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Jörg Schröder über den „Neckermann für Intellektuelle“, eine „lemurenhafte Figur“ und eine „waberende Psyche“

Wer sich zum Wochenende einen echten Lesespass gönnen möchte, geht zum Kiosk und kauft sich die neuste Ausgabe (Nr. 03/2005, 4,50 Euro) der Zeitschrift für Popkultur SPEX www.spex.de. Darin gibt es nicht nur ein kleines Spezial zu der diesjährigen lit.Cologne www.litcologne.de, die vom 16.-20. März stattfindet, sondern auch eine ganz wunderbare Geschichte von SPEX-Kulturchef Wolfgang Frömberg über den Verleger des März Verlages www.maerz-verlag.de Jörg Schröder, dessen Bücher via Area Verlag www.area-verlag.de gerade eine gar nicht so überraschende Renaissance erleben.

Zu diesem Zweck hat Wolfgang Frömberg im letzten Jahr Jörg Schröder und Barbara Kalender in Augsburg besucht und wurde dort, das wir wissen wir, nicht nur kulinarisch aufs Beste verwöhnt, sondern hat sich auch ziemlich lange (und ziemlich gut) mit Verleger und Autor Schröder unterhalten. Und der, das wissen wir nun alle, gehört zu den besten Erzählern des Landes und hat folglich frei von der Leber weg gequatscht und damit das Band ziemlich voll. So etwas passt natürlich, bei aller Liebe zur Literatur, nicht im vollen Umfang ins Heft (10 Seiten Din A-4-Ausdruck!). Deshalb findet sich das gesamte, ungekürzte Gespräch zwischen den beiden im Web unter: http://www.spex.de/web/texte.php?id=269&ex=1.

Natürlich kriegt hier wieder jeder sein Fett ab, ob es nun Lutz Kroth, ehemals Reinecke, von Zweitausendeins www.zweitausendeins.de, dem „Neckermann für Intellektuelle“, dem „Konzern der zweiten Kultur“, Frank Schirrmacher von der FAZ: „Jedenfalls fühle ich mich geehrt, wenn so einer wie Schirrmacher mich als 68er verachtet. Ich wäre ja entsetzt, wenn diese wabernde Psyche mich gut fände! Dann müsste ich sagen: »Schluss! Zeit zum Aufhören, wenn es so missverständlich ist, was ich schreibe.«…“ oder die „lemurenhafte Figur“ KD Wolff, der ehemalige Roter Stern Verleger, ist. Aber es geht auch um durchaus Ernsthaftes, wie zum Bespiel die Trennung von „fiktionaler“ und „nicht-fiktionaler“ Literatur: „Also noch einmal: Auch, wenn reale Personen in einem Buch vorkommen, so werden sie doch auf dem Papier mehr oder weniger zu fiktionalen Figuren. Die einzige Möglichkeit eine Figur nicht zu erfinden: Du kannst die Person, nach der sie abgebildet ist, in Formalin legen. Dann ist sie aber tot.“

Wieder einmal hat die Zeitschrift SPEX, die letztes Jahr schon das Projekt gute aussichten-junge deutsche fotografie 2004/2005 http://www.guteaussichten.org unterstützte, bewiesen, wie relevant auch kleinere Ereignisse in der grossen Maschinerie unserer Kultur-Industrie sein können. Mensch muss sie nur sehen und erzählen wollen. Das ist Arbeit, hier auf geradezu bravuröse Art gemeistert und, wie gesagt, ein ganz ganz grosser Lese-Spass. s. a. [mehr…]
STEFAN BECHT stefan@stefanbecht.de

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