
Bitte anschnallen und bereit machen zum Aufprall, wenn wir alle post messum in das Schwarze Loch fallen. Mit einem Plopp speiht uns die Messe wieder aus und hält ein Jahr lang Winter-, Frühlings- und Sommerschlaf.
Einerseits. Andererseits sind wir alle heilfroh, dass wir endlich wieder heim dürfen. Einigen graust schon vor all dem Abbauen und Einpacken und Wegschaffen; wiederum andere lassen sich sogar die Zuckerwürfel von ihrer Verlagsauslieferung nach Hause bringen.
Wo die GU-Küche war, steht heute eine gigantische GU-Spülmaschine, die Reste werden dann bei Weltbild zum günstigeren Preis serviert.
Die letzten Promineten huschen vorbei, erlauben Sie mir bitte nachzureichen den blassen Willemsen und den gesundgesichtigen Dieter Hildebrandt, beides Kabarett-Ikonen.
Wenigstens einer von ihnen ist sozusagen die Inge Meysel des Deutschen Kabaretts. Der andere ist irgendwie nur Inge Meysel.
Bei meinem ersten Versuch, ihn zu knipsen, lief uns ein so ein Nichtfachbesucherhirsch vor die Linse, und Hildebrandt konterte:
„So ist das Leben, immer kommt einer dazwischen.“
Blankes Kabarett, dieser Mann! Wo nimmt er das nur immer her?
Herr Hildebrandt war so geduldig, mein unsachgemäßes Gefummel an der Digicam für eine zweite Aufnahme abzuwarten.


Dann hätten wir da noch den Vokalkünstler Alexander Klaws bei teNeues. (Sie merken schon, die Messe ist vorbei, und ich will meine Kamera leerkriegen.)

Schon früh am Tag ist mir das ironische Antimarketing bei Manhattan, Random House vor die Augen getreten, das mit aller Deutlichkeit davon abrät, sich für die Lemony Snicket-Reihe zu interessieren.
Sehr spekulativ, sehr durchschaubar, aber durchaus drollig.
Wehe, die Bücher sind nicht besser.

Von erwartbar herausragender Qualität ist der allerneueste Karl-Comic von Apitz & Kunkel im AK-Verlag. Der gescheite, liebevolle, anspielungsreiche Geschichtscomic um den Spätlesereiter ist hoffentlich kein Geheimtipp mehr.
Ebenfalls seine Fangemeinde hat Chris & Marty vom gleichen Zeichner: die beiden Texter Christof Hillebrand und Martin Kämper geraten in bewährte und berühmte Settings aus dem Kino. Auf den ersten Band, der Easy Rider persiflierte, wird eine Bond-Geschichte folgen.
Der Clou: Bei ebay wurde am Sonntag Abend eine Rolle in diesem Comic für wohltätige Zwecke versteigert! Für € 1001,01 ging der Part unter den Hammer.
Ob der Gewinner als Funny Sidekick, als Bösewicht, verrückter Wissenschaftler oder als Hagebutte eingesetzt wird, hängt davon ab, wie er oder sie letzten Endes aussieht.

Während ich in Yogabüchern nach Frauen in Unterwäsche blätterte, konnte ich mitanhören, wie eisern BLV die Ladenpreisbindung verteidigt und konsequent an den Buchhandel verwiesen hat.
Es ist aber auch wahr:

Da kommen Leute an, die im Leben kein Buch kaufen, aber heute alles geschenkt haben wollen. Lob an BLV.
Und hier – schauen Sie sich die Werbeaktion der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft an:
Diese Freiheitsstatue verlost nicht eine und auch nicht zwei Flugreisen nach New York, sondern zwei Bahnfahrten nach Halle.

Platz Zwei war dann ein DVD-Spieler, und da hätte mich jetzt Platz Drei wirklich interessiert.
Vielleicht zwei DVD-Spieler?
Die Rückfahrkarten für Halle?
In Comicbereich in Halle 3.0 wollte ich gerne wissen, was es mit dem Kinderfasching auf sich hat, und es stellte sich mein Banausentum heraus:
Die jungen Leute waren als Mangafiguren kostümiert. Kein Marketing steckt dahinter, kein Verlag – sondern Schülerinnen und Schüler u.a. von der Kooperativen Gesamtschule Sehnde in Hannover, die einfach klasse fanden, dass es hier um Mangas ging.
Was habe ich noch gelernt: Über 70 % der im Deutschen Buchhandel umlaufenden Comics sind inzwischen Mangas! So Stefan Zeidenitz, Vizepräsidenten der Deutsch-Japanischen Gesellschaft e.V.
Japan ist mächtig stolz, und ich kann mir schon lebhaft vorstellen, was hier abgeht, wenn Japan mal Gastland wird.
Und Mangas heißen immer noch Mangas, und nicht Tokyopop.

