Home > News > Das war der Donnerstag

Das war der Donnerstag

Matthias Mayers tägliches Messe-Update

Heute habe ich den nagelneuen Reclam-Messestand besichtigt. Reclammodefarbe für diese Saison: Verlässlichgelb (letztes Jahr: Kadmiumgelb, davor Zitronenfaltergelb.) Und schön ist der Stand geworden: Alles etwas lichter, übersichtlicher, einladender, irgendwie distinguiert mit runden Ecken. Habe trotz der neuen Einrichtung Helmut Markwort knipsen können.

Schön geworden: Der neue Messestand von Reclam
Schön geblieben: Markwort & Reclamgeschäftsführer Dr. Frank Rainer Max

Ebenfalls ein gelber Verlag: Langenscheidt. Ausweislich eigener Beschilderung gab es „Tütenausgabe“ leider nur „zur vollen Stunde“, Foto siehe Meldungen vom Sonntag. Trotz dieser bedauerlich straffen Reglementierung ehrt es Langenbreit, dass der traditionsreiche Münchner Verlag in dieser ewigen Legalisierungsfrage eine Vorreiterrolle einnimmt.

Wo andere Goldene Schallplatten haben, hat er sich ein Goldenes Buch erarbeitet: hobbythek-Autor Jean Pütz stellte bei seinem Hausverlag vgs „Das Beste aus 30 Jahren hobbythek“ vor. Zusammen mit WDR-Redakteur Jörg Knör. Und ungezählten (weiblichen) Fans!
Doch, der Pütz!
Jean „Ich habe das hier schon mal vorbereitet“ Pütz!

Zur Erholung dreht man am besten eine Runde in der unspektakulärsten aller Hallen. Nicht von ungefähr steckt Zen in dem Wort Sortimenterzentrum. Kein Gedrängel, keine Kameras, kein Prominenter. (Obwohl man für Hellmuth Karaseks Abwesenheit niemals garantieren kann.)
Allerdings haben sie dieses Jahr den Hessischen Rundfunk im gleichen Zimmer untergebracht, das brachte ein wenig Leben in die Bude. Susanne Fröhlich hatte einen Auftritt, aber viel wichtiger waren die echten Augsburger Puppenkistenpuppen!
Die Originale!

Urmel, Jim & Lukas!

Als die auf die Bühne kamen, verlor ich eine Träne der Rührung. Gerade als ich hoffen wollte, dass niemand es gesehen hat, nickte mir [hr-Fernsehdirektor Hans Werner Conrad nachsichtig lächelnd zu. Super. Meine Frau hasst es, wenn ich wegen Kindersendungen weine, und jetzt weiß es der ganze hessische Rundfunk.

bild(r, 902)

Bei Heye wollte ich nur in den Kalendern blättern, als plötzlich mit Rummel und Geblitze das Newmodel Christina Schutta ihren nackten Kalender in Übergröße präsentierte.
Ich verliere bei Motiven von Frank Wartenberg immer einen Glückstropen Speichel, aber in der Öffentlichkeit war es mir doch etwas peinlich.

bild(r,903)

Wenn man dann auf dem Rückweg bei Coppenrath vorbeikommt, kriegt man sofort einen Insulinschock, weil alles so süß ist, vorbei an GU, wo das alljährliche Reality Cooking betrieben wird.
Am Herd standen die Klitschkos und schlugen in die Pfanne, was immer man ihnen hinhielt. (Das ist natürlich gelogen, aber auch recht, solange sie nur nicht wieder die Feldbusch-Pooth an den Tiefkühlspinat lassen.)

Mein schönstes Erlebnis war, als ich heute den Christoph getroffen habe. Den aus der Sendung mit der Maus. Fast hätte ich wieder geflennt.

Das ist der Christoph. Der hat keinen Nachnamen. Das klingt komisch, ist aber so. Und hier ist ein Bild von ihm.

Christoph Biemann (also doch!)

Mein anderes schönstes Erlebnis war Dolly Buster. Ich bin mir nicht sicher, ob sie es wirklich war; diese Aufgepumpten sehen sich alle so ähnlich, und ich hatte keinen Weitwinkel dabei.

Aber bevor ich das Niveau wechsle, muss ich Ihnen noch sagen, wie der Chef von Franziska von Almsick geschwärmt hat: Rücken an Rücken habe er mit Ihr gestanden, und als er das erzählte, hat sogar sein Sakko Gänsehaut bekommen.

Mein drittes schönstes Erlebnis war die tolle Strizz-Tasse bei C.H. Beck. Man schenkte mir eine, die ich dann stolz vor mir her trug.

Brigitte Loesdau bei Knaur sah’s und fiel in Entzücken und wollte auch eine. Ich hin zu Beck, noch eine Tasse für Loesdau loseisen; Beck war total grozügig und warf mir gleich zwei hinterher, damit ich endlich abhaue.
Eine davon tauschte ich bei Knaur gegen Friedrich Hechelmanns Boccaccios Decamerone, und deshalb lieben wir die Buchmesse.
Knaur, Beck und ich.

Als ich dann endlich Pause machte, fand ich eine gute Gelegenheit, um Helmut Benze bei seiner eigenen Pause zu stören. Wenn mich ein Journalist beim Essen stören würde, würde ich wahrscheinlich sofort vor Stress aus den Augen bluten.

Apropos Stress:

Arme Internetprojektleiter müssen im Messekeller eine Internetseite aus dem Boden stampfen, in frankensteinischer Geschwindigkeit (und bitte etwas hübscher als der beühmteste Homunkulus der Weltliteratur), während andere Leute sich und ihre Literaturnobelpreise feiern lassen – Glückwunsch, Frau Jelinek!

Bei Rowohlt hat Dirk Moldenhauer diese Heldenaufgabe übernommen, gelöst und binnen drei Stunden ein feines Nobelpreisportal gezaubert.

Dafür ein Schüttelhaiku:

Bei Rowohlt an der holden Mauer
Tippt sich wund Herr Moldenhauer.

Aber jetzt will ich Schluss machen, nach diesem Tag fühlen sich meine Füße an als wären sie Dolly Buster.

Ihr
MesseMayer

herrmayer@hotmail.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige