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Hamburger Buchhändler trotzt Branchenflaute: Heymann expandiert / Weitere Filialen im Visier / Neues Zentrallager in Lokstedt für 1,5 Millionen Euro

Wieder mal ist das Hamburger Abendblatt für eine Top-Nachricht gut: Heymann expandiert. Hier der Bericht von Melanie Wassink:

Der Raum ist nicht größer als eine Abstellkammer. Er mißt vielleicht zwölf Quadratmeter. Mit den hohen Schränken an den Wänden und den zwei Schreibtischen in der Mitte bleibt kaum Platz, sich einmal um seine eigene Achse zu drehen. Der Raum, die Kammer, ist das Büro von Christian Heymann (39) und seiner Schwester Heike Heymann-Rienau (41). Für die beiden Geschäftsführer der größten Buchhandlung Hamburgs im Familienbesitz ist solche Sparsamkeit Prinzip: „Warum soll ich mir ein größeres Büro leisten, wenn ich dafür den Verkaufsraum beschneiden müßte?“, fragt Christian Heymann und deutet Richtung Sachbuchabteilung, wo vom Kochbuch für Milchshakes bis zum Ratgeber für Rollschuhanfänger in der Tat ein breites Sortiment geboten wird.

Die hanseatische Bescheidenheit, die Konzentration aufs Geschäft der beiden Enkel des Firmengründers Kurt Heymann zahlt sich aus: Heymann ist eine der erfolgreichsten Buchhandlungen Hamburgs. Die zweitgrößte nach der von Douglas übernommenen Thalia, die mittlerweile den gesamten deutschen Markt dominiert und eine der wachstumsstärksten.

Während der Absatz der Buchhändler 2003 im Schnitt um 1,7 Prozent auf 9,07 Milliarden Euro zurückging und das Wachstum in diesem Jahr bestenfalls eine schwarze Null erreicht, freuen sich die Heymanns über einen knapp zweistelligen Umsatzzuwachs. Ohne die neue Filiale in Itzehoe, also flächenbereinigt, bleibt immerhin ein „gutes Plus“, sagt Christian Heymann.

Mittlerweile gehören seiner Familie neun Filialen in Hamburg und vier im Speckgürtel, und ein Ende der Expansion ist damit noch lange nicht in Sicht: „Zumindest vier weitere Stadtteile sind für uns interessant, außerdem eine Vergrößerung der Geschäfte in Winterhude und Blankenese.“ Um den Zuwachs auch logistisch bewältigen zu können, bauen die Heymanns derzeit ein neues Zentrallager in Lokstedt. Es wird die bisher verfügbare Lagerfläche auf 1500 Quadratmeter verdreifachen und kostet 1,5 Millionen Euro.

Was machen die Heymanns anders, warum ziehen sie an der Konkurrenz vorbei und trotzen der aktuellen Konjunkturflaute, die auch an Leseratten nicht spurlos vorübergeht? „Bei uns soll sich der Kunde wohlfühlen“, sagt Heymann. Und als er mehr darüber erzählt, wird deutlich: So knauserig die beiden Heymanns mit sich selber sind, so großzügig gehen sie mit ihren Kunden um – oder sollte man lieber Gästen sagen.

Schließlich lassen sich die Heymanns und ihre Mitarbeiter einiges einfallen, mutieren sogar von Verkäufern zu Gastgebern, damit sich ein besonderes Wohlfühlgefühl einstellt: Natürlich gibt es Kaffee und die üblichen Schmökerecken in den Geschäften. Aber hin und wieder auch frisch gebackene Waffeln, Sekt, Eis, Cocktails, ja ganze Beachpartys. Alles gratis. Und natürlich ohne Zwang zum Kauf. „Auch wenn ein Kunde mal nur hier sitzt und liest und gar nichts kauft – wenn er sich wohlgefühlt hat, wird er schon irgendwann wiederkommen und dann vielleicht ein Buch mitnehmen“, sagt Heymann.

Aber auch außerhalb ihrer Filialen sind die Heymanns als exzellente Gastgeber bekannt: Sie organisieren 120 bis 130 Veranstaltungen im Jahr, die im weiteren Sinne etwas mit Literatur zu tun haben. Ihre Lesungen mit bekannten Autoren und Prominenten wie Henning Mankell, Hans J. Massaquoi (Neger, Neger Schornsteinfeger) oder Udo Jürgens in den Kammerspielen, der Musikhalle oder im Schauspielhaus sind fast immer ausverkauft.

Finanziell lohnt sich der Aufwand für die Heymanns nicht. Ein Autor bekommt 1000 bis 3000 Euro für eine Lesung, zusätzlich müssen Plakate gedruckt und Räume gemietet werden. Selbst für eine Autogrammstunde nehmen Prominente 500 bis 2000 Euro. „Aber wir haben uns mit den Veranstaltungen einen Namen gemacht“, sagt Heymann. Zudem erhöhen sie die Kundenbindung. „Viele kommen extra in die Geschäfte, um nach den nächsten Veranstaltungen zu fragen.“ Und dann kaufen sie womöglich auch ein Buch. Und wenn nicht, vielleicht beim nächsten Besuch.

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