Und apropos Gastland.
Ich habe mir die Hallen und Zelte unserer Gastländer der Arabischen Welt angesehen und war beeindruckt, aber auch verunsichert. Die arabischen Autoren und gar Autorinnen, die internationalen Erfolg haben, veröffentlichen in der Regel im westlichen Ausland.
Die nationale Literatur der arabischen Länder hingegen ist mir allenfalls zum Angucken interessant: Was für herrliche, schöne Bücher mit beeindruckenden, fremden Kalligraphien es da zu sehen gab!
Und was für wunderschöne Kunstwerke im Zelt! Originale, nicht Farbkopien wie im Comicforum.
Aber es scheint mir allzu verräterisch, mich bei der Betrachtung unseres diesjährigen Mottos in die Folklore zu flüchten, nur um meine Unsicherheit mit diesem Thema vor Ihnen zu verbergen.
Gewiss, ich will Sie nicht mit der Larmoyanz meiner mangelnden internationalen Hoffähigkeit langweiligen, vor allem, wo die Feuilletons und Literaturbeilagen schon alles mögliche zu diesem Thema gesagt haben.
Aber immerhin beschäftigt man sich bei so einer Gastlandangelegenheit wenigstens mal mit den Gastlandangelegenheiten und kann seine Ansichten und seinen Informationsstand durchaus überprüfen und aktualisieren.
Von mir aus können wir jedes Jahr abwechselnd eine kontroverse Nation und ihre jeweiligen Gegner einladen, wenn es der Verständigung dient.
Nach diesem Thema habe ich mir eine Stärkung verdient und löse eine Essensmarke bei Dr. Oetker ein. Eigens aus Eltville eingeflogen bereitet mir Starkoch Josef Laufer ein
Süppchen von Kartoffeln auf Sahne mit gelbem Curry, Shrimps und Korianderpesto.
Ja, lesen Sie’s ruhig nochmal.
Die besten Häppchen gab’s bei e-Buch, den besten Rotwein durchaus bei Red Line Wirtschaft, den besten Sekt bei Hoffmann & Campe und den besten Prosecco bei dtv.
Cola war überall gleich gut.
Wir selbst hatten – aber ich habe heute versprechen müssen, genau darob zu schweigen.

Jedenfalls solchermaßen satt und gedurstlöscht, durfte ich am späten Nachmittag Klaus Barski kennenlernen, seines Zeichens ein…
…Millionär, der mal auf Ibiza, mal in Florida, mal in Königstein im Taunus lebt,
ein C-Promi mit unglücklicher Liebe zur Schriftstellerei,
ein Hochstapler,
ein genialer Aufsteiger,
ein Märchenerzähler,
ein Hasardeur
ein Träumer, ein Spinner,
der sich um „Hals und Kragen“ schreibt und redet und das beste Buch des Jahres verfasst hat: Lebenslänglich an der Côte d’azur, erschienen bei éditions trèves
Und das Schönste: Er hat mir erlaubt, das alles zu schreiben!
Nun gut, er hat es mir im Grunde diktiert und mit einem tragbaren digitalen Selbstdarstellungsgerät belegen können.
Nach allem, was ich weiß, glaube ich im Grunde nur eine der obigen Behauptungen ganz und gar nicht.
Ich wünsche Kopf- und Beinbruch, oder wie man da sagt.
Apropos Selbstbemeisterung:
Ich hoffe, sie haben in dieser Woche keine illegalen Rauschdrogen in der B-Ebene der Konstablerwache erworben, denn Langenscheidt hat seinen stündlichen Service bis zum Ende der Messe konsequent durchgezogen. Auch dafür nochmals Danke.

Zu den Anagrammen des Schweizer Wallimann-Verlages (Frankfurter Buchmesse – Kurs Armes Buchtreffen) hätte ich leider noch hinzuzufügen, dass mein geschmackloser Anagrammvorschlag vom Vormittag doch nicht passte, weil ein „t“ fehlte.
Dafür reiche ich nach:
Buchpreisbindung – Bruchbuden in Gips
Elfriede Jelinek – Kneife jede Rille
Hellmuth Karasek – Er stahl Kamelkuh
Elke Heidenreich – Heikel Riechende
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse und das viele Anklicken.
Glauben Sie mir eines:
Die nächste Messe lasse ich mir nicht entgehen und bin auch dann wieder
Ihr
Messemayer
Und nun die Werbung.
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Lesen Sie meine monatliche Kolumne Mayer meint, im November speziell zum Thema „Unsere Besten.“ Ich freu mich schon.
Die Messe-Mayer-Beiträge der vergangenen Woche werden bald vollständig zur Verfügung stehen.