitungen. Zeitgleich
mit dem weltweiten Erscheinungstag des Buches zum 84. Geburtstag des Papstes
(18. Mai), startet auch die BILD, Europas größte Tageszeitung, mit dem Abdruck
von Auszügen aus „Auf, lasst uns gehen!“.

Werner Ortner, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Weltbild: „Leider ist der
zeitliche Rahmen zwischen dem Erwerb der Rechte im April 2004 und dem weltweiten
Erstverkaufstag 18. Mai äußerst knapp bemessen. Vom Eingang des Manuskriptes bis
zur Erstveröffentlichung dauert es gerade mal vier Wochen. Um auch der kleinen
Buchhandlung auf dem Land die Chance zu geben, das Buch zu verkaufen, gab es nur
einen Weg: den über die Barsortimente. Wir sind sicher, dass die Barsortimente
ihre Flexibilität unter Beweis stellen werden und ihre Aufgabe in hervorragender
Weise erfüllen. Jeder Buchhändler soll an dem sich abzeichnenden Erfolg des
Buches teilhaben können.“ Weltbild liegen bereits über 30.000 Vorbestellungen
aus dem Buchhandel vor, die Startauflage von „Auf, lasst uns gehen!“ wurde auf
100.000 erhöht.

Und hier der offene Brief zum Thema:

Herrn
Werner Ortner
Weltbild Verlag
Steinerne Furt 67 – 69

86167 Augsburg

14.05.2004

Sehr geehrter Herr Ortner,

für wie dumm halten Sie eigentlich die Buchhändlerinnen und Buchhändler? Es blieb Ihnen nichts anderes übrig, sagen Sie im Interview mit „Buchmarkt“, die Versorgung des Buchhandels mit der Autobiographie des Papstes über die Barsortimente abzuwickeln, weil Sie keine Vertretercrew haben. Als ob es tatsächlich zwingend einer Vertretercrew bedürfte, um ein Buch eines derart prominenten Autors an den Buchhandel zu vertreiben. Wer soll Ihnen denn diesen Unfug allen Ernstes glauben?

Mit Ihrer Entscheidung, keine direkte Belieferung der Buchhandlungen durch den Verlag zu ermöglichen, sondern diese ausschließlich an die Barsortimente zu verweisen, nehmen Sie den Buchhändlern die in unserer Branche übliche Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wie sie die Autobiographie des Papstes einkaufen: nämlich zu guten Konditionen direkt beim Verlag in größerer Menge, so dass dieses wichtige Buch auch angemessen am Point of sale präsentiert wird, oder aber in kleiner Menge beim Barsortiment zu schlechteren Konditionen, um den Titel wenigstens vorrätig zu haben. Denn dies ist doch die auch Ihnen gewiß bekannte weitgehende Praxis.

Ihre Entscheidung nimmt also billigend in Kauf, dass im Buchhandel die Autobio-graphie des Papstes aus wirtschaftlichen Gründen eher zurückhaltend als offensiv
angeboten wird. Oder vertrauen Sie darauf, dass die Buchhändler der Nachfrage wegen sich doch hinreichend bevorraten und dabei großzügig auf Rabatt verzichten?

Wie auch immer, Ihre Haltung zeugt kaum von aufrichtig partnerschaftlichem Geist, den Sie wohl suggerieren wollen, wenn Sie im „Buchmarkt“ betonen, dass Sie „den Buchhandel unbedingt im Boot haben wollen“.

Weltbild ist auch dieses Mal wieder der böse Bube, um Ihre Formulierung aufzugreifen. Dies abstreiten zu wollen gehört zur Arroganz des Großen, der einer gesamten Branchensparte eine allgemein übliche Wahlmöglichkeit schlicht vorenthält.

Es wäre aufrichtig, dies nicht durch so unsinnige Argumente wie das Fehlen einer Vertretercrew zu verbrämen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Michael Fürtjes

P.S. Da dieses Thema meines Erachtens von allgemeinem Brancheninteresse ist, werden Sie sicherlich einverstanden sein, dass ich diesen Brief „Buchmarkt“ zur Verfügung stelle.

